Die andauernde Hitze in den vergangenen Wochen ist für viele Menschen eine Belastung - vor allem für Menschen, die auf der Straße leben. Dabei wird obdachlosen Menschen der Zutritt zu klimatisierten Gebäuden oft verwehrt.
Samuel Opoku (Name geändert) steht vor seinem lilafarbenen Zelt und hebt die grau gemusterte Vliesdecke an. Sie verhängt den Eingang und bietet so etwas Sicht- und Lichtschutz. "Mein Schlafzimmer", sagt er. Im Zelt liegen eine Isomatte mit mehreren bunten Decken sowie ein kleiner schwarzer Trolley.
Opoku wohnt seit etwa vier Monaten auf der Straße, schätzt er. Sein Zelt steht unter einer Autobrücke an der Dreisam. Vorher hatte er eine Arbeit und eine Wohnung - beides wurde ihm gekündigt. Er ist alleine in Freiburg: Seine Schwester wohnt in Hamburg und der Rest seiner Familie ist in Ghana. Sie telefonieren oft miteinander. Deshalb wohnt er jetzt mit anderen Männern unter der Brücke. Manche kennt er kaum, ein anderer ist sein bester Freund in Freiburg geworden.
Extreme Hitze: Im Zelt ist es nicht auszuhalten
Frische Luft kommt nur schwer in das kleine Zelt. Morgens um 7 Uhr hat es draußen bereits 22 Grad, sodass es auch nachts im Zelt nicht auszuhalten ist. "Es ist zu heiß. Du kannst nicht schlafen - innerhalb von drei oder vier Minuten schwitzt du so viel wegen des Zelts. Es ist sehr heiß."
Vor dem Zelt liegt eine orangene Yogamatte. Manchmal schläft Samuel Opoku dort, oder er geht ein paar Meter weiter. Dann schläft er direkt am Fußweg, ohne das Zelt, das ihm sonst immerhin ein bisschen Raum für sich bietet.
Hitze als Gesundheitsgefahr für obdachlose Menschen
Die Hitze macht Samuel Opoku zu schaffen. Er sorgt sich deshalb um seine Gesundheit, denn die sei bereits angeschlagen, deutet er an. Obdachlose Menschen sind besonders gefährdet. Wer Tag und Nacht auf der Straße verbringt, ist anfälliger für Krankheiten und kuriert sie schlechter.
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Außerdem sind viele der Menschen auf der Straße psychisch vorbelastet. Dazu kommt bei vielen der Konsum von Drogen. Bei der Hitze verstärkt sich dies alles noch, weil der Körper sich auch in den warmen Nächten nicht erholen kann.
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Die Zahl der Toten in Baden-Württemberg ist aufgrund der Hitze in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Zahlen, wie sehr wohnungslose Menschen von der Hitze betroffen sind, gibt es jedoch nicht. Aber extreme Hitze stellt für jeden Menschen eine Gefahr dar: Wassermangel, Sonnenstich, Verwirrtheit, manche Medikamente wirken nicht richtig und Krankheiten verstärken sich.
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Die Hitze bedeute Stress für alle, sagt Willibert Bongartz. Er leitet die Pflasterstub', eine Einrichtung für wohnungslose Menschen der Caritas in der Freiburger Innenstadt. "Das ist wie Gewitterstimmung. Die Menschen sind dann unter Umständen gereizter, es kommt eher zu Missverständnissen, es kommt auch mal zu kleinen Konflikten und wir versuchen das hier zu lösen."
Freiburger Pflasterstub' ist bei Hitze rappelvoll
Morgens, wenn es noch einigermaßen kühl ist, nimmt sich Samuel Opoku seinen Rucksack und geht zur Pflasterstub'. "Hier bekomme ich einen Kaffee", erzählt er. Außerdem: Kostenloses Frühstück und ein Arzt schaut drei Mal in der Woche vorbei. Der Eingang zur Pflasterstub' ist unauffällig, sie liegt im Keller. Vor dem Gebäude steht eine alte Eiche auf einem großen Platz. Darunter sitzen bereits mehrere Männer und Frauen und warten.
Die Hitze macht sich auch in der Pflasterstub' bemerkbar. An ruhigen Tagen kommen während der Öffnungszeiten um die 80 Menschen, bei der Hitze sind es bis zu 120. Da komme die Einrichtung an ihr Limit, so Bongartz: "Wir machen um 7 Uhr auf und hatten in den letzten Wochen immer wieder über 20 Menschen vor der Türe stehen."
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Schutz vor Hitze: Möglichkeiten der Pflasterstub' begrenzt
Bongartz geht ins Lager und holt mehrere Kappen: eine weiße, eine schwarze und eine grüne. Sie schützen den Kopf vor der Sonne. In der Pflasterstub' versuchen sie ihren Gästen so gut es geht zu helfen. "Im Sommer können wir sehr wenig anbieten. Es geht ja darum, etwas zum Kühlen zu bekommen und da können wir nur kaltes Wasser und leichte Kleidung anbieten und vielleicht mal eine Sonnencreme." Fast alles, was sie in der Pflasterstub' haben - vom Essen bis zur Kleidung -, erhalten sie aus Spenden.
Die Pflasterstub' ist nicht die einzige Einrichtung, in die wohnungslose Menschen gehen können. An besonders heißen Tagen fährt auch der Hitzebus vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) durch die Stadt mit Wasser und Sonnenschutz im Gepäck. Bis zu 20 Fahrten unternehmen sie an heißen Tagen.
Wie viele andere Städte hat auch Freiburg ein Hitzeschutzkonzept. Es gibt Karten, auf denen kühle Orte oder Trinkwasserbrunnen verzeichnet sind. Das sind öffentliche Orte, denn an vielen anderen klimatisierten Plätzen sind wohnungslose Menschen nicht immer willkommen. Etwa in Einkaufszentren, Supermärkten oder Bahnhöfen.
Tricks obdachloser Menschen im Kampf gegen die Hitze
Fragt man die Obdachlosen selbst, haben sie ebenfalls einige Tricks in der Tasche, um sich zu schützen. "Ich habe meine Decke, die ich feucht mache", erzählt einer. Eine Frau geht gerne nachts schwimmen. Bei der Hitze könne sie eh nicht durchschlafen, da tue die Abkühlung gut.
Ein Mann, der sich "Eimer" nennt, sitzt mit seinem Hund unter dem Baum. "Er darf jetzt nicht ganz so viel spielen, wie er gerne würde", erklärt er. "Ich schaue, dass er nur abends oder morgens ein bisschen spielt, damit er nicht überhitzt." Da sei es im Winter einfacher: Gegen die Kälte helfe Bewegung, aber gegen die Hitze? "Wir bewegen uns so wenig wie möglich. Die Hitze kann ganz schön müde machen."
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Nachmittags, wenn die Pflasterstub' geschlossen hat, geht Samuel Opoku gerne an die Dreisam. "Da schwimme ich ein bisschen oder sitze am Rand und schaue zu, was passiert."