Fünf ganz unterschiedliche Kandidaten

Start der Online-Wahl: Vogel des Jahres 2027 kann gewählt werden

Die Naturschutzverbände NABU und LBV haben heute die Online-Wahl zum Vogel des Jahres 2027 eröffnet. Alle können mitmachen. Die Kandidaten haben verschiedene Features und Faibles.

Teilen

Stand

Von Autor/in Stefanie Peyk

Diesmal schicken die Naturschützer Wasseramsel, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper, Kolkrabe und Kranich ins Rennen – jeden Vogel mit einem eigenen Naturschutzthema. Bis zum 15. Oktober, 11 Uhr kann unter www.vogeldesjahres.de abgestimmt werden. Vergangenes Jahr gewann mit deutlichem Vorsprung das Rebhuhn.

So perfekt ist die Wasseramsel angepasst

Die Wasseramsel lebt an klaren, schnell fließenden Bächen und Flüssen und ist der einzige heimische Singvogel, der schwimmen, tauchen und sogar unter Wasser laufen kann, erklärt NABU-Artenschutzfachmann Martin Klatt.

Die Wasseramsel findet unter Wasser leicht ihre Beute. Sie hat ein dichtes Gefieder, verschließbare Nasenlöcher, spezielle Augenmuskeln, mit denen sie über und unter Wasser sehr gut sehen kann und sogar eine halbdurchsichtige Haut, die sie wie eine Art Taucherbrille über die Augen ziehen kann.

Eine Wasseramsel am Rande eines Gewässers. Die Vögel leiden unter den Folgen von Trockenheit.
Die Wasseramsel kann sogar unter Wasser laufen. picture alliance/dpa/Nabu | Peter Faber

Trockenheit als mögliche Gefahr

Die Wasseramsel soll daran erinnern, wie wichtig saubere Gewässer sind. Der Vogel ist derzeit ungefährdet. Aber wenn künftig in heißen und trockenen Sommern noch mehr Bäche als heute versiegen, könnte die Wasseramsel zunehmend Probleme bekommen.

Weniger Nahrung für Mehlschwalbe

Die Mehlschwalbe ist schon heute bedroht. Sie leidet unter dem Insektenschwund. Außerdem verliert sie etwa durch Gebäudesanierungen ihre Nester an älteren Hauswänden.

Eine Mehlschwalbe (Delichon urbicum) baut an ihrem Nest.
Der Mehlschwalbe baut ihr Nest gern in Hauswänden, kann aber improvisieren. picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa | Patrick Pleul

Mit Kunstnestern direkt an Hauswänden kann man den Vögeln helfen. Ein Kot-Brett schützt dabei auch die Fassaden.. Allerdings: Nester unter Dachkanten können sich bei großer Hitze stark aufheizen. Für noch nicht flugfähige Jungvögel wird das Nest dann zur tödlichen Falle, warnt NABU-Fachmann Martin Klatt.

Wir haben jetzt in diesem Sommer erleben müssen, dass junge Schwalben aus dem Nest gesprungen sind, weil es einfach zu heiß wurde.

Im Nest wurde es Jungvögeln zu heiß

Auch Mauerseglern wurde es oft zu heiß im Nest, berichtet der Artenschutz-Experte. Die Folge in diesem Sommer waren sehr viele tote, verletzte und geschwächte Vögelchen. Die Pflegestationen, die Wildvögel normalerweise aufnehmen und pflegen, hätten dieses Jahr sogar einen Aufnahmestopp gehabt. Martin Klatt: "Sie mussten die Leute, die die Vögel gebracht haben, auch abweisen. Es ging einfach nicht mehr."

Trauerschnäpper trägt Hochzeitsanzug

Der Trauerschnäpper sieht gar nicht traurig aus, findet Martin Klatt. Der Vogel ist schwarz-weiß gefärbt, unten weiß, der Rücken schwarz. Und er wirke eher wie ein sehr nobler Mensch, der einen Frack trägt. Der Name „Hochzeitsschnäpper“ würde eigentlich besser zu dem Vogel passen, meint der NABU-Experte.

Trauerschnäpper (Ficedula hypoleucal sind Luftakrobaten.
Der Trauerschnäpper ist ein Luftakrobat und sieht gar nicht traurig aus. Pressestelle Foto: Oskar Jungklaus/www.naturgucker.de

Der Langstreckenzieher ist spät zum Brüten zurück

Trauerschnäpper sind Luftakrobaten, die sich Insekten im Flug schnappen. Aber Insekten gibt es immer weniger. Außerdem hat der kleine Singvogel als Langstreckenzieher ein Zeitproblem, denn durch die Klimakrise beginnt der Frühling bei uns immer früher. Wenn der Trauerschnäpper aus seinem Winterquartier südlich der Sahara zurückkehrt, sind in Deutschland schon viele Bruthöhlen belegt, zum Beispiel von Meisen.

Wer dem gefährdeten Trauerschnäpper helfen will, kann zum Beispiel in Obstgärten oder auf Streuobstwiesen Nistkästen aufhängen. Allerdings möglichst erst Ende April, Anfang Mai - sonst könnten die Nistplätze wieder von Meisen oder anderen Arten besetzt werden.

Kolkrabe ist der größte Singvogel

Der Kolkrabe ist der größte Singvogel der Welt. Er hat aber einen ziemlich schlechten Ruf. Im Mittelalter galt er als „Unglücksrabe“ und „Galgenvogel“. Heute klagen Landwirte über Raben, die ihre Tiere angreifen. Der Schäfer Jan-René Hartmann erzählte in einer SWR-Doku, Kolkraben würden Lämmer schon während ihrer Geburt attackieren und auch töten.

Die Kolkraben, die bei mir attackieren, sind alles andere als vorsichtig, sondern die gehen gezielt während der Geburt, während das Lamm gerade den Kopf raus streckt, aufs Auge und töten das Lamm, noch bevor es einen Fuß auf die Erde setzen kann.

In einer älteren Broschüre über ein Kolkrabenprojekt in Baden-Württemberg dagegen heißt es, Kolkraben machten keine gezielte Jagd auf Lämmer. Als Aasfresser testeten sie allerdings durch Anpicken die Vitalität der Tiere.

Ein Kolkrabe (Corvus corax): Der größte Singvogel der Welt hat einen ziemlich schlechten Ruf. Im Mittelalter galt er als Unglücksrabe und Galgenvogel.
Der Kolkrabe ist der größte Singvogel der Welt. picture alliance/dpa | Patrick Pleul

Der NABU will das schlechte Image der Kolkraben aufpolieren. Auch Entschädigungszahlungen für Schafhalter könnten eine Lösung sein.

Kranich ist ein eleganter Balztänzer

Der Kranich ist ein ziemlich großer Zugvogel. Seine eleganten Balztänze und der Zug in großen Keilformationen sind echte Naturschauspiele. Er braucht Feuchtgebiete zur Rast und Brut.

Ein Kranich fliegt über ein Feld. Er mag Moore und ist ein guter Balztänzer.
Der Kranach mag Moore und ist ein guter Balztänzer. picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Moore helfen dem Klima und dem Kranich

Feuchtgebiete und Moore speichern große Mengen Kohlenstoff. Wer Moore schützt, hilft dem Klima und dem Kranich. Kraniche brüten meist im Nordosten Deutschlands. Auf dem Weg in den Süden fliegen sie im Herbst auch über Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Dabei bilden große Kranich-Gruppen teilweise lange Ketten und ihr Ruf, das sogenannte Trompeten, erklingt.

Vom Wanderfalken zum Rebhuhn

Vergangenes Jahr war die Beteiligung an der Wahl zum „Vogel des Jahres 2026“ groß. Mehr als 184.000 Menschen stimmten für ihren Favoriten ab. Das war ein neuer Rekord. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Damals war es der Wanderfalke. Seit 2021 wird der Sieger durch eine öffentliche Wahl bestimmt. Auf der NABU-Seite findet sich eine Bildergalerie mit allen Preisträgern.

Stuttgart

Biologie Papageien – Vom exotischen Käfigvogel zur heimischen Tierart

In Deutschland leben drei Papageienarten in freier Wildbahn; entlang des Rheins und in Stuttgart. Inzwischen gehören sie zur heimischen Tierwelt dazu.

Das Wissen SWR Kultur

Rheinland-Pfalz

Vogelsterben in RLP Interaktive Karte zum Entdecken: Welche Feldvögel singen noch vor Ihrer Haustür?

In Rheinland-Pfalz gibt es immer weniger Vögel auf den Feldern. Ihr Schutz ist mühsam. Welche Vögel Sie in Ihrem Ort noch finden, zeigt unsere interaktive Karte.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Stefanie Peyk
SWR-Umweltredakteurin Stefanie Peyk
Onlinefassung
Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!