Urteil am Amtsgericht Saarburg

Nach Knochenfund: Bestatter bleiben auf Kosten sitzen

Bei Bauarbeiten in Kirf entdeckt eine Familie menschliche Gebeine. Ein Bestattungsunternehmen birgt sie. Im Streit um die Rechnung schauten die Bestatter vor Gericht in die Röhre.

Teilen

Stand

Von Autor/in Verena Hafner

Es ist ein ungewöhnlicher Streit um eine Rechnung: Ein Bestattungsunternehmen aus Kirf im Kreis Trier-Saarburg hatte vergangenes Jahr etwa 250 menschliche Gebeine auf einem Privatgrundstück geborgen und bestattet. Auf dem Grundstück war früher ein Friedhof. Die Kosten: Rund 6.600 Euro, die das Unternehmen von der Kirche eingefordert hat, da es überzeugt ist, vom örtlichen Pfarrer beauftragt worden zu sein. Das Amtsgericht Saarburg sieht das anders und weist die Klage gegen einen katholischen Pfarrer und die Kirchengemeinde ab.

Die Bestatterin Ulla Kiefer ist fassungslos. "Ich habe keine Worte", sagt sie zum Urteil. Wenn sie und ihr Mann die Entscheidung in Ruhe gelesen haben, werde sie auf jeden Fall Berufung einlegen. Sie wirft dem Priester vor, nicht die Wahrheit zu sagen.

Kein Auftrag nachgewiesen

Doch das Gericht konnte nicht feststellen, dass der Priester das Bestattungsunternehmen verbindlich beauftragt hatte. Seine Bitte, sich "darum zu kümmern", sei zu unklar gewesen. Der Priester argumentiert, er habe die Fundstelle nicht selbst gesehen. Deshalb habe er mit "Kümmern" gemeint, dass zunächst geklärt werden sollte, was zu tun ist. Auch spätere Gespräche verpflichteten, laut Gericht, weder die Kirchengemeinde noch den Pfarrer als Privatperson zur Zahlung. Deshalb müssen beide Parteien die Rechnung nicht übernehmen.

Menschliche Überreste wurden geborgen und erneut bestattet. Das Bestattungsunternehmen zahlte dafür rund 6.600 Euro
Das Bestattungsunternehmen hatte die menschlichen Gebeine geborgen und in vier großen Särgen bestattet.

Für die Inhaber des Bestattungsunternehmens ist unverständlich, dass sie auf ihrer Rechnung sitzen bleiben. Ulla Kiefer beteuert, der Pfarrer habe ihnen in der Vergangenheit bereits in ähnlicher Weise Aufträge erteilt, die anschließend bezahlt worden seien.

Beim Garagenbau auf alten Friedhof gestoßen

Der Streit begann im März 2025. Stefan Turnsek und seine Familie wollten auf ihrem Grundstück in Kirf eine Garage bauen. Dabei stießen sie auf rund 250 menschliche Gebeine. Denn: Wie sich später herausstellte, war das Grundstück früher ein Friedhof. Sie informierten den Ortsbürgermeister, der wiederum den örtlichen Priester und der nahm daraufhin Kontakt zum Bestattungsunternehmen auf. Dieses barg die Gebeine und brachten sie in vier Särgen in die Leichenhalle. Für die Arbeit stellte das Unternehmen rund 6.600 Euro in Rechnung. Die Kirche weigerte sich zu zahlen.

Eifel/Mosel/Hunsrück

Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen

Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.

Gestritten wird voraussichtlich weiter

Während der Pfarrer, laut eigener Aussage, froh ist, dass die ganze Sache vorbei ist, bleibt der Ärger beim Bestattungsunternehmen weiterhin groß. Frau Kiefer sagte gegenüber dem SWR, so wolle, nach einer genauen Prüfung des Urteils, Berufung einlegen.

Kirf

Kirche zahlt nicht Nach Fund von Massengrab im Garten: Streit um Bestattungskosten

Nachdem auf einem Grundstück hunderte menschlicher Knochen gefunden wurden, wurden diese auf Anweisung des ansässigen Pfarrers entfernt. Doch nun möchte die Kirche die Bestattungskosten nicht zahlen.

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR RLP

Irsch

Polizei ermittelt Gruseliger Fund: Jäger finden Rehbockköpfe im Wald bei Irsch

Seit Jahren werden rund um Irsch im Kreis Trier-Saarburg immer wieder abgetrennte Rehbockköpfe auf Hochsitzen gefunden. Zuletzt vor zehn Tagen. Die Polizei ermittelt.

Hasborn

Siedlung aus dem Frühmittelalter entdeckt Das Geheimnis von Hasborn: Archäologen machen rätselhafte Entdeckung

Archäologen sind ratlos. In Hasborn in der Eifel haben sie eine Entdeckung gemacht, die es so kein zweites Mal gibt. Zwei Kreise, die vielleicht immer ein Mysterium bleiben werden.

Irrel

200 Millionen Jahre alt Sensationsfund in der Eifel: Erster Dinosaurier in Rheinland-Pfalz nachgewiesen

Forscher haben in der Südeifel erstmals einen Dinosaurier in Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Wie sie heute mitteilten, entdeckten sie Zähne, Krallen und Zehenknochen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Verena Hafner
Verena Hafner ist Redakteurin und Reporterin im SWR Studio Trier.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!