Auf mehr als 70 Hektar baut Alwin Naumes aus Morscheid im Landkreis Tier-Saarburg Futtergetreide an. Mit dem Ertrag ist er zufrieden. Früher konnte der Landwirt seine Ernte ein paar Kilometer weiter zu einer Sammelstelle nach Trier-Ruwer fahren. Dort hat Naumes das Getreide an einen Zwischenhändler verkauft, um es nicht selbst lagern zu müssen. Selbst hat er dafür eigentlich keinen Platz.
Doch die Silos in Trier sind seit letztem Jahr geschlossen. Zu groß war der Investitionsstau, zu wenig hat sich die Anlage nach Angaben der Raiffeisen Waren-Zentrale (RWZ) noch gerechnet. Das Problem gibt es nicht nur bei Raiffeisen, nach Angaben der Bauernverbände haben viele Zwischenhändler im Land ihre Sammelstellen aus den gleichen Gründen in den vergangenen Jahren geschlossen.
Kaum Sammelstellen und LKW
Weil andere Silos zu weit weg sind, muss Naumes das Getreide jetzt in seiner Halle zwischenlagern. "Dann müssen wir unsere Landmaschinen alle herausräumen. Die stehen dann eventuell im Regen, was bei der ganzen Elektronik alles andere als gut ist", sagt er.
Auch Pilzbefall und frühes Keimen Ernte: mehr Getreide, aber teilweise auch schlechtere Qualität
Die meisten Landwirte haben ihre Getreideernte eingefahren, nach der Trockenheit und dem langanhaltenden Regen steht eine durchwachsene Bilanz.
Günther Albrecht aus Kaiserslautern geht es ähnlich. Auch er musste sein Getreide in der Halle lagern. Weil das nächste Silo mit dem Traktor mehrere Stunden entfernt sei, lässt er es normalerweise von einem Transportunternehmen abholen.
Das kostet zusätzliches Geld und habe in diesem Jahr aber überhaupt nicht geklappt, weil zu viele Landwirte auf einmal ihre Ernte abholen lassen wollten. "Als wir ernten konnten und das Wetter schön war, hieß es von Seiten des Handels: Wir haben keine freien LKW mehr." Erfahrungen, die auch der Morscheider Landwirt Naumes bestätigen kann.
Es sind Probleme, die offenbar viele Landwirte in den letzten Wochen hatten. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau berichtet sogar davon, dass Getreide auf Sammelstellen wegen Platzmangels offen herum gelegen habe und der Witterung ausgesetzt gewesen sei. So lange es trocken bleibt, sei das unproblematisch. Doch wenn es regnet, verliere das Getreide an Qualität oder fange sogar an zu schimmeln.
Fehlende Infrastruktur erschwert die Arbeit
Alwin Naumes hatte in den letzten Jahren Glück, sagt er. Er konnte sein Getreide immer trocken ernten. "Wenn wir es in der Vergangenheit feucht ernten mussten, konnten wir es wenigstens zum Trocknen nach Ruwer fahren." Das habe zwar Geld gekostet, dafür sei das Getreide aber noch zu verkaufen gewesen. Jetzt fehle diese Möglichkeit. Schimmelndes Getreide könne er bestenfalls noch in einer Biogasanlage verwerten lassen.
Landwirte wünschen sich mehr Unterstützung
Für den Landwirt steht fest. Weil immer mehr Infrastruktur wegfällt, werde es immer schwieriger vernünftig zu wirtschaften. "Das wird alles auf die Landwirte abgeschoben und abgewälzt und wir sollen dann halt gucken, wie man das gestaltet kriegt, damit der Handel oder der, der es weiterverarbeitet ordentliches und hochwertiges Getreide bekommt."
Alwin Naumes und Günther Albrecht wünschen sich mehr Unterstützung – so könnte die Politik durch staatliche Hilfen zum Beispiel helfen, dass wichtige landwirtschaftliche Infrastruktur wie Silos erhalten bleiben. Auch Discounter-Preise sorgen bei den heimischen Landwirten für zusätzlichen Kostendruck. Deshalb wünschen sich die Landwirte, dass die Menschen wieder stärker vor Ort einkaufen.