Ist man hoch über der Bühne des Theaters Trier im Bühnenturm unterwegs, muss man schwindelfrei sein. Es ist eng und dunkel. Ein schmaler, pechschwarzer Gang führt an den Seilen vorbei, die Lampen, Vorhänge und Kulissenteile halten.
Veraltete Technik aus den 1960er Jahren
Die Bühnentechnik ist aus den 1960er Jahren wie der ganze Theaterbau. Jahrzehntelang wurde hier zu wenig saniert und erneuert, das sieht man überall. Tief unter uns wird gerade für eine bevorstehende Schauspielpremiere geprobt.
Lajos Wenzel, der Intendant des Theaters Trier, zeigt auf Stellen, an denen der Sanierungsbedarf deutlich wird. Offene Decken mit notdürftig geflickten Leitungen. Im Theaterturm kann man nicht mehr alle Stellen betreten, es besteht die Gefahr, dass man auf den schmalen Brettern einstürzen würde. Fällt ein Scheinwerfer oder eine Lampe aus, ist es schwierig, sie zu reparieren, weil man kaum hinkommt.
Jetzt ist es endlich so weit - ab Mai wird der Theaterturm, in dem sich die Bühnentechnik befindet, energetisch und technisch saniert. Dafür muss die Spielzeit schon Ende Mai beendet werden, ein paar Wochen früher als sonst üblich.
Turm wird komplett ausgeräumt
Am 31. Mai ist die letzte Aufführung für diese Spielzeit - Das Musical "My Fair Lady". Dann bauen die Bühnentechniker alles im Theaterturm ab, Lampen, Scheinwerfer, Vorhänge. "Das machen wir jedes Jahr in der Sommerpause", sagt der Intendant.
Im Theater nennen sie das jährliche Ausräumen des Theaterturms Putzwoche, so wie es in Baden-Württemberg die Kehrwoche gibt. Das dauert etwa eine Woche, alles abzubauen, zu putzen, zu entstauben und zu warten. "Dieses Jahr machen wir das eben etwas früher als sonst", sagt Wenzel.
Wie der Theaterturm saniert wird
Dann wird der Theaterturm eingerüstet und ein Kran wird aufgestellt. Die energetische Sanierung dauert etwas länger als die sonst üblichen Theaterferien. Während dieser Zeit muss auch das Dach des Theaterturms offen bleiben, um große Entlüftungsklappen auszutauschen, den Beton zu sanieren und den Turm zu dämmen.
Derzeit besteht die einzige Dämmung des Theaterturms aus 2,5 Zentimeter dicken Styroporplatten. Höchste Zeit, dass die Technik erneuert wird und der Turm richtig gedämmt wird, sagt Intendant Lajos Wenzel. Dann wird neue Bühnentechnik eingebaut.
250 Menschen arbeiten im Theater Trier
Für die 250 Menschen, die im Theater Trier arbeiten, entstehen keine finanziellen Nachteile, sagt der Intendant. Es geht einfach darum, dass sich die Ferien nach vorne verschieben. Im Juni gibt es auch noch zwei Konzerte des Orchesters, die aber nicht im Theater sein werden, sondern vor der Porta Nigra und im Römersaal der vereinigten Hospitien. Es wird auch noch geprobt.
Was ist mit dem Publikum?
Eigentlich waren im Juni noch Aufführungen im Großen Haus des Theaters Trier geplant. Viele Abonnenten hatten dafür Karten und auch Einzeltickets wurden verkauft. Es war auch noch eine Schauspielpremiere des Stücks "Planet B" geplant. Die wird in die kommende Saison verschoben.
Abonnenten werden persönlich informiert
Die im Juni geplanten Vorstellungen für die Abonnenten wurden vorgezogen. Das Personal an der Theaterkasse informiert alle Abonnenten persönlich. Viele hätten großes Verständnis, meint der Intendant Lajos Wenzel.
Dass hier dringend saniert werden muss, hat mittlerweile wirklich jeder verstanden.
In dieser Saison mussten wegen der maroden Bühnentechnik und des insgesamt großen Sanierungsstaus im Theater auch schon ausverkaufte Vorstellungen abgesagt werden. Es gab Wasserschäden, Stromausfälle, Kabelbrände und defekte Bühnentechnik. Im letzen Jahr gab es etwa fünf Feuerwehreinsätze im Theater. "Dass hier dringend saniert werden muss, hat mittlerweile wirklich jeder verstanden", betont Theaterintendant Lajos Wenzel.
Technische Probleme im Theater
"Einmal hatten wir auch die Herausforderung, dass der sogenannte eiserne Vorhang, die Brandschutzeinrichtung zwischen dem Haus und dem Zuschauerraum, nicht mehr hochgefahren werden konnte", erzählt der Intendant.
Einmal musste eine komplett ausverkaufte Ballettaufführung abgesagt werden. Das sei ärgerlich für das ganze Ensemble und natürlich auch für das Publikum.
Wie ist der Zeitplan?
Die Sanierung des Theaterturms beginnt im Juni. Die kommende Spielzeit des Theaters beginnt schon Ende August, einen Monat früher als sonst. Vom 20. bis 30. August wird auf dem Augustinerhof vor dem Theater das Musical "Anatevka" Open Air gespielt.
Im Großen Haus des Theaters Trier wird im Herbst bis Ende Dezember wieder gespielt. Am 1. Januar 2027 muss dann das Theater endgültig geräumt werden, weil im ersten Quartal 2027 die große Generalsanierung beginnt. Sie soll bis 2030 dauern.
Wo wird ab 2027 das Theater Trier spielen?
Derzeit wird am Neubau eines Ersatz-Theatersaals neben den Kulturzentrum Tuchfabrik gebaut. Dort werden während der Sanierung des Theaters Schauspielaufführungen stattfinden. Nach der Sanierung wird das Kulturzentrum Tuchfabrik diese Spielstätte nutzen. Oper und Ballettaufführungen werden in der Europahalle präsentiert.
Die Europahalle wird derzeit auch dafür vorbereitet. Das Theater Trier soll für die Spielzeit 2030/31 fertig saniert sein. Die Kosten für die gesamte Sanierung und die neuen Anbauten für Eingang und Orchesterprobensaal werden derzeit auf etwa 90 Millionen Euro geschätzt. Der größte Teil soll durch Förderprogramme des Landes finanziert werden.