Jonas Frey ist Experte für die Asiatische Hornisse. Gerade erzählt er den etwa 100 Besuchern im Beda Haus in Bitburg von einem der gefährlichsten Vorfälle mit dem Tier.
Ein älteres Ehepaar war nach längerer Zeit wieder in ihrem Gartenhäuschen, um dort zu arbeiten. Als sie die Schuppentür öffnen, um Geräte für die Gartenarbeit rausholen, passiert das Unglück. Im Inneren hatten Asiatische Hornissen ihr Nest gebaut. Als die Tür aufgeht, reißt das Nest auf, hunderte wütende Tiere kommen herausgeschossen und stechen auf das Ehepaar ein. Ein sofort gerufener Notarzt verhindert Schlimmeres. Denn die Stiche der asiatischen Hornisse können je nach Anzahl und Veranlagung lebensgefährlich sein.
Asiatische Hornisse breitet sich schnell aus
Jonas Frey ist Imker und Mitbegründer des Netzwerks Velutina Saar e.V. Eingeladen hat ihn an diesem Abend die Stadt Bitburg, um über die Asiatische Hornisse und ihre Bekämpfung zu informieren. Eindringlich schildert Frey den Besuchern, wie schnell sich die invasive Art vermehrt, auch weil sie in Europa keine natürlichen Feinde hat. Anders als im asiatischen Raum, wo sie bei Leguanen oder Schlangen eine beliebte Mahlzeit ist.
Frey sagt, dass sich von Jahr zu Jahr die Bestände der Tiere verdoppeln, wenn die Nester aktiv bekämpft werden. Geschieht das nicht, ist eine Ausbreitung bis um das Zwölffache möglich.
Die Asiatische Hornisse ist ein ganz anderes Kaliber als die Wespe oder ähnliches.
Das gefräßige und oft aggressive Tier bereitet vielen Imkern und Landwirten Kopfzerbrechen. Denn die Asiatische Hornisse jagt bevorzugt heimische Bienen und Hummeln. Ganze Bienenvölker wurden von der invasiven Art im wörtlichen Sinne schon aufgefressen, sagt Imker Jonas Frey. "Die Asiatische Hornisse ist ein ganz anderes Kaliber als die Wespe oder ähnliches."
Invasive Art auf dem Vormarsch Frank Steinacher: Der Kampf gegen die Asiatische Hornisse ist fast verloren
Die Asiatische Hornisse breitet sich auch bei uns aus und wir haben mit dem Hornissen-Experten Frank Steinacher aus Freimersheim über den Kampf gegen die invasive Art gesprochen.
Wer seine Bienenstöcke nicht mehr schützt, hat kaum noch eine Chance, sein Bienenvolk übers Jahr zu bringen. Mancher Landwirt hat die Sorge, dass es künftig zu wenig Bienen für die Bestäubung der Pflanzen gibt. Die Biodiversität sei damit gefährdet. Fachleute wie Frey betonen deshalb immer wieder, wie wichtig es ist, die Asiatische Hornisse zu bekämpfen.
Asiatische Hornisse gefährlich für Menschen
Die Asiatische Hornisse baut ihre Nester längst nicht mehr nur im Wald oder im Garten. Auch Dächer, Rollkästen oder Garagen sind gefragte Nistplätze. Experten sagen, dass in 36 Prozent der Fälle Nester in oder an Gebäuden sind. Sind das Schulen, Kindergärten, Altenheime oder andere öffentliche Plätze, wird es gefährlich.
Bitburg: Plan zur Bekämpfung der Asiatische Hornisse
Auch wenn es in Bitburg bisher keine gefährlichen Zwischenfälle mit der Asiatischen Hornisse gegeben hat, will die Stadt vorbeugen und gegen die invasive Art vorgehen. "Wir müssen aktiv werden, bevor es so schlimm wird wie in anderen Bundesländern wie dem Saarland", sagt Bürgermeister Heiko Jakobs (SPD).
Dafür braucht es eine Strategie, sagt Jakobs. Dafür soll zunächst auf der Homepage der Stadt Bitburg ein Meldeformular eingerichtet werden. Auf dem sollen sich die Menschen über die asiatische Hornisse informieren können und Nester melden, die sie entdeckt haben.
Freiwillige fit für die Bekämpfung machen
Zudem brauche es Unterstützer, die Nester gezielt suchen und melden. "Dafür werden Freiwillige und Ehrenamtler ausgebildet, um sie fit zu machen in der Bekämpfung gegen die Asiatische Hornisse", so Jakobs.
Diese Teams sollen gemeldete Nester auf privaten Grundstücken beseitigen. Für die eigenen öffentlichen Flächen werden Mitarbeitende des städtischen Bauhofs geschult. Diese "Task Force" der Stadt besteht zunächst aus acht Leuten. Die Kosten für die Schulungen und die Ausrüstung mit Schutzanzügen für die Ehrenamtlichen übernimmt die Stadt.
Zwölf Freiwillige an nur einem Abend
Bei der Veranstaltung im Bitburger Beda Haus liegen Listen bereit, in die sich Interessierte eintragen könne. Am Ende des Abends haben sich zwölf Freiwillige eingetragen. Carsten Emonts hat die Namen notiert. Er organisiert die Schulungen für seine Mitarbeiter und die Freiwilligen.
Der Leiter des städtischen Bauhofs ist zufrieden. Aber es ist nur ein Anfang, sagt er. Wichtig ist, die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass sie Nester melden und wissen, was sie tun sollen. "Und wir müssen zusehen, dass wir alle irgendwie eine Koexistenz mit den Tieren hinbekommen."
Was kann ich als Privatperson tun?
Jonas Frey vom Netzwerks Velutina Saar rät, immer mindestens zehn Meter Sicherheitsabstand von einem entdeckten Nest zu halten. Danach sollte beobachtet werden, ob es sich wirklich um Asiatische Hornissen handelt oder um andere Tiere.
Wenn jemand unsicher ist, könne ein Foto auch an die Meldestelle geschickt werden. Dort würde es zeitnah von Fachleuten Rückmeldung geben, so Frey.
Die Beseitigung von Nestern obliegt seit Sommer vergangenen Jahres in Rheinland-Pfalz den Grundstückseigentümern, verpflichtet sind sie dazu nicht. Nester sollten immer von einem Hornissen - oder Schädlingsbekämpfer entfernt werden. Die Kosten müssen selbst übernommen werden. Allerdings kann man prüfen, ob die Hausratsversicherung die Kosten bei einem Schädlingsbefall übernimmt.
Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen
Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.
Gekommen, um zu bleiben
Um sich vor Asiatischen Hornissen zu schützen, sollten zudem Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden. Den Schuppen im Garten zum Beispiel erst betreten, wenn zuvor geschaut wurde, ob irgendwo Tiere rein und rausfliegen. Auch bei Arbeiten am Dach oder Haus erst genau schauen, ob sich dort Asiatische Hornissen angesiedelt haben, sagt Experte Frey.
Auch wenn es keine guten Nachrichten sind: Die Asiatische Hornisse wird bleiben. "Wir können jetzt nur noch versuchen, ihre Ausbreitung so gering wie möglich zu halten."