Wenn Matthias Lay und Jörg Lütz in ihren Weinbergen arbeiten, können sie sich über eine schöne Aussicht freuen. Unter den beiden Winzern schlängelt sich die Mosel an ihrem Heimatort Pünderich entlang: Ein Postkarten-Panorama.
Dann erhöht sich das Gefahrenpotenzial erheblich
Doch die Aussicht darauf, dass auf den Wegen entlang ihrer Parzellen in Zukunft jede Menge Radfahrer unterwegs sein könnten, ist für die Winzer weniger schön. "Wenn dieser Weg jetzt noch beworben und ausgeschildert wird, dann erhöht sich das Gefahrenpotenzial erheblich", sagt Lütz.
3,5 Millionen für neuen Panorama-Radweg
Der besagte Weg oberhalb von Pünderich ist Teil des geplanten Panoroma-Höhenradweges an der Mosel. Er soll ab 2030 über 350 Kilometer von Saarburg nach Koblenz führen. Geplant wird er von der Mosellandtouristik im Auftrag der Landkreise und Verbandsgemeinden an der Mosel.
Die Mosellandtouristik will das Projekt mit Fördergeldern vom Bund ab dem kommenden Jahr umsetzen und etwa 3,5 Millionen Euro investieren. Dabei sollen keine neuen Wege gebaut werden. An der Strecke sollen aber zum Beispiel E-Ladesäulen, Wasserspender, Reparaturstationen und Rastplätze angelegt werden.
Außerdem sei Geld für Beschilderungen und Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen. "Der Panorama-Höhenradweg bietet die Möglichkeit die einzigartige Kulturlandschaft der Mosel per Rad und hautnah zu erleben" - so wird das Projekt beworben.
Winzer wollen Arbeit nicht unterbrechen
Doch gerade die Menschen, die die Kulturlandschaft an der Mosel pflegen, sehen den Weg kritisch. Winzer wie Matthias Lay und Jörg Lütz befürchten, dass sie durch die Radfahrer bei ihrer Arbeit eingeschränkt werden, etwa wenn die Weinreben ab Mai mit Maschinen gespritzt werden müssen oder die Seilwinde gespannt werden muss.
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"Ich kann hier nicht alle zwei oder drei Minuten meine Arbeit unterbrechen, um Verkehr durch zu lassen", sagt Matthias Lay. Die beiden Winzer bezweifeln auch, dass zusätzliche Hinweisschilder an den Weinbergsstrecken wirklich etwas bringen würden. Sie fürchten, dass es zu Unfällen kommen könnte, wenn etwa ein unachtsamer Radfahrer in ein Seil fährt oder eine Maschine übersieht, die aus dem Weinberg kommt.
Bürgermeister kritisiert Kommunikation
Kritik gibt es auch in anderen Weinorten, etwa in Zeltingen-Rachtig, Lösnich oder Erden an der Mittelmosel. In Lösnich hatte sich der Gemeinderat gegen das Projekt entschieden, in Erden wollte Ortsbürgermeister Wolfgang Faber eine Alternativroute diskutieren, die die Winzer entlasten sollte.
Doch dazu ist es nicht gekommen. "Ich habe dann in dieser Woche die Information erhalten, dass wir aus der Streckenführung herausgenommen wurden", sagt Faber.
Weinbaupräsident sieht Chancen
Den Ortsbürgermeister ärgert es vor allem, dass auf seine Stellungnahme von der Mosellandtouristik überhaupt nicht reagiert wurde. Auf SWR-Anfrage heißt es von der Mosellandtouristik: "Die Stellungnahme von Herrn Faber haben wir erhalten und zur Kenntnis genommen. Eine Reaktion war aufgrund der laufenden Abstimmungen und der erforderlichen Umplanungen noch nicht möglich."
Trotz der Kritik gibt es aber auch viel Zuspruch für das Projekt. Walter Clüsserath, Präsident des Weinbauverbandes Mosel, betont, dass die Interessen der Winzer seit Beginn der Planungen berücksichtigt worden seien. An vielen kritischen Stellen hätten sich alternative Routen gefunden, um Winzerinnen und Winzer zu entlasten. "Aber eben nicht an allen", sagt Clüsserath und äußert Verständnis für die betroffenen Kollegen.
Nur Teil der Strecke durch Weinberge
Die Mosellandtouristik schreibt auf SWR-Anfrage, dass es aus ihrer Sicht lediglich bei zehn Kilometern der insgesamt 350 Kilometer langen Strecke Bedenken aus der Winzerschaft gebe. Überhaupt führe nur ein Viertel der geplanten Strecke durch bewirtschaftete Weinberge - so wie in Pünderich.
"Vielleicht muss man den Weg dann einfach um Pünderich herumführen", schlägt Winzer Jörg Lütz vor. Er und sein Winzerkollege Matthias Lay sind keine grundsätzlichen Gegner der Route. Sie sehen in dem Weg durchaus eine Chance für die Region. Aber sie wollen eben auch weiter ihre Arbeit machen können.