Lieferengpässe bei Halbleitern

Chipmangel: Stehen in der Autoindustrie bald die Bänder still?

In der Autoindustrie könnte bald die Produktion unterbrochen werden: Es fehlen wichtige Chips. Der größte Hersteller Nexperia hat wegen eines Konflikts mit China Lieferprobleme.

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Von Autor/in Jenny Beyen, Geli Hensolt

Bremsen, Airbag, Einparkassistent - alle diese Dinge im Auto benötigen Chips, damit sie funktionieren. Allerdings ist nicht nur die Autoindustrie auf Chips angewiesen, auch in Handys, Laptops oder Waschmaschinen werden sie verbaut. Die Nachfrage nach Chips ist also riesig. Das Problem: Das grundlegende Material der Chips sind Halbleiter und die sind Mangelware. Deshalb herrscht schon länger Chipmangel.

Handelskonflikt macht Lieferungen schwierig

Die meisten großen Produzenten von Halbleitern sitzen in China und sind damit stark vom Handelskonflikt zwischen China und den USA betroffen. Das führt schon seit Längerem zu Lieferproblemen. Im aktuellen Fall trifft es besonders den weltweit größten Chiphersteller Nexperia in den Niederlanden, der auch Autobauer in Deutschland und Baden-Württemberg beliefert.

Chiphersteller Nexperia: Streit zwischen Niederlande und China eskaliert

Nexperia sitzt zwar in den Niederlanden, gehörte aber bis vor kurzem dem chinesischen Unternehmen Wingtech. Weil die niederländische Regierung befürchtete, dass Know-how nach China abwandern könnte, hat sie inzwischen die Kontrolle über die Firma übernommen. China stoppte daraufhin die Ausfuhr von Nexperia-Produkten wie Chips für die Autoindustrie. Laut dem Verband deutscher Automobilindustrie (VDA) hatte das Unternehmen Automobilhersteller und Zulieferer informiert, dass es die Belieferung mit seinen Chips nicht mehr in Gänze gewährleisten könne.

Was heißt das für die Autoindustrie?

Grundsätzlich ist von dem Chipmangel und den Nexperia-Lieferengpässen die gesamte Autoindustrie in Deutschland betroffen. Allerdings halten sich die Autobauer bisher bedeckt, keiner spricht zurzeit offen davon, dass demnächst die Bänder still stehen könnten oder Kurzarbeit drohe.

Mercedes: "Prognose ist schwierig"

Ein Sprecher des Stuttgarter Autobauers Mercedes hat erklärt, man sei im Kurzfristzeitraum abgesichert, weil man gute partnerschaftliche Beziehungen mit seinen Lieferanten habe. Mercedes arbeite intensiv mit den Partnern daran, eventuell auftretende Lücken zu schließen, heißt es. Aus Sicht des Unternehmens ist es zum jetzigen Zeitpunkt aber schwierig, verlässliche Prognosen zu machen.

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Die Autoindustrie befürchtet einen neuen Halbleitermangel aufgrund eines Exportverbots in China. Noch ist Audi nicht direkt betroffen, bereitet sich aber auf mögliche Engpässe vor.

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Audi-Werk in Neckarsulm bisher nicht beeinträchtigt

Der Autobauer Audi hat ein großes Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Auch hier bereite man sich auf einen möglichen Halbleitermangel vor, so Audi. Allerdings sei Nexperia kein direkter Lieferant. Es würden jedoch Nexperia-Bauteile in Komponenten von Audi verwendet.

Audi stehe mit allen relevanten Beteiligten in engem Austausch. So wolle man frühzeitig mögliche Risiken identifizieren und über entsprechende Maßnahmen entscheiden, so der Autobauer. Welche Maßnahmen das allerdings genau sind und ob damit den Beschäftigten in Neckarsulm wieder Kurzarbeit droht, ist aktuell nicht bekannt.

Volkswagen: Kurzarbeit, aber nicht wegen Halbleitern

Verschiedene Medien hatten berichtet, dass es bei Volkswagen bereits ab nächster Woche Kurzarbeit geben wird. Das hat der Konzern inzwischen bestätigt. Allerdings liege das nicht an fehlenden Chips, sondern sei eine geplante Maßnahme wegen einer Inventurmaßnahme, so VW.

Zu den Lieferengpässen bei Chips erklärte Volkswagen, dass es zurzeit keine Auswirkungen gebe. Ähnlich wie bei Konzern-Tochter Audi ist Nexperia kein direkter Lieferant von VW, allerdings werden auch hier Nexperia-Bauteile in den Fahrzeug-Komponenten verwendet. Man sei im engen Kontakt mit allen Beteiligten, könne kurzfristige Auswirkungen auf die Produktion aber nicht ausschließen, erklärte Volkswagen.

Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche, ebenfalls ein Tochter-Unternehmen von Volkswagen, hat sich selbst nicht geäußert. Ein Sprecher erklärte, alle Kommunikation laufe über den Mutterkonzern VW.

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Autoexperte warnt vor Folgen

Die Autobranche gibt sich bisher also betont gelassen. Manche Autoexperten sehen die Situation hingegen bereits kritischer.

Momentan gibt es noch keinen nachweisbaren Produktionsstopp eines Herstellers. Aber es könnte sich ausweiten. Und je länger dieser Exportstopp von China dauert, umso brenzliger wird die Situation.

VDA bemüht sich um schnelle Hilfe

Der Verband deutscher Automobilindustrie hat sich bereits zu den Lieferengpässen geäußert. In einer Pressemitteilung erklärt VDA-Präsidentin Hildegard Müller, die Situation könne schon in naher Zukunft zu erheblichen Produktionseinschränkungen, gegebenenfalls sogar zu Produktionsstopps führen.

Der VDA sei mit den betroffenen Unternehmen, der Industrie, der Bundesregierung sowie der EU-Kommission in Kontakt. Man werde versuchen, schnelle und pragmatische Lösungen zu finden, so Müller.

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