Rocky Wang sitzt in seiner Wohnung im Wohnzimmer und ist fassungslos. Schaut er aus dem Fenster, sieht er einen Berg voller Müll. Schreibtischstühle, Koffer, Kartons und eine Kloschüssel. Wang wohnt im sogenannten Oak Garden - einer Wohnsiedlung in der Nähe von Birkenfeld, in der viele chinesische Unternehmer leben und gleichzeitig auch Handel treiben.
"Die Sache ist, dass wir den Müll immer sehen, wenn wir beispielsweise spazieren gehen wollen", sagt er. "Wir würden ja den Müll meiden, aber es gibt keinen anderen Weg. Wir müssen immer am Müll vorbei, wenn wir aus der Siedlung rauswollen."
Viele Chinesen mussten Geschäfte einstellen
Wang kam vor mehr als zehn Jahren mit seiner Familie in den Hunsrück, so wie viele seiner Landsleute. Die Chinesen gründeten im Oak Garden - einer ehemalige US-amerikanische Militärwohnsiedlung - kleine Firmen, meist im Bereich Im- und Export. Sie kauften in der Siedlung auch Wohnungen. So auch Rocky Wang. Sein Geschäft: Er handelte mit Zubehörteilen für Aufzüge.
Die Corona-Pandemie machte ihm und seinen Landsleuten einen Strich durch die Rechnung. Viele der Unternehmer mussten ihre Geschäfte einstellen, so auch Wang. Er schätzt, dass etwa die Hälfte der chinesischen Unternehmen im Oak Garden aufhören musste.
Im einst so florierenden chinesischen Handelszentrum - was gleichzeitig auch eine Wohnsiedlung ist - herrscht Stillstand. Und obwohl es keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Müll und der schlechten wirtschaftlichen Situation gebe, sei der Müll schlecht für das Image der Community, sagt Wang. Zumal in direkter Nachbarschaft auch der Umwelt-Campus Birkenfeld liegt.
Müllproblem vor dem Haus "Hong Kong"
Der Müll türmt sich hauptsächlich vor dem Mehrfamilienhaus mit dem Namen "Hong Kong". In dem Gebäude würden viele chinesische Familien wohnen, aber auch Menschen aus der Region, erzählt Wang.
Das ist wie ein Schneeball.
In dem Haus gebe es schon länger Probleme: Der Hausverwalter für die Eigentumswohnungen habe beispielsweise gekündigt, weil die Bewohner das Hausgeld nicht bezahlt hätten. Damit werden etwa Reparaturen am Haus, Versicherungen oder der Hausmeister bezahlt.
Jetzt aber fühle sich in dem Haus niemand mehr für irgendwas verantwortlich, sagt Wang. Er sieht deswegen die Behörden in der Pflicht - auch weil das Müllproblem schon länger als ein Jahr bestehe.
"Wenn sich niemand um das Problem kümmert, wird es immer größer. Das ist wie ein Schneeball", sagt Wang. Das Amt hat seiner Meinung nach die Pflicht, die Leute darauf hinzuweisen, die Regeln zu befolgen. "Es gibt Regeln", wiederholt sich Wang.
Behörden sehen Bewohner in der Pflicht
Beim Abfallwirtschaftsbetrieb in Birkenfeld kennt man die Problematik im Oak Garden. Werkleiter Holger Schäfer hingegen sieht die Bewohner in der Pflicht. "Die Leute machen sich ganz einfach keine Gedanken darüber, wie sie ihre Abfälle bereitstellen", sagt Schäfer.
Es werde alles einfach auf den Haufen geworfen. "Größte Herausforderung ist meiner Meinung nach, die Leute, die dort wohnen, dazu zu bringen, die Abfälle ordnungsgemäß zu trennen und bereitzustellen", erklärt er.
Aufklärungsversuche bislang gescheitert
Das scheint bislang jedoch nicht zu funktionieren, weswegen der Abfall nicht regelmäßig abtransportiert wird. Immer wieder entstehen deswegen die Müllhaufen. Laut dem Werkleiter war der Abfallwirtschaftsbetrieb zuletzt dennoch vor Ort, um den Müll zu sortieren, um ihn dann in Teilen mitzunehmen und Schadensbegrenzung zu betreiben.
Rocky Wang hofft auf dauerhafte Lösung
Rocky Wang jedenfalls hofft, dass die Behörden härter durchgreifen und das Problem dauerhaft lösen. Damit er nicht mehr auf den Müllhaufen schauen muss. "Wir kamen hierher, um ein besseres Leben zu haben", sagt er. "Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es solche Müllprobleme in Deutschland gibt."
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Der 59-Jährige, der gebürtig aus Peking kommt, will trotzdem im Hunsrück bleiben. Seine Frau geht in Deutschland arbeiten und er lebt jetzt vom Geld, dass er aus einer Lebensversicherung bekommen hat.
Ihm gefällt es hier - nach China will er nicht mehr zurück. "Die Siedlung ist schön." Im gefällt, dass er mit den Nachbarn auch in seiner Sprache sprechen kann und mag den Landkreis Birkenfeld, der für ihn mitten in Europa liegt. "Ich werde hier bleiben, für den Rest meines Lebens", sagt Rocky Wang.