Die vergangene Saison war Mittelmaß mit Ausreißern nach oben
Unterm Strich spricht Tabellenplatz sechs für eine solide Leistung, mit der der FCK zum oberen Drittel in der 2. Liga gehörte. Bereits einige Spieltage vor Saisonende war klar, dass der FCK weder mit dem Aufstieg noch mit dem Abstieg etwas zu tun haben wird. Die Mannschaft hatte deshalb in der Schlussphase der Saison Probleme, noch Höchstleistungen abzurufen und leistete sich die eine oder andere unnötige Niederlage, wie das 0:2 im Fritz-Walter-Stadion gegen Abstiegskandidat Braunschweig. Da drohte die Stimmung bei den Fans zu kippen. Siege im Derby gegen den KSC waren aber positive Highlights einer Saison ohne große Höhen und Tiefen.
Insgesamt kann man festhalten, dass dem FCK noch die Konstanz fehlt, um mit den Spitzenklubs der zweiten Liga mitzuhalten und um den Aufstieg mitzuspielen. Im DFB-Pokal erreichte die Mannschaft immerhin das Achtelfinale. Keine Pokalsensation, aber ein Ergebnis, das den Status als guter Zweitligist durchaus untermauert.
Die Saison war von einem größeren Umbruch geprägt. Vor allem der Abgang von Torjäger Ragnar Ache musste kompensiert werden. Mit seinen elf Saisontoren konnte Ivan Prtajin diese Lücke zum Teil füllen, allerdings fiel der Kroate mit einem Achillessehnenriss dann ab Februar fast für die komplette Rückrunde aus. Überzeugen konnten auch Kapitän Marlon Ritter und Mittelfeldspieler Naatan Skyttä. Der Finne hinterließ ein derart starken Eindruck, dass er jetzt natürlich auch die Aufmerksamkeit von anderen Klubs auf sich zieht.
Frischer Wind durch junge Neuzugänge, Stabilität durch Routiniers
Einen größeren Umbruch wie in der Vorsaison muss der FCK diesmal nicht bewältigen. Erfahrene Spieler wie Daniel Hanslik oder Kenny-Prince Redondo verlassen zwar den Klub. Aber die waren zuletzt keine Stammkräfte mehr. Luca Sirch wechselt in die Bundesliga zur SV Elversberg. Ansonsten setzt der FCK auf Kontinuität. Marlon Ritter bleibt Kapitän und mit Ivan Prtajin setzt man weiter auf einen Torjäger, der nach seiner Achillessehnenverletzung in der Rückrunde hoffentlich wieder an seine starke Form anknüpfen kann. Insgesamt wurde die Mannschaft verjüngt.
Mit Abwehrspieler Ivan Knezevic oder Stürmer Thierry Tazemeta wurden U19-Spieler vom VfB Stuttgart bzw. Borussia Dortmund verpflichtet, die ihr Talent nun beim FCK unter Beweis stellen können. Auch Torhüter Yannick Onohiol, geboren in Speyer, kommt aus der zweiten Mannschaft von Hoffenheim und soll als Backup für den gesetzten Julian Krahl Erfahrungen sammeln.
Gerade mal 19 Jahre alt ist auch Stürmer Ibrahim Kanaté, der vom RSC Anderlecht zunächst mit Kaufoption geliehen wurde. Auch der 21-jährige Kelven Frees kommt aus Hoffenheim und beeindruckt durch seine Körpergröße von mehr als zwei Metern und einer starken physischen Präsenz. "Ich würde mich als Mentalitätsspieler beschreiben. Ich liebe die Euphorie und Energie auf dem Platz", sagt Frees über sich selbst.
2. Bundesliga "Da geht der Punk ab" - So lief das FCK-Trainingslager in Sterzing
Das Fazit des Trainingslagers in Sterzing (Südtirol) fällt aus Sicht des 1. FC Kaiserslautern positiv aus. Die Roten Teufel sind bereit für die kommende Saison.
Zu den erfahrenen Neuzugängen zählt sicher Erencan Yardimci, der über Erstligaeinsätze in der deutschen und österreichischen Bundesliga bis hin zu sechs Champions-League-Spielen für Sturm Graz schon einiges vorzuweisen hat. Er kommt als Leihgabe von der TSG 1899 Hoffenheim. "Mit seiner Schnelligkeit und seiner Laufstärke sowie seiner intensiven Spielweise passt Erencan sehr gut zu unserem Spiel und bereichert unsere Offensive, was uns mehr Flexibilität gibt", freut sich FCK-Sportdirektor Marcel Klos.
Nach einer halbjährigen Leihe will Jan Elvedi von Greuther Fürth zum FCK zurückkehren. Offensichtlich plant Trainer Torsten Lieberknecht wieder mit dem Schweizer Abwehrspieler, der in der vergangenen Saison nicht mehr zu den Stammkräften auf dem Betzenberg zählte. Der FCK baut auf hoffnungsvolle Nachwuchskräfte und hofft darauf, dass bewährte Kräfte ihren zweiten Frühling erleben. Das kann gut gehen, kann aber auch ein Drahtseilakt werden.
Torsten Lieberknecht soll aus dem FCK einen Aufstiegskandidaten machen
Trainer Torsten Lieberknecht passt wie kaum ein anderer als Trainer zum 1. FC Kaiserslautern. In der Pfalz geboren, Anfang der 1990er-Jahre als Spieler das FCK-Trikot getragen und nun als Trainer verantwortlich für den Traditionsklub.
Er hat sportliche Erfolge vor allem mit Eintracht Braunschweig vorzuweisen. Den Verein hatte er aus der dritten Liga bis in die Bundesliga geführt. Auch mit Darmstadt 98 gelang ihm der Bundesliga-Aufstieg.
Lieberknecht gilt als bodenständiger Typ, authentisch und nah an der Mannschaft und den Fans. Er identifiziert sich mit dem FCK und sorgt für ein gutes Mannschaftsgefühl. Allerdings muss auch er sich am Erfolg messen lassen und da wurde durch die wechselhaften Auftritte in der vergangenen Saison durchaus auch Kritik laut. Eine ruhige und sorgenfreie Saison wie die vergangene Spielzeit wird auf Dauer zu wenig sein für die Ansprüche des FCK. Wenn Lieberknecht mittelfristig die Mannschaft nicht zu einem klaren Aufstiegskandidaten formen kann, wird sein Bonus, den er als Pfälzer mit FCK-Stallgeruch hat, bald aufgebraucht sein.
Zurückhaltung bei den Saisonzielen
Geschäftsführer Thomas Hengen will sich nicht sehr weit aus dem Fenster lehnen. Das Wort Aufstieg nimmt er vorerst nicht in den Mund, schon gar nicht vor Saisonstart. Ein Aufstieg sei nicht planbar, so Hengen. Je nach Saisonverlauf rückt das Thema vielleicht wieder in den Fokus, wenn es in der zweiten Saisonhälfte vielversprechend aussieht. Die Transfers vor der Saison deuten jedenfalls nicht darauf hin, dass man beim FCK jetzt mit der Brechstange den Aufstieg erzwingen möchte. Dafür fehlen schlicht auch die finanziellen Mittel. Hengen betonte, dass bis Ende der Transferperiode noch Spieler verpflichtet werden könnten, vor allem im Mittelfeld- und Abwehrbereich. Für größere Transfers müssten aber zuvor erstmal Einnahmen durch Verkäufe realisiert werden.
In den Testspielen zeigte der FCK keinen eindeutigen Trend. Beim 0:0 im Trainingslager gegen den italienischen Zweitligisten FC Südtirol fehlte es an Effizienz vor dem Tor, die Generalprobe vor dem Zweitligastart gewann die Mannschaft dann aber gegen den französischen Erstliga-Absteiger FC Metz mit 3:1.
Wo der Klub wirklich steht, wird sich schon im ersten Spiel am Samstagabend bei Bundesliga-Absteiger VfL Wolfsburg (ab 20:30 Uhr, live im Audiostream auf sportschau.de) zeigen. Aber auch der Ausgang dieses Spiels wird noch nicht wegweisend sein. Für Sportdirektor Marcel Klos ist am Ende nur eines wichtig:" Wir haben ganz klar gesagt, dass wir besser sein wollen als letzte Saison."