Amazon baut in Zweibrücken sein viertes Logistikzentrum in Rheinland-Pfalz. In der neuen Halle sollen künftig mit automatisierten Abläufen bis zu 400.000 Produkte pro Tag bearbeitet werden. Der Standort gilt nach Angaben des Unternehmens als eines der modernsten Amazon-Logistikzentren in Europa und soll zum Weihnachtsgeschäft in Betrieb genommen werden. Hier sollen im ersten Jahr rund 1.000 Menschen angestellt werden.
Neu ist an dem Standort vor allem die Aufteilung: Auf rund 51.000 Quadratmetern Grundfläche gibt es zwei Ebenen plus ein eingezogenes Mezzaningeschoss. Das Gebäude selbst ist kein Neubau, wurde im Inneren aber umfassend umgebaut. Entstanden ist zudem ein Anbau, in dem unter anderem Kantine, Betriebsrat und Gebetsräume untergebracht sind.
Aktuell laufen die Bauarbeiten in der Halle: Zehn Kilometer Förderbänder, Paket-Rutschen sowie alle Be- und Entladestationen sind bereits eingebaut. Gerade werden 32.000 gelbe Regale aufgebaut – sie sind laut Amazon größer als an vielen anderen Standorten und wiegen beladen jeweils mehr als 450 Kilogramm.
2.500 Roboter sollen Regale bei Amazon in Zweibrücken bewegen
Ein festes Sortiersystem gibt es in den Regalen nicht – im Prinzip kann in jedem Regal alles stehen. Damit die Mitarbeitenden sich nicht durch lange Regal-Schluchten bewegen müssen, werden die Regale von 2.500 Robotern bewegt, die bereits aus Boston in Zweibrücken angekommen sind. Diese Roboter sind zum Beispiel auch im Logistikzentrum in Kaiserslautern im Einsatz. Sie orientieren sich per QR-Codes auf dem Boden und bringen die Regale direkt zu den Mitarbeitenden. Eingelagert wird künftig alles bis Postkisten-Größe, was sich auch auf einem Förderband transportieren lässt; insgesamt sollen das mehrere Millionen Artikel sein.
Neu für den Standort sind außerdem die "Made to fit"-Verpackungsstationen, die bislang erst an zwei anderen deutschen Standorten im Einsatz sind. Dort werden Bestellungen der Größe nach verpackt. Hinzu kommen sogenannte "Receive-Stationen", die das Auspacken angelieferter Produkte erleichtern sollen.
Arbeitsplätze vs. Verkehr: Das bedeutet der Standort für die Region
Oberbürgermeister Marold Wosnitza sieht die Entwicklung positiv. Die Halle habe drei Jahre leer gestanden, jetzt aber sei eine ganze Vielzahl an Arbeitsverträgen unterschrieben worden. Starte das Geschäft wie geplant zur Weihnachtszeit, habe man damit "für Zweibrücken und die Region einen richtig großen Wurf" gemacht.
Als die Halle vor rund drei Jahren gebaut wurde, gab es Gegenwehr aus der Bevölkerung. Schon nach Bekanntwerden der Pläne im Oktober 2021 formierte sich Protest gegen die Ansiedlung im Gewerbegebiet Steitzhof. Eine Online-Petition sammelte über 1.000 Unterschriften, zudem gründete sich die Bürgerinitiative "Amazon in Zweibrücken? – so nicht!". Kritikpunkte waren vor allem die Flächenversiegelung und der erwartete Lkw-Verkehr, sowie die aus Sicht der Kritiker zu kurze Beteiligung der Bürgerschaft vor dem Stadtratsbeschluss.
Die Kritiker von einst seien zwar weiterhin da, so Wosnitza, "was nachvollziehbar ist im Rahmen der Vorgeschichte". Deutlich weniger zu hören seien sie inzwischen aber schon, auch weil bereits viele Menschen Arbeitsverträge unterschrieben hätten.
Mehrere hundert Arbeitsplätze vorgesehen Nun also doch: Amazon plant neues Logistikzentrum in Zweibrücken
Lange wurde spekuliert, dann gab es eine Ansiedlung auf Zeit, jetzt will Amazon doch dauerhaft nach Zweibrücken kommen. Derzeit laufen die Planungen für ein neues Logistikzentrum.
1.000 Stellen in Zweibrücken: Das ist der aktuelle Stand bei Amazon
Derzeit sind laut Amazon rund 800 Stellen besetzt, darunter etwa 170 Fach- und Führungskräfte, die aktuell in Kaiserslautern eingearbeitet werden. Techniker sind bereits vor Ort im Einsatz. Mit dem Hochfahren des Betriebs Ende des Jahres sollen wöchentlich 100 bis 150 weitere Arbeitskräfte hinzukommen. Gearbeitet wird im Drei-Schicht-Betrieb, der nur sonntags pausiert. Der niedrigste Einstiegslohn soll laut Amazon bei 16,96 Euro brutto pro Stunde liegen.
Für den Werksverkehr ist eine eigene Bushaltestelle eingerichtet, die die Mitarbeitenden aus Zweibrücken, Homburg, Saarbrücken und Pirmasens anbindet.