Diesmal schicken die Naturschützer Wasseramsel, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper, Kolkrabe und Kranich ins Rennen – jeden Vogel mit einem eigenen Naturschutzthema. Bis zum 15. Oktober, 11 Uhr kann unter www.vogeldesjahres.de abgestimmt werden. Vergangenes Jahr gewann mit deutlichem Vorsprung das Rebhuhn.
So perfekt ist die Wasseramsel angepasst
Die Wasseramsel lebt an klaren, schnell fließenden Bächen und Flüssen und ist der einzige heimische Singvogel, der schwimmen, tauchen und sogar unter Wasser laufen kann, erklärt NABU-Artenschutzfachmann Martin Klatt.
Die Wasseramsel findet unter Wasser leicht ihre Beute. Sie hat ein dichtes Gefieder, verschließbare Nasenlöcher, spezielle Augenmuskeln, mit denen sie über und unter Wasser sehr gut sehen kann und sogar eine halbdurchsichtige Haut, die sie wie eine Art Taucherbrille über die Augen ziehen kann.
Trockenheit als mögliche Gefahr
Die Wasseramsel soll daran erinnern, wie wichtig saubere Gewässer sind. Der Vogel ist derzeit ungefährdet. Aber wenn künftig in heißen und trockenen Sommern noch mehr Bäche als heute versiegen, könnte die Wasseramsel zunehmend Probleme bekommen.
Weniger Nahrung für Mehlschwalbe
Die Mehlschwalbe ist schon heute bedroht. Sie leidet unter dem Insektenschwund. Außerdem verliert sie etwa durch Gebäudesanierungen ihre Nester an älteren Hauswänden.
Mit Kunstnestern direkt an Hauswänden kann man den Vögeln helfen. Ein Kot-Brett schützt dabei auch die Fassaden.. Allerdings: Nester unter Dachkanten können sich bei großer Hitze stark aufheizen. Für noch nicht flugfähige Jungvögel wird das Nest dann zur tödlichen Falle, warnt NABU-Fachmann Martin Klatt.
Wir haben jetzt in diesem Sommer erleben müssen, dass junge Schwalben aus dem Nest gesprungen sind, weil es einfach zu heiß wurde.
Im Nest wurde es Jungvögeln zu heiß
Auch Mauerseglern wurde es oft zu heiß im Nest, berichtet der Artenschutz-Experte. Die Folge in diesem Sommer waren sehr viele tote, verletzte und geschwächte Vögelchen. Die Pflegestationen, die Wildvögel normalerweise aufnehmen und pflegen, hätten dieses Jahr sogar einen Aufnahmestopp gehabt. Martin Klatt: "Sie mussten die Leute, die die Vögel gebracht haben, auch abweisen. Es ging einfach nicht mehr."
Trauerschnäpper trägt Hochzeitsanzug
Der Trauerschnäpper sieht gar nicht traurig aus, findet Martin Klatt. Der Vogel ist schwarz-weiß gefärbt, unten weiß, der Rücken schwarz. Und er wirke eher wie ein sehr nobler Mensch, der einen Frack trägt. Der Name „Hochzeitsschnäpper“ würde eigentlich besser zu dem Vogel passen, meint der NABU-Experte.
Der Langstreckenzieher ist spät zum Brüten zurück
Trauerschnäpper sind Luftakrobaten, die sich Insekten im Flug schnappen. Aber Insekten gibt es immer weniger. Außerdem hat der kleine Singvogel als Langstreckenzieher ein Zeitproblem, denn durch die Klimakrise beginnt der Frühling bei uns immer früher. Wenn der Trauerschnäpper aus seinem Winterquartier südlich der Sahara zurückkehrt, sind in Deutschland schon viele Bruthöhlen belegt, zum Beispiel von Meisen.
Wer dem gefährdeten Trauerschnäpper helfen will, kann zum Beispiel in Obstgärten oder auf Streuobstwiesen Nistkästen aufhängen. Allerdings möglichst erst Ende April, Anfang Mai - sonst könnten die Nistplätze wieder von Meisen oder anderen Arten besetzt werden.
Kolkrabe ist der größte Singvogel
Der Kolkrabe ist der größte Singvogel der Welt. Er hat aber einen ziemlich schlechten Ruf. Im Mittelalter galt er als „Unglücksrabe“ und „Galgenvogel“. Heute klagen Landwirte über Raben, die ihre Tiere angreifen. Der Schäfer Jan-René Hartmann erzählte in einer SWR-Doku, Kolkraben würden Lämmer schon während ihrer Geburt attackieren und auch töten.
Die Kolkraben, die bei mir attackieren, sind alles andere als vorsichtig, sondern die gehen gezielt während der Geburt, während das Lamm gerade den Kopf raus streckt, aufs Auge und töten das Lamm, noch bevor es einen Fuß auf die Erde setzen kann.
In einer älteren Broschüre über ein Kolkrabenprojekt in Baden-Württemberg dagegen heißt es, Kolkraben machten keine gezielte Jagd auf Lämmer. Als Aasfresser testeten sie allerdings durch Anpicken die Vitalität der Tiere.
Der NABU will das schlechte Image der Kolkraben aufpolieren. Auch Entschädigungszahlungen für Schafhalter könnten eine Lösung sein.
Kranich ist ein eleganter Balztänzer
Der Kranich ist ein ziemlich großer Zugvogel. Seine eleganten Balztänze und der Zug in großen Keilformationen sind echte Naturschauspiele. Er braucht Feuchtgebiete zur Rast und Brut.
Moore helfen dem Klima und dem Kranich
Feuchtgebiete und Moore speichern große Mengen Kohlenstoff. Wer Moore schützt, hilft dem Klima und dem Kranich. Kraniche brüten meist im Nordosten Deutschlands. Auf dem Weg in den Süden fliegen sie im Herbst auch über Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Dabei bilden große Kranich-Gruppen teilweise lange Ketten und ihr Ruf, das sogenannte Trompeten, erklingt.
Vom Wanderfalken zum Rebhuhn
Vergangenes Jahr war die Beteiligung an der Wahl zum „Vogel des Jahres 2026“ groß. Mehr als 184.000 Menschen stimmten für ihren Favoriten ab. Das war ein neuer Rekord. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Damals war es der Wanderfalke. Seit 2021 wird der Sieger durch eine öffentliche Wahl bestimmt. Auf der NABU-Seite findet sich eine Bildergalerie mit allen Preisträgern.