Pflanzen breiten sich immer weiter aus

Wie eine Familie aus Lünebach gegen den giftigen Riesenbärenklau kämpft

In Lünebach in der Eifel kämpft eine Familie gegen den giftigen Riesenbärenklau. Der Kampf ist anstrengend und auch gefährlich. Die Behörden warnen.

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Monika Becker lebt schon ihr ganzes Leben an der Prüm in Lünebach. Ihr Haus steht oberhalb des Flusses, ein langes Uferstück entlang der Prüm gehört ihrer Familie. Auf dem gegenüberliegenden Ufer wuchern hunderte Pflanzen Riesenbärenklau, auch Herkules-Staude genannt, die bei Kontakt die Haut verbrennen können. "Das ärgert mich", sagt Becker, auf deren Grundstück nicht eine dieser Pflanzen wächst. Es sei aber viel Arbeit und gefährlich, das Grundstück sauber zu halten.

Entlang der Prüm stehen sehr viele Herkulesstauden.
Entlang der Prüm stehen sehr viele Herkulesstauden, wie der Riesenbärenklau auch genannt wird.

Bekämpfung der Pflanzen ist schwierig

Familie Becker beseitigt schon seit vielen Jahren die Pflanzen: Die Beckers schneiden die Stauden mit beginnender Blüte bodennah ab, oft noch ein zweites Mal, weil der Bärenklau häufig eine zweite Blüte ausbildet. So hat die Familie es geschafft, den gesamten Uferbereich zu säubern.

Wird die Herkulesstaude vor der Blüte gemäht, bilden sich neue Blütenstände. Hier sieht man einen Uferbereich ein paar Wochen nach einem Schnitt.
Wird die Herkulesstaude vor der Blüte gemäht, bilden sich neue Blütenstände. Hier sieht man den Uferbereich ein paar Wochen nach einem Schnitt.

Doch der Einsatz scheint vergeblich: An vielen Stellen oberhalb ihres Grundstücks passiert nichts. Laut Kreisverwaltung Bitburg-Prüm kann eine einzelne Staude bis zu 50.000 Samen bilden. Diese würden vom Wind oder mit der Wasserströmung immer wieder an das Ufer und damit auf ihr Grundstück getragen, vermutet Monika Becker. Vor allem die jährlichen Überschwemmungen würden den Samen auf ihr Grundstück spülen. Sie fordert deswegen, dass die Pflanzen auch auf dem gegenüberliegenden Grundstück entfernt werden.

Diese mit dem Bärenklau bewachsene Fläche liegt gegenüber dem Grundstück von Familie Becker.
Diese mit dem Bärenklau bewachsene Fläche liegt gegenüber dem Grundstück von Familie Becker.

Kreisverwaltung: Riesen-Bärenklau entfernen keine Pflicht

Laut Kreisverwaltung Bitburg-Prüm ist grundsätzlich der jeweilige Eigentümer für die Pflege seines Grundstücks verantwortlich – dazu gehört auch die Bekämpfung der Herkulesstaude. Eine generelle Pflicht zur Beseitigung bestehe allerdings nicht. Nur wenn eine erhöhte Gefährdung vorliege, zum Beispiel in der Nähe von Spielplätzen, könne laut Kreisverwaltung die Behörde die Entfernung der Pflanze anordnen. Dennoch schreibt die Behörde auf öffentlichen Kanälen, sie empfehle Privatleuten die Pflanzen zu entfernen, bevor sie sich weiter verbreiten.

Das Problem: In Lünebach fühlt sich niemand zuständig für das Uferstück gegenüber von Monika Becker. Laut dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) gehört die Fläche schon lange offiziell zum Fluss Prüm. So soll verhindert werden, dass Anwohner später Land verlieren – etwa wenn sich der Fluss im Laufe der Jahre etwas verlagert.

Dieses Uferstück gehört offiziell zum Fluss. Die Anrainer am Rand gelten als Miteigentümer.
Dieses Uferstück gehört offiziell zum Fluss. Die Anrainer am Rand gelten als Miteigentümer.

Anrainer haben Mitverantwortung

Auch wenn das Grundstück offiziell zum Fluss gehört, ist es nicht Eigentum der Gemeinde oder des Landes, sondern gehört anteilig den Eigentümern der angrenzenden Ufergrundstücke. In Lünebach ist das laut DLR unter anderem die Familie Bonefas: Ihr Grundstück grenzt fast über die gesamte Länge an das vom Riesen-Bärenklau bewachsene Grundstück. Laut der Behörde wurde die Familie bereits über die Eigentumsverhältnisse informiert.

Christian Bonefas ist nicht bekannt, dass er Miteigentümer der angrenzenden Fläche sein soll.
Christian Bonefas ist nicht bekannt, dass er Miteigentümer der angrenzenden Fläche sein soll.

Christian Bonefas sagt, dass er bislang nichts davon wusste, dass er für das Uferstück mitverantwortlich sein soll. Er findet das nicht gerecht, auch weil sein eigenes Grundstück kein Ufer habe und mindestens 30 Meter von der Prüm entfernt liege. Die Beseitigung der Pflanzen sei auch mit Kosten verbunden. Und es gebe noch weitere Miteigentümer des von den Pflanzen bewachsenen Grundstück, sagt er. "Also sollte es auch nicht nur mein Problem sein."

Beckers wünschen sich gegenseitige Rücksichtnahme

Ein hin und her mit dem Monika Becker nur wenig anfangen kann. Sie hofft, dass das Grundstück auf der anderen Seite frühzeitig gemäht wird. Bevor neuer Samen des Riesenbärenklau zu ihr hinüber getragen werden. Ihr Wunsch: Jeder sollte die Pflanze auf seinem eigenen Grundstück bekämpfen – dann hätte der Riesenbärenklau keine Chance, sich so stark auszubreiten.

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