Seit Montag wird einem jungen Mann vor dem Trierer Landgericht der Prozess gemacht. Die Anklage lautet auf schweren Bandendiebstahl in mehreren Fällen: Gemeinsam mit mindestens dreizehn weiteren Beteiligten soll der 34-Jährige zwischen April und Juni 2023 sieben Mal in mehrere Solarparks, also Flächen mit großen Photovoltaikanlagen, in Rheinland-Pfalz, eingebrochen haben.
Darunter sind auch Parks in der Region Trier: Niersbach, Kröv (Kreis Bernkastel-Wittlich), Beilingen, Idenheim (Eifelkreis Bitburg-Prüm) und Kempfeld (Kreis Birkenfeld).
Bande soll mit System vorgegangen sein
Laut Anklage soll sich der 34-Jährige bereits im November 2022 mit weiteren Beteiligten in einer Gruppe zusammengetan haben. Demnach soll es ihnen darum gegangen sein, Geld mit den gestohlenen Kabeln zu verdienen.
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Bei den Einbrüchen in die Solarparks soll die Bande immer nach einem genauen System vorgegangen sein: So sollen die mutmaßlichen Täter Schlösser aufgebrochen und Zäune aufgeschnitten haben, um in die Solarparks reinzukommen. Dort sollen dann Kupfer- und Elektrokabel aus den Anlagen getrennt und danach mit mehreren Autos weggefahren worden sein.
Hundertausende Euro Schaden
Bei ihren sechs Einbrüchen soll die Bande mehr als 100 Kilometer Kupfer- und Elektrokabel im Wert von rund 120.000 Euro gestohlen haben. Der Wert der geklauten Kabel sei allerdings nur ein Teil des finanziellen Schadens, so der Geschäftsführer eines der betroffenen Solarunternehmen auf Anfrage des SWR. Denn neben zusätzlichen Schäden an Zäunen oder Schlössern kann vor allem der Ausfall der beschädigten Anlage für die Unternehmen teuer werden.
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Das Unternehmen betreibt neben den Anlagen in Idenheim, Kempfeld und Beiligen auch eine weitere in Oberdreis (Kreis Neuwied), wo die Bande auch eingebrochen haben soll. Dass hier der Betrieb nach dem Einbruch nicht weiterlaufen konnte, kostete das Unternehmen nach Angaben der Anklageschrift etwa 78.000 Euro. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen immer wieder massiv von Einbrüchen mit Kabeldiebstahl betroffen.
Diebesgut wird oft ins Ausland gebracht
Dass oft der eigentliche Schaden durch den Betriebsausfall entsteht, sieht auch Ralf Schmitz vom Verband Deutscher Metallhändler und Recycler. Er weiß auch, wie es nach solchen Diebstählen mit den Kabeln oft weitergeht. Der Verkauf der Kabel in Deutschland sei aufgrund der vielen Kontrollen und auch Sicherheitsvorkehrungen gar nicht so einfach, lohne sich für die Diebe oft nicht, so Ralf Schmitz. Deshalb gehe das meiste Diebesgut ins Ausland, wo es an Händler weiterverkauft werde.
Und selbst das sei mit großem Aufwand verbunden. "Das Interessante an den Kabeln ist ja nur das Kupfer." Das müsse dann zuerst vom Kunststoff befreit und verarbeitet werden, bis es zu Granulat gemacht werden könne. Denn nur als reines Granulat könne es auch wieder in der Industrie gebraucht werden. Aktuell liege der Kupferpreis bei umgerechnet etwa 8.800 Euro pro Tonne. Bis das Kupfer aus den Kabeln wieder als Rohstoff an Wert gewonnen hat, dauert es. Nach Angaben der Anklageschrift soll die Bande ihr Diebesgut in Belgien und in den Niederlanden verkauft haben.
Unternehmen versuchen sich zu schützen
Um es Dieben schwer zu machen haben, manche der betroffenen Unternehmen ihre Sicherheitsmaßnahmen in den letzten Monaten stark erhöht. Es gibt mehr Schranken oder mehr Videoüberwachung. Auch in Zukunft soll weiter investiert werden. Dennoch bleibe die Sicherung weitläufiger Freiflächen eine besondere Herausforderung, so der Geschäftsführer des betroffenen Solarparks in Niersbach.