Goldene Zeiten - dunkle Jahre

Die 1920er Jahre in Trier: Französischer Chic und bittere Armut

Die 1920er Jahre sind ein Mythos - Glamour und Lebenslust aber auch Inflation und Armut. Eine Ausstellung zeigt das Leben in dieser Zeit abseits der großen Metropolen - in Trier.

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Von Autor/in Nicole Mertes

Bubiköpfe, Charlestonkleider, wilde Parties und ausschweifende Lebensfreude - die goldenen 1920er Jahre wecken bis heute Sehnsüchte und sind ein echter Mythos. Doch wie war das Leben eigentlich abseits der großen Metropolen wie Berlin, New York und Paris in dieser Zeit? Das zeigt eine Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift in Trier.

Ein Schminkkopf mit Utensilien aus den 20er Jahren im Stadtmuseum Simeonstift in Trier.
Die Dame von Welt war in den 1920er Jahren immer perfekt gestylt. Ein Schminkkopf mit Hut und Puderquaste in der Ausstellung 20er Jahre im Stadtmuseum Simeonstift. Bild in Detailansicht öffnen
Alltagskleidung der 1920er Jahre in der Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift
Wer in den 1920er Jahren in Trier einen Bürojob bekam, der musste oft sparen, um sich passende Kleider zu kaufen. Bild in Detailansicht öffnen
Ein kleiner bunter Kinderplattenspieler aus den 1920er Jahren
Dieser Kinderplattenspieler ist in der Ausstellung 1920er Jahre im Stadtmuseum Simeonstift in Trier zu sehen. Bild in Detailansicht öffnen
Dieser kleine weiße Porzellanhund ist eine private Leihgabe für die Ausstellung 1920er Jahre im Stadtmuseum Trier.
Dieser Porzellanhund gehörte einer jungen Frau in den 1920er Jahren in Trier. Sie hatte lange dafür gespart. Bild in Detailansicht öffnen
Auch Mode der 1920er ist in der Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift zu sehen. Hier ein goldenes Partykleid.
Die 1920er Mode ist noch immer beliebt. Hier ein goldenes Partykleid mit einem Affenfellmantel in der Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift Trier. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Spielzeugladen aus den 1920er Jahren im Stadtmuseum Simeonstift Trier
Ein historischer Spielzeugladen aus den 1920er Jahren. Viele Menschen lebten damals wegen der Inflation in Armut und konnten sich wenig kaufen. Bild in Detailansicht öffnen

Es sind gerade die vielen privaten Leihgaben von Menschen aus Trier, die diese Ausstellung so besonders machen und ihr viel Lokalkolorit geben. So gibt es viele Fotos, auf denen man sieht, wie Straßenbahnen durch Triers Stadtzentrum fahren, wie junge Menschen auf der Mosel rudern und sich amüsieren. Mit moderner KI wurden aus diesen historischen Fotos kurze Videoclips geschaffen, die fast wirken, wie ein moderner Instagram-Reel. Ein verblüffender Effekt.

Man hat auf einmal einen ganz anderen Zugang zur Geschichte.

Persönlichkeiten, die Trier in den 1920er Jahren geprägt haben sind zu sehen. Da wäre zum Beispiel das Trierer It-Girl "Et Röschen" im eleganten Charlestonkleid, die Flugpionierin Röschen Görgen oder der stärkste Mann der Welt, Paul Trappen. "Man hat auf einmal einen ganz anderen Zugang zur Geschichte", sagt Andrea Orth vom Stadtmuseum, die die Ausstellung organisiert hat.

Trotz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten durfte Paul Trappen nie bei den Olympischen Spielen antreten.
Die Karriere von Paul Trappen war beispiellos. Nur ein Olympiatitel blieb ihm verwehrt. Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Trierer Stadtbad wurde in den 1920ern gebaut, auch das Moselstadion. Dort, wo heute in der Simeonstraße nur noch ein leeres Kaufhaus steht, war der Schiefferkeller, in den 1920ern der Place to be in Trier. Das große Unterhaltungszentrum hatte ein Café, ein Restaurant, ein prachtvolles Kino und einen Tanzkeller. Eine kleine Nachbildung des Kinopalastes ist in der Ausstellung zu sehen, mit einer echten Leinwand auf der 1920er Filme flimmern.

Doch die 1920er Jahre hatten auch viele Schattenseiten. Nach dem 1. Weltkrieg waren mehr als 10 Prozent der Trierer Bevölkerung Kriegsinvalide, es gab Wohnungsnot, Inflation und bedrohliche Krankheiten wie Tuberkulose. Trier war damals vom französischen Militär besetzt. Deshalb war Fotografieren im öffentlichen Raum teils verboten. Aquarelle des Trierer Malers Peter Krisam sind einzigartige historische Dokumente aus dieser Zeit.

Aus Afrika stammende Mitglieder des Spahi Regiments auf dem Trierer Hauptmarkt. Ein Aquarell von Peter Krisam aus dem Jahr 1923
In den 1920er Jahren war Trier vom französischen Militär besetzt, darunter das aus Afrika stammende Spahi Regiment. Der Trierer Maler Peter Krisam hat diese Szene auf dem Hauptmarkt 1923 gemalt. Stadtmuseum Simeonstift Trier

Die Schau zeigt Trier in allen Facetten des Lebens, die die 1920er Jahre geprägt haben. Mode, Kunst, Architektur, Alltagsleben oder Technikbegeisterung gehören dazu. Es gibt viele Parallelen in unsere Gegenwart. So wie zum Beispiel das Radio in den 1920er Jahren ein modernes Massenmedium wurde, beschäftigen uns heute die Dynamik von Social Media und KI.

Die Ausstellung "Die 20er - Goldene Zeiten Dunkle Jahre" im Stadtmuseum Trier ist bis zum 24. Januar 2027 zu sehen. Es gibt ein vielseitiges Begleitprogramm mit Konzerten, Lesungen, Vorträgen, Führungen und Workshops.

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Autor/in
Nicole Mertes
Nicole Mertes ist Redakteurin im SWR Studio Trier.

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