Am Waldweg hinter dem Friedhof von Kautenbach im Kreis Bernkastel-Wittlich türmt sich der Müll auf. Alte Rohre und Autoreifen liegen in den Büschen, daneben ein ausgehängtes Garagentor und diverse Fahrzeuge. Der ganze Hang ist übersät mit kaputten Elektrogeräten, Plastikfolie und aufgerolltem Draht. "Als ich das erste Mal hier vorbei spaziert bin, hab ich mich gefragt, ob das eine Müllhalde ist", sagt die Umweltschützerin Christine Kern aus Emmeroth im Hunsrück.
Dabei ist das Kautenbachtal zwischen Kleinich, Longkamp und Traben-Trarbach ein sogenanntes Flora-Fauna-Habitat: ein von der Europäischen Union geschützter Raum für seltene Arten wie die Mauereidechse und den Mittelspecht.
"So eine hochwertige Landschaft mit so einer großen Artenvielfalt gibt es in anderen Teilen von Deutschland gar nicht mehr", meint Kern. Wie kann es also sein, dass dort derart viel Abfall landet und, dass offenbar niemand etwas dagegen unternimmt?
Behörden wissen seit November Bescheid
Die Müllhalde nahe dem Friedhof sei jedenfalls nicht die Einzige, sagt Kern. Das gesamte Kautenbachtal werde zugemüllt. Seit Monaten dokumentiert die Naturschützerin die Funde bei ihren Wanderungen. Bei Longkamp hat sie Bauschutt entdeckt, bei Fronhofen liegen Asbestplatten in der Landschaft und in Götzeroth ist alles voller Plastik.
Für Christine Kern steht fest, dass das nicht so bleiben kann. Also hat sie Anfang März die zuständigen Behörden informiert und ihnen Fotos zugeschickt. Ihre Hoffnung: "Würde man die Menschen dazu verdonnern, das alles hier aufzuräumen, wäre das schon Strafe genug." Hauptsache, der Müll kommt weg.
Umweltschützerin: Keiner übernimmt Verantwortung
Erst hatte Christine Kern sich an den Zweckverband Abfallwirtschaft in der Region Trier (A.R.T.) gewandt, später an das Forstamt Traben-Trarbach, den Landkreis Bernkastel-Wittlich und die Polizei. "Aber ich konnte niemanden finden, der Verantwortung übernehmen wollte", behauptet Kern.
Auf SWR-Anfrage bestätigen die Polizei und die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, dass ihnen der Müll im Kautenbachtal bekannt ist. "Die Kreisverwaltung hat erstmals im November 2025 von diesen Abfallablagerungen Kenntnis erlangt", schreibt Pressesprecherin Stefanie Rodermund.
Polizei und Kreis: nicht zuständig
Marc Fleischmann vom Polizeipräsidium Trier sagt: "Die Kollegen der Polizei Zell waren vor Ort und haben sich die Sache angeschaut." Da im Kautenbach keine offensichtlich für die Umwelt gefährlichen Stoffe lagern würden, gebe es aber keine Hinweise auf eine Straftat, sondern allenfalls auf eine Ordnungswidrigkeit. Das wäre anders, wenn etwa Öl oder Benzin in den Bach laufen würde.
Laut Kreis und Polizei ist für die Ahndung von Müllablagerungen der Abfallzweckverband Region Trier (A.R.T.) zuständig. Kreis und Polizei hätten diesen bereits vor Monaten informiert.
Verfahren läuft seit Monaten: ohne Ergebnis
Kerstin Thommes vom A.R.T. bestätigt, dass der Verband Ende 2025 ein sogenanntes "abfallrechtliches Verwaltungsverfahren" eingeleitet hat. Dieses Verfahren allerdings laufe noch. Dass das schon mal länger dauere, sei üblich, so Thommes. Denn dem A.R.T. würden immer mehr illegale Müllablagerungen gemeldet und jeder Einzelfall müsse individuell geprüft werden.
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Im Kautenbachtal komme aber noch ein Problem hinzu. Der Abfall lagere auf einem Privatgrundstück, das wiederum an eine andere Privatperson verpachtet sei. Auf einer öffentlichen Fläche kann der Abfallverband den Müll einfach entsorgen. Auf dem besagten Waldweg wäre dies ein Eingriff in Eigentum, der rechtlich begründet sein muss.
Abfallverband kann Geldbuße verhängen
Das heißt aber nicht, dass der Pächter dort machen kann, was er will. Für Flora-Fauna-Habitat-Gebiete wie das Kautenbachtal gilt laut Bundesnaturschutzgesetz nämlich ein Verschlechterungs- und Störungsverbot. Müll, der die Umwelt beeinträchtigt, darf dort nicht gelagert werden.
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Kerstin Thommes vom Abfallzweckverband erklärt deshalb: "Sofern eine in Kürze ablaufende Frist zur ordnungsgemäßen Entsorgung nicht eingehalten wird, werden wir weitere Maßnahmen ergreifen." Der A.R.T. kann etwa eine Geldbuße verhängen oder den Müll wegräumen lassen und den Einsatz dem Verursacher in Rechnung stellen.
Ortsbügermeister hat sich selbst gekümmert
Horst Gorges (CDU), Ortsbürgermeister von Longkamp, dauert das alles offenbar zu lange. Er spricht von einem "unbefriedigenden Zustand" im Kautenbachtal. Der besagte Waldweg verläuft durch seine Gemeinde.
Gorges habe deshalb selbst Kontakt zu der Eigentümergemeinschaft aufgenommen und sie gebeten, mit dem Pächter über den Abfall zu sprechen. "Insoweit hoffe ich, dass hier in absehbarer Zeit eine Besserung eintritt", erklärt Gorges. Für Christine Kern wäre es ein später Sieg in ihrem langen Kampf gegen den Müll im Kautenbachtal.