"Mein Hundli schloft" – und zwar auch in Pennsylvania! Eijo, die schwätze wie mir! Nachfahren pfälzischer Auswanderer halten in den USA pfälzische Mundart lebendig und feiern an diesem Wochenende mit uns in der Westpfalz.
"Hiwwe wie Driwwe" – und die Pfalz mittendrin
Wer in Pennsylvania Wörter hört, die verdächtig nach Pfälzisch klingen, könnte meinen, jemand habe die Pfalz samt Schorle-Schoppe über den Atlantik verschifft. Tatsächlich klingt die Sprache für unsere Ohren erstaunlich vertraut. Pennsylvania Dutch heißt die Sprache, die Nachfahren deutschsprachiger Einwanderer bis heute pflegen. Und man versteht sie in der Pfalz ganz ohne Sprach-App, denn sie hat ihre Wurzeln unter anderem in der Pfalz und ist Teil einer Familiengeschichte, die sich über drei Jahrhunderte gehalten hat. Der Deutsch-Pennsylvanische Tag feiert diese Verbindung in diesem Jahr zum 20. Mal.
"The Shooflies": Familienband aus Pennsylvania in der Westpfalz
Die "Shooflies", eine Familienband aus dem Südosten Pennsylvanias, bringt auch in diesem Jahre Banjo, Gitarre, Kontrabass, Geige und mehrstimmigen Gesang in die Westpfalz. Schon 2025 begeisterte sie bei ihrer „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ mehr als 700 Menschen bei fünf Konzerten in der Region. Zwischen traditionellen Liedern wie „Bucklich Maennli“ und beschwingten Tanzstücken wird klar: Mundart muss nicht im Heimatmuseum verstauben. Sie kann auch ziemlich grooven. Am Freitag (16. Oktober) spielen die Shooflies um 19.30 Uhr im Stadtmuseum Kaiserslautern, am Sonntag dann in Alzey.
Kulinarische Kultur: Saumagen gegen Pot Pie
Kulinarisch dürfte die Verständigung schnell klappen. Wer in der Pfalz Zwiwwelkuchen, Dampfnudeln oder Saumagen kennt, findet in Pennsylvania ebenfalls herzhafte Hausmannskost und traditionelle Gerichte. Ein bekanntes Beispiel ist der Pennsylvania Dutch Chicken Pot Pie – eine kräftige Hühnermahlzeit mit Teigstücken, die sich deutlich von einem amerikanischen Kuchen mit Blätterteigdeckel unterscheidet.
Eine Zeitung, ein Film und jede Menge Sprachliebe
Wer wissen will, wie das Pennsylvania Dutch heute klingt und lebt, sollte bei "Hiwwe wie Driwwe" vorbeischauen. Die Zeitung wurde 1996 gegründet und erscheint zweimal jährlich. Sie verbindet Autorinnen und Autoren, Dialektsprecher und Kulturinteressierte in Pennsylvania, Kanada und der Pfalz. Dazu kommen Bücher, Wörterbücher, Kinderbücher, Filme und Veranstaltungen. Die seit 2008 organisierte "Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour" bringt regelmäßig Künstler aus Pennsylvania in die alte Heimat ihrer Vorfahren.
Auch die Atlantische Akademie Rheinland-Pfalz unterstützt mit Veranstaltungen und Kooperationen den Austausch über amerikanische Kultur und die transatlantischen Beziehungen. Wer die Sprache erhalten will, muss sie schließlich sprechen, singen, lesen – und an die nächste Generation weitergeben. Dass die Pfalz in Amerika kulturell noch immer eine Rolle spielt, wissen die wenigsten, sagt Janna Uhry-Ganz, die bei der Atlantischen Akademie arbeitet und den 20. deutsch-penssylvanischen Tag mit vorbereitet.
Geschichte: Vom Pfälzer Acker ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten
Die Nachfahren der Auswanderer haben ihre Mundart über Generationen bewahrt – auch weil viele Gemeinschaften lange vergleichsweise geschlossen lebten. Zum 20. Deutsch-Pennsylvanischen Tag wird die Verbindung nun wieder besonders hörbar. Aber warum packten die Pfälzer überhaupt ihre Koffer? Im 18. Jahrhundert hatten Kriege, Verwüstungen, Missernten und wirtschaftliche Not viele Menschen in der Region hart getroffen. Pennsylvania lockte mit der Aussicht auf Land, bessere Lebensbedingungen und religiöse Freiheit.
Gerade für Mennoniten, Amische und andere religiöse Minderheiten war das ein wichtiges Versprechen. Die Überfahrt war allerdings kein Ausflug mit Bordrestaurant: Sie dauerte Wochen und war gefährlich; manche mussten ihre Passage durch mehrjährige Arbeit abbezahlen. In Pennsylvania entstand aus den mitgebrachten Dialekten und Traditionen eine eigene Kultur. Bis heute gehören dazu Musik, handwerkliche Bräuche und eine Küche, in der deutsche Wurzeln weiterleben. Die spannende Frage lautet deshalb nicht nur, was die Auswanderer mitgenommen haben – sondern auch, was sich auf der anderen Seite des Atlantiks verändert hat.
Auch wir könnten unsere eigene Mundart ruhig wieder öfter auspacken. Denn wenn wir heute noch "Alla hopp", "Ei jo" oder "Do werd de Hund in de Pfann verrickt" sagen, ist das kein sprachlicher Museumsbesuch, sondern gelebte Heimat - Hiwwe wie Driwwe.