Braun und verdorrt - so präsentieren sich derzeit viele Rasenflächen in Parks, Freibädern und Gärten. Das kann auch mal daran liegen, dass einzelne Gräser durch die Hitze verbrannt sind. Meist war es ihnen aber einfach nur zu trocken. Vor allem flach wurzelnde und schnell wachsende Rasen-Grassorten wie "Deutsches Weidelgras" machen dann schnell schlapp.
Die gute Nachricht ist: "Diese Gräser erholen sich auch relativ schnell wieder, also man kann durchaus sagen, dass - sagen wir mal: Deutsches Weidelgras - das geht innerhalb von wenigen Tagen nach dem ersten Regen, ist das wieder grün," sagt Martin Bocksch aus dem Vorstand der Deutschen Rasengesellschaft. So ein Rasen ist also schon mit wenig Nass von oben zufrieden, eine Dürre vergisst er schnell.
Der Wald erholt sich nicht so schnell
Anders ist das beim Wald. Die Bäume reagieren zeitversetzt auf Trockenheit und Hitze. Erst nach und nach verlieren sie an Vitalität, werden anfällig für Schädlinge, werfen Blätter und Äste ab. Die Folgen davon zeigen sich dann oft erst lange nach der eigentlichen Dürre, sagt Forstwissenschaftler Marvin Schneider von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. "Und das sind dann Langzeitfolgen, die man häufig auch in den Jahren danach noch in der Krone sehen kann."
Ein weiterer Unterscheid zum Rasen: Dem Wald bringen ein paar Gewitterschauer oder selbst Starkregenfälle kaum Entspannung. Vielerorts kann der trockene Boden die Regenmengen gar nicht so schnell aufnehmen, wie sie fallen, sagt Schneider und fügt hinzu: "Und die Menge, die dann runterkommt, reicht auch nicht aus, um die Speicher und Reserven wieder in dem Maße aufzufüllen, dass es einen langfristigen Effekt hätte."
Immerhin: Der Wetterwechsel hin zu etwas feuchterer Luft und niedrigen Temperaturen lässt die Feuergefahr übers Wochenende sinken. Allerdings soll sie laut der Prognose des Deutschen Wetterdienstes schon Anfang der Woche wieder ansteigen, erst in Rheinland-Pfalz, dann auch in Baden-Württemberg. Ein Kurzzeiteffekt also, der schnell verpufft.
Zu wenig Regen, um die Flüsse aufzufüllen
Das gilt genauso für die Wasserstände in Bächen und Flüssen. Ein kleiner Bach kann durchaus mal durch einen Gewitterschutt stark anschwellen, aber das Wasser ist dann auch schnell wieder abgeflossen. Und im Rhein wird sich das punktuelle Nass von oben erst recht nicht nachhaltig bemerkbar machen, sagt Barbara Frielingsdorf von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz: "Also messbar ist der Effekt wahrscheinlich schon, aber es wird weder besonders viel sein, noch besonders lange anhalten."
So zeigt die aktuelle Prognose, dass der Pegel in Kaub innerhalb weniger Tage wieder auf das aktuelle Niveau zurückfallen könnte. Und auch danach ist kein Ende des Niedrigwassers in Sicht, sagt Frielingsdorf mit Blick auf die Sechs-Wochen-Prognose für den Pegel Maxau: "Wenn ich mir jetzt die Vorhersage am Pegel Maxau anschaue, dann sehe ich, dass wir in den kommenden sechs Wochen mit den zu erwartenden Wasserständen auf jeden Fall im Niedrigwasserbereich und deutlich unter der für die Jahreszeit üblichen Wasserstände liegen."
Die Natur braucht Zeit - und mehr Regen
So schnell wir Menschen also aufatmen und die Hitzewelle vergessen können, wenn es wie jetzt auch mal regnet, kühler wird und der Rasen wieder ergrünt - das Gedächtnis der Natur ist da deutlich länger.