Wer bei einer Pflug-Europameisterschaft an gemütliches Traktorfahren denkt, liegt daneben. Zwei Tage lang treten Teams aus mehreren Ländern gegeneinander an, um zu prüfen, wer den Acker am präzisesten bearbeitet. Pflügen gilt als "Königsdisziplin" im Ackerbau. Sebastian Murkovsky, vom Europäischen Pflüger-Verband EPV, beschreibt das Pflügen poetisch als "Arbeit an der Haut von Mutter Erde".
Pflügen bedeutet die Haut der Mutter Erde zu bearbeiten.
Gutes Pflügen bringt gute Ernte
Wie der Boden bearbeitet wird, ist entscheidend für das Wachstum der Pflanzen, sagt Murkovsky . Er erklärt, wie es geht: Die Erde muss im idealen Winkel von 135 Grad gedreht werden. Nur dann werden alte Stoppeln und Unkraut so untergepflügt, dass sie nicht weiterwachsen, sondern verrotten. Gleichzeitig wird der Boden oben aufgelockert und kann sich unten verfestigen. Pflügen sei eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass Feuchtigkeit aus tieferen Schichten nach oben steigen kann.
Gut gepflügter Boden ist die Basis für neue Früchte. Sebastian Murkovsky sieht es schon von weitem: Ist ein Boden im Herbst nicht sorgfältig bearbeitet worden, erkennt er das im Frühjahr an den Pflanzen.
Präzises Pflügen ohne Hightech
Die Pflug-Europameisterschaft setzt auf Können: GPS und andere elektronische Hilfen sind strikt verboten. Jedes Land hat ein eigenes Regelwerk für die Bewertung, der deutsche Katalog gilt als besonders streng.
Es wird in mehreren Runden gepflügt und der Wettbewerb dauert zwei Tage. Die Pflüger müssen ihre Maschinen zwischendurch immer wieder nachjustieren: Die Tiefe der Furche muss auf den Zentimeter genau stimmen, der Winkel der Erddrehung sorgfältig eingestellt sein. Über den gesamten Acker sollen gleichmäßige, parallele Linien entstehen. Die Jury kontrolliert das mit dem Zentimetermaßband direkt im Feld.
Irischer Europameister im Pflug-Sport
Am besten pflügt auch in diesem Jahr wieder ein Ire: Jer Coakley, neuer Europameister der Pflüger. Der Ire setzt sich bei den Meisterschaften am Wochenende am Hochrhein gegen 17 Teams aus 10 Ländern durch. Käthy Angst, Organisatorin der Pflug-Europameisterschaft, sagt: "Eigentlich fahren immer alle gegen die Insel." Gemeint sind Teams aus Irland, Nordirland und England, die in den vergangenen 17 Jahren die Titel unter sich ausgemacht haben.
Der deutsche Teamchef verweist auf eine lange Wettbewerbs-Tradition in Großbritannien und Irland. Dort finden fast jedes Wochenende Pflug-Wettbewerbe statt. Viele "alte Hasen" mit jahrzehntelanger Erfahrung sind für diese Länder am Start. Sie haben ihren eigenen Traktoren, Maschinen und Ersatzteile verladen und sind an den Hochrhein gereist.
In Deutschland ist Pflügen vor allem als Weiterbildungswettbewerb für Junglandwirtinnen und Junglandwirte etabliert. Für deutsche Teams gilt eine Altersobergrenze von 35 Jahren.
Nach der Arbeit wird auf dem Feld wird gefeiert
Die Europameisterschaft im Wettpflügen ist nicht nur ein Jahrzehnte altes Kulturgut, sagt der Teamchef. Es geht auch um Gemeinschaft. Natürlich gehört zu dem Treffen am Wochenende auch ein Partyprogramm.