Gegen den Abriss von drei Häusern im Freiburger Osten hat das Bündnis "Zukunft statt Abriss" über 1.600 Unterschriften gesammelt. Am Dienstagnachmittag hat das Bündnis die Unterschriften der Vermieterin, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), übergeben. Diese will auf dem Grundstück Häuser mit mehr Wohnraum bauen. Die Mitglieder des Bündnisses finden: Durch Aufstockung ginge das günstiger und ökologischer.
1.600 Menschen stellen sich gegen den Abriss
Es ist der letzte Tag an dem die Mieterinnen und Mieter noch einen offiziellen Mietvertrag in ihren Wohnungen in der August-Ganther-Straße haben. Das Bündnis "Zukunft statt Abriss" nimmt das zum Anlass, um der BImA zu zeigen: Der Unmut der Mieterinnen und Mieter hat einen großen Rückhalt. Gemeinderäte verschiedener Fraktionen, ein Linken-Bundestagsabgeordneter, Architects for Future und weitere Personen sind zur Übergabe der Unterschriften gekommen.
Auch Urs Egger ist mit dabei. Seit 28 Jahren wohnt er mit seiner Frau Maria Vollmer schon in einer der Wohnungen, denen der Abriss droht. Zwölf Wohnungen gibt es in den drei Häusern der August-Ganther-Straße, neun davon sind noch bewohnt.
Die meisten Mieter machen Platz - Ein Ehepaar kämpft weiter
Die meisten Mieterinnen und Mieter haben die Kündigung auf den ersten Juli akzeptiert, auch wenn sie eigentlich nicht aus den Wohnungen raus wollen, sagt Egger. Seine Frau und er haben Einspruch eingelegt und riskieren damit eine Räumungsklage und einen Rechtsstreit.
Und sie gehen ein hohes persönliches Risiko damit ein. Denn diejenigen, die die Kündigung akzeptieren, erhalten für die Bauzeit eine Ersatzwohnung und dürfen danach in den Neubau ziehen. Urs Egger und Maria Vollmer droht die BImA damit dieses Angebote zu entziehen. Das geht aus einer Mail hervor, die dem SWR vorliegt. Am Ende könnten sie also ohne Wohnung dastehen.
Gegenüber dem SWR erklärt die BImA: In einem stark nachgefragten Wohnungsmarkt wie Freiburg - könne man Wohnraum nicht über Monate freihalten oder leer stehen lassen. Man sei aber bemüht, auch nach Klärung der Rechtslage Ersatzwohnraum zur Verfügung zu stellen.
Sanieren statt abreißen?
Eine ungemütliche Situation sei das, sagt Egger. "Aber die Argumente stehen auf unserer Seite und das beruhigt mich." Denn es geht ihm und seinen Mitstreitern nicht nur um die eigene Wohnung. Sie finden: Für den Abriss gebe es eine sinnvollere Alternative. Ein Freiburger Bauexperte hat Pläne entworfen, wie man die drei Häuser aufstocken könnte. Dabei könnte ähnlich viel Wohnraum entstehen, wie nach den Plänen der BImA, so Egger. Außerdem seien die Pläne ökologischer.
In bestehenden Gebäuden ist sogenannte "graue Energie" gespeichert - die Energie für Herstellung, Transport und Entsorgung von Baumaterialien. Wer abreißt und neu baut, muss sie erneut aufwenden. So wird mehr CO₂ freigesetzt als bei einer Sanierung. Im Fall der drei Häuser bis zu 700 Tonnen, sagt Egger. Zudem sei die Aufstockung günstiger: Drei bis vier Millionen Euro Einsparung habe eine Analyse der Mieter ergeben.
BImA widerspricht den Mietern
Dem widerspricht die BImA jedoch. Sie sagt: "Eine Sanierung und Aufstockung wäre unwirtschaftlicher, würde weniger Wohnfläche schaffen und stößt zudem an baurechtliche Grenzen." Die Vorschläge der Mieterinnen und Mieter habe man geprüft.
Auch gesprächsbereit zeigt sich die BImA nicht mehr. "Aus unserer Sicht sind alle Argumente ausgetauscht." Einen weiteren Diskurs sehe man als nicht zielführend an. Beide Seiten hoffen nun noch auf ein Einlenken der jeweils anderen Partei. Ansonsten dürften sie sich vor Gericht wieder treffen. Ob Neubau oder Sanierung: Am Ende dürfte sich der Bau neuer Wohnungen dann um zwei Jahre verzögern, so die Einschätzung des Bündnisses "Zukunft statt Abriss".