Der Wetterumschwung am Donnerstagabend nach vielen Tagen Hitze hat lokal zu schweren Gewittern geführt. Vor allem der Süden der Pfalz war betroffen. Örtlich richteten orkanartige Böen regelrechte Verwüstungen an, etwa in Kapsweyer bei Bad Bergzabern. Dächer wurden beschädigt, Bäume stürzten um, Wasser und Schlamm strömten durch die Straßen.
Zunächst sei ein "riesiger Wind" gekommen, berichtete eine Bewohnerin aus Nothweiler in der der Südwestpfalz, dann "Hagel ohne Ende". Und ein Bewohner aus Kapsweyer sagte: "Innerhalb von zehn Minuten war alles erledigt. Die Straßen hat es überflutet, es ist Wahnsinn. Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht mitgemacht hat."
An Hausfassaden, Rollläden und Dächern sind Hagel-Einschläge zu erkennen.
Gesperrte Straßen, Aquaplaning und Hagelschlag im Weinberg
Mehrere Autos wurden durch abgebrochene Äste in der Region beschädigt. Sechs Straßen mussten kurzzeitig gesperrt werden. Außerdem rutschte ein Mann auf der A65 bei Kandel wegen Aquaplanings mit seinem Auto in eine Leitplanke. Er wurde leicht verletzt.
In einem Weingut in Schweigen-Rechtenbach zerstörte Hagel 80 Prozent der Trauben im Weinberg. Der Hagelschauer habe sogar direkt in den Keller des Weinguts reingedrückt, erzählt der Winzer. Selbst im Fasskeller hätten dicke Hagelkörner gelegen.
Nach Unwetter in der Pfalz Hagel zerstört 80 Prozent der Reben eines Weinguts in der Südpfalz
Das Weingut Bernhart in Schweigen-Rechtenbach in der Südpfalz hat es am Donnerstagabend so richtig erwischt. Der Hagel zerstörte rund 80 Prozent der Reben ihres Weinguts.
SWR-Chef Gniffke: Interne Meldeketten verbessert
SWR-Intendant Kai Gniffke verweist im Zusammenhang mit den Unwetterwarnungen auf Änderungen in den redaktionellen Abläufen, die nach der Flutkatastrophe im Ahrtal angestoßen wurden: "Bis heute beschäftigt mich die Frage, ob wir in dieser Nacht noch besser, noch schneller hätten sein können, um noch näher bei den Menschen zu sein", so Gniffke.
Deshalb habe der SWR die Besetzung in der Nacht verstärkt, interne Meldeketten verbessert und neue Workflows im Katastrophenfall erarbeitet.
"Wir wollen da sein für die Menschen im Südwesten, die sich auf uns verlassen – gerade dann, wenn extreme Wetterereignisse zur Realität werden", schrieb der SWR-Intendant vor dem Wochenende auf LinkedIn. "Am kommenden Wochenende scheint es glimpflich abzulaufen – aber ganz genau weiß man es nie. Wie gewaltig die Natur aus dem Nichts zuschlagen kann, haben wir vor fünf Jahren im Ahrtal erleben müssen."