Zwei Zahlen und eine gute Nachricht für Autofahrerinnen und Autofahrer: In Rheinland-Pfalz gibt es gut 4.200 Brücken auf Autobahnen und Bundesstraßen, in Baden-Württemberg sind es knapp 6.000: Keines dieser rund 10.000 Bauwerke ist aktuell gesperrt!
Die Kehrseite der Medaille: Viele Brücken sanierungsbedürftig
Allerdings: Auch wenn bisher nirgends der kritische Punkt überschritten ist, an dem eine Brücke gesperrt werden muss. Der Zustand der Brücken verschlechtert sich seit Jahren. Inzwischen gilt etwa jede zehnte Brücke im Land als sanierungsbedürftig.
Allein in Baden-Württemberg müssten in den nächsten Jahren 100 Brücken jährlich saniert werden. Tatsächlich waren es zuletzt nur zehn Stück. Gleichzeitig gilt, dass diese Brücken aufgrund hoher Sicherheitsstandards in Deutschland zwar befahren werden können, oft aber entlastet werden müssen: etwa durch Tempolimits oder einen Mindestabstand bei Lastwagen.
Spannbeton-Brücken in schlechtem Zustand
Beide Maßnahmen greifen aktuell zum Beispiel bei der Moseltalbrücke Winningen an der A61. Anfang 2023 waren dort Risse entdeckt worden. Die Risse durchziehen fast die gesamte Länge der Brücke von fast einem Kilometer. Aktuell wird die Brücke saniert. Frühestens 2034 soll die Moseltalbrücke komplett neu gebaut werden.
In Baden-Württemberg ist die A81 eines der Brücken-Sorgenkinder. An dieser Autobahn gibt es gleich vier Spannbeton-Brücken aus den 1970er-Jahren mit mehr als 300 Metern Länge, die in die schlechtesten Zustandskategorien fallen.
Wo sie lebt, darf erstmal nicht gebaut werden Neubau der B19-Kochertalbrücke bei Aalen: Wegen Haselmaus gefährdet?
Die viel befahrene B19-Kochertalbrücke ist marode und muss durch einen Neubau ersetzt werden. Die seltene Haselmaus könnte jetzt die Pläne gefährden: Sie ist in der EU geschützt.
Das Problem: Die "Boomer-Brücken"
Alle vier Brücken in Baden-Württemberg und auch die Moseltalbrücke bei Winningen in Rheinland-Pfalz stehen dabei exemplarisch für den aktuellen Sanierungsstau. Denn in den 1960er- und -70er-Jahren wurde in Deutschland extrem viel gebaut.
Ähnlich wie bei den geburtenstarken Jahrgängen der Baby-Boomer, die aktuell die Rente vor Herausforderungen stellen, stellen diese "Boomer-Brücken" jetzt unsere Infrastruktur vor Herausforderungen: Sie sind einfach alle gleichzeitig alt geworden und entsprechend sanierungsbedürftig.
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen
Aber es gibt auch Erfolgsgeschichten: Zum Beispiel die Schiersteiner Brücke an der A 643 zwischen Mainz und Wiesbaden. Der Neubau der fast 1,3 Kilometer langen Brücke über den Rhein wurde 2023 für den Verkehr freigegeben - das allerdings nach zehn Jahren Bauzeit mit deutlichen Einschränkungen für den Verkehr.
Kostenstudie des ADAC bei fünf Brücken
Laut einer ADAC-Studie vom November 2025 müssen rund 8.000 Brückenbauwerke modernisiert werden. Der Automobilclub hat bei fünf sanierungsbedürftigen Bauwerken simuliert, welche Folgen eine spontane Vollsperrung für den Verkehr, die Anwohner und die Umwelt hätte und wie groß die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten wären. Fazit: Die Schäden für die Wirtschaft durch Umwege und Staustunden lägen momentan schon bei den Beispiel-Brücken in Höhen von jährlich 14 bis 334 Millionen Euro und die Kosten steigen mit jedem Jahr weiter an.