Von der Krise, in der die Weinbranche derzeit steckt, war bei der großen Auktion im Trierer Plaza-Hotel nichts zu spüren. Eine treue Kundschaft ist offenbar weiterhin bereit, hohe Summen für Wein zu zahlen. Der Verband der Deutschen Prädikatsweinguter (VDP) hat am Freitag tausende Flaschen im Gesamtwert von fast 1,4 Millionen Euro versteigert.
Der teuerste Riesling wechselte für 20.500 Euro den Besitzer. Den hohen Preis erzielte eine sechs-Liter-Flasche "Scharzhofberger Auslese Goldkapsel" vom Weingut Egon Müller in Wiltingen an der Saar. Das Spitzenweingut war diesmal wieder dabei, nachdem Müller die Auktion im vergangenen Jahr ausgesetzt hatte.
Winzer: "Darauf habe ich lange hingearbeitet"
Auch für den Winzer Christian Hermann ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Auch wenn sein Wein solche Preise nicht erzielen konnte. Denn Hermann durfte seine Flaschen zum ersten Mal bei der Versteigerung des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) im Plaza-Hotel in Trier präsentieren.
"Es macht mich natürlich stolz, in einem Saal mit den ganz großen Namen sein zu dürfen", sagt der Winzer aus Erden an der Mittelmosel. Es war sein erster öffentlicher Auftritt als neues Mitglied im VDP. "Ich wollte immer dabei sein. Darauf habe ich lange hingearbeitet."
VDP nimmt nur selten neue Mitglieder auf
Der Weg in die erste Liga der Weinwelt war steinig, sagt der Winzer, der das Weingut "Dr. Hermann" leitet. An Mosel, Saar und Ruwer gehören der Vereinigung derzeit 31 Weingüter an. Und die Namen auf der Liste sind fast dieselben wie noch bei der Gründung des VDP im Jahr 1908: Thanisch, Haag, Prüm.
Es ist ein bisschen wie bei den Michelin-Sternen.
Neue Mitglieder werden selten aufgenommen. "Es ist so ein bisschen wie bei den Michelin-Sternen in der Spitzengastronomie", sagt Hermann: "Man kann sich beim VDP nicht bewerben - der VDP kommt auf dich zu."
2024 war es soweit: Christian Hermann wurde in den VDP aufgenommen. Seitdem investierte er kräftig, um den hohen Standards gerecht zu werden. Der Verband verlangt nicht nur konstant herausragende Weinqualität und nachhaltige Bewirtschaftung - auch die Handlese ist Pflicht. Vollernter sind tabu.
Weine werden für Tausende Euro versteigert
Dass sich die viele Arbeit gelohnt hat, zeigte sich am Freitag bei der Versteigerung in Trier. Nach Angaben des VDP kamen dort die "Spitzenweine aus dem Jahrgang 2024" unter den Hammer.
Die Weine wurden "von erfahrenen Fachleuten" verkostet und bewertet. Vor zehn Jahren wurde dort der teuerste Wein der Welt verkauft - eine Auslese vom Weingut Egon Müller aus Wiltingen an der Saar für 12.000 Euro.
Bei der Versteigerung geht es um Sichtbarkeit
Macht das Druck? "Eher Vorfreude", sagt Christian Hermann. Er hatte keinen Rekordpreise für seinen Riesling erwartet. Das Startgebot für seinen Kabinett lag bei 25 Euro, am Ende fiel der Hammer bei 36 Euro pro Flasche.
Hermanns Magnumflaschen konnten hingegen wesentlich höhere Preise erzielen. Drei der eineinhalb Liter-Flaschen "Prälat" gingen am Ende für jeweils 546 Euro weg.
Insgesamt hat er 900 Flaschen in Trier versteigert. Nur ein Bruchteil seiner Jahresproduktion von 140.000. "Finanziell ist das kein Riesengeschäft", sagt er: "Aber die Sichtbarkeit ist enorm - und es ist eine Ehre, überhaupt dabei zu sein."
VDP-Mitgliedschaft bringt Rückenwind
Allein der Beitritt zum VDP habe dem Weingut in Erden schon spürbaren Auftrieb verschafft. "Bereits im Januar und Februar, wenn es sonst ruhiger ist, haben wir gemerkt, dass viel mehr Leute auf uns aufmerksam werden", sagt Hermann: "Wir haben zum Beispiel neue Kunden in der Sterneküche gewonnen - in Deutschland und international."
Große Nachfrage in den USA und China
Rund 75 Prozent seiner Weine exportiert Hermann ins Ausland. Besonders stark sei die Nachfrage in den USA, China und Skandinavien. Doch auch neue Märkte öffneten sich. "Inzwischen verkaufen wir nach Spanien, Serbien und Rumänien - Länder, an die vor ein paar Jahren niemand gedacht hätte", sagt er. Und das zur rechten Zeit: Denn in Deutschland wird immer weniger Alkohol getrunken.
Die Mitgliedschaft im VDP hat für Christian Hermann aus Erden vieles verändert. Deshalb war die erste Auktion in Trier für ihn mehr als nur ein Auftritt: "Es ist ein Meilenstein - und der Beginn eines neuen Kapitels."