In Freiburg ist die Dreisam an heißen Sommertagen für viele Menschen eine rettende Oase. Für die Fische bedeuten die vielen Badegäste allerdings puren Stress, mahnen Ökologen. Hinzu kommt: Die Dreisam heizt sich immer weiter auf und der Wasserpegel sinkt.
Wasser in Freiburgs Dreisam ist viel zu warm
Auf Höhe der Ganter-Brauerei hält Ingo Kramer ein Messgerät in die Dreisam. Angenehme 17 Grad hat es hier - noch. Das liegt an den Kältepools, die dort ins Flussbett gegraben wurden. Die Pools sind bis zu zwei Meter tief, dadurch mischt sich etwa zwölf Grad kaltes Grundwasser mit reichlich Sauerstoff ins warme Dreisamwasser. Eine rettende Kühlinsel für die Fische, gerade jetzt in diesen Rekordhitze-Tagen.
31,1 Grad hat Kramer kürzlich anderswo in der Dreisam gemessen. So warm ist der Fluss mittlerweile an vielen Stellen - sofern überhaupt noch Wasser da ist. "Da kann kein Fisch mehr überleben", sagt der Biologe und Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg (LFVBW). Auch in anderen Flüssen ist die Temperatur zuletzt stark gestiegen.
Kältepools sollen eigentlich Fische retten
Deshalb sind die Kältepools so wichtig: "Vertreibt man die Fische hier, schickt man sie in den sicheren Tod." Ingo Kramer hat nicht grundsätzlich etwas gegen das Baden in der Dreisam. Doch bei den Kältepools stört es ihn. Diese wurden extra aufwendig für die Fische angelegt. Und in heißen, trockenen Sommern sind sie für die Fische einer der letzten Rückzugsorte in der Dreisam, sagt der Biologe.
Wir machen uns Riesensorgen um die Fische, die jetzt noch in der Dreisam leben.
Die Kältepools werden auch tatsächlich genutzt. Jedes Jahr stellen Kramer und seine Kollegen mehr Fische darin fest. Döbel, Groppen, Bachforellen, Hechte und sogar Lachse sind unter anderem in der Dreisam heimisch. Doch sie brauchen Ruhe. Es sei extrem schlecht, wenn man in den kühlen Pools bade, erklärt Kramer. Denn: Wohin sollen die Fische in der Dreisam flüchten?
An heißen Tagen wird die Fischtreppe zur Sackgasse
Auch die Fischtreppe an der Freiburger Schwabentorbrücke ist ein beliebter Badeort. An extrem heißen Tagen wie vergangenen Samstag ist hier kaum ein freier Stein im Wasser zu sehen. Überall tummeln sich Menschen und planschen im Wasser. "Es ist etwas Besonderes in Freiburg, dass es die Dreisam zum Abkühlen gibt. Es ist immer so ein bisschen Urlaubsfeeling", sagt eine Frau. "Gerade jetzt, wo es so heiß ist, ist die Dreisam einfach ein wichtiger Ort", ergänzt ein anderer Badender.
Ihren eigentlichen Zweck kann die Fischtreppe dann aber nicht erfüllen. "Es ist eigentlich eine Aufstiegshilfe für Lachse, Döbel oder Bachforellen", sagt Biologe Ingo Kramer. "Durch den Badebetrieb haben die Fische hier keine Chance." Ein Badeverbot, das weiß er allerdings auch, wäre hier wohl kaum durchzusetzen.
Urin und Sonnenmilch: Wasserqualität leidet
Hinzu kommt: An der Dreisam gibt es keine Sanitäranlagen. Einige Menschen, vor allem Kinder, pinkeln gelegentlich mal ins Wasser. "Urin enthält Stickstoffverbindungen und diese werden im Wasser sofort hochoxidiert", erklärt Klaus Lachner, Fachreferent für Gewässer beim LFVBW. Dadurch werde der Sauerstoff im Wasser, der im Sommer eh schon knapp ist, noch weniger. Außerdem ist Urin laut Lachner ein Düngemittel. Das fördere das Wachstum der Algen.
Wenn die Menschen in die Dreisam pinkeln, leidet der Sauerstoffgehalt. Je weniger Wasser drin ist, umso mehr.
Auch Sonnenmilch gelangt ins Flusswasser. Die sei zwar heute in der Regel biologisch abbaubar. "Aber auch das braucht Sauerstoff", erklärt Lachner.
Viele Gewässer in Baden-Württemberg sind derzeit zu warm. Das hat Folgen, nicht nur für den Fischbestand. Jakob Sax aus der SWR Umweltredaktion ordnet die aktuelle Lage unserer Flüsse ein:
Braucht es ein Badeverbot an der Dreisam in Freiburg?
Doch wie könnte eine Lösung aussehen? Ingo Kramer wünscht sich, dass die Menschen mehr aufgeklärt werden. Viele wüssten zum Beispiel gar nicht, wofür die Kältepools da sind.
Er hat auch eine konkrete Forderung: "Ein Betretungsverbot zu bestimmten Zeiten gerade in diesen Bereichen." Das müsste die Stadt erlassen. Einen entsprechenden Antrag habe der Fischereiverband bereits gestellt, sagt Kramer.
Stadtverwaltung will auf Bade-Ansturm reagieren
Und tatsächlich ist das Problem auch bei der Stadtverwaltung angekommen. "Mit dem sehr heißen Sommer dieses Jahr wird es deutlich: Wir müssen da doch was machen", sagt Klaus von Zahn, Leiter des städtischen Umweltschutzamtes.
Entweder werden wir mit Informationsschildern arbeiten oder aber sogar entsprechende Verordnungen und Badeverbote in Teilbereichen erlassen.
Man müsse schauen, ob man bei gewissen Wasserständen und an bestimmten Stellen das Baden einschränke, sagt er. Doch damit sei man vorsichtig. "Eigentlich ist es ja in Ordnung, wenn Menschen Gewässer nutzen", so Klaus von Zahn. Die Überlegung: Erstmal Info-Schilder an den Kältepools aufstellen. Damit, so schätzt der Amtsleiter, könnten 70 bis 80 Prozent der Badenden erreicht werden.
Pegel deutlich gesunken Zu warm, zu wenig Wasser: Forellen im Elsass in Gefahr
Der Anglerverband im unteren Elsass schlägt Alarm: Wegen der andauernden Trockenheit sinken die Pegelstände vieler kleiner Flüsse in der Region. Eine Gefahr für die Fische.
Bei der beliebten Fischtreppe in der Dreisam sei die Stadt etwas entspannter, sagt Klaus von Zahn. Vor allem im Winter und im Frühjahr sei die Treppe für die Fische wichtig, weil dann Hauptlaichzeit ist. "Und da sitzen keine Menschen in der Dreisam und stören", sagt Klaus von Zahn. "Bei den Kältepools schauen wir schon deutlich genauer hin." Er betont aber auch: "Natürlich wird der Großteil der Dreisam weiter frei zugänglich sein für die Stadtgesellschaft."