"Endlich" - es ist das Wort, das an diesem Nachmittag wohl am häufigsten fällt. Das große Batteriespeicherwerk in Wittlich kann gebaut werden, nach vier Jahren Wartezeit. "In der ersten Augustwoche soll es losgehen mit den Bauarbeiten", sagt Felix Forster bei der Veranstaltung im Bürgerhaus in Wittlich-Wengerohr.
Es ist nicht das erste Mal, dass er eine große Ankündigung macht. Vor vier Jahren hatte der Projektleiter der deutsch-norwegischen Firma Eco Stor die Pläne vorgestellt. Seitdem musste er den Spatenstich mehrfach verschieben. "Natürlich wünscht man sich, dass es schneller geht", sagt Forster: "Aber ich bin jetzt ungemein froh, dass wir beginnen können."
Langes Warten auf die Baugenehmigung
Anwohner hatten sich schon gefragt, ob das Kraftwerk überhaupt noch gebaut wird. Doch noch ist auf der Wiese neben dem Umspannwerk im Stadtteil Wengerohr nichts zu sehen. Forster verspricht aber: Bis zum nächsten Sommer sollen die ersten Batterie-Container am Netz sein.
Das Projekt habe sich einerseits verzögert, weil es beim Ausbau der Stromtrassen in der Region hakte, sagt Felix Forster. Andererseits habe der Konzern lange auf die Baugenehmigung warten müssen.
Projekt wird günstiger als veranschlagt
Beim Brandschutz etwa mussten die Investoren nachbessern: Geplant ist nun ein System, das die Batterieschränke im Brandfall kühlt und aus der Ferne abschaltet. Zusätzlich soll ein Wall entlang des Sterenbachs die Anlage vor Hochwasser schützen. Für den Bau sollen außerdem Feldlerchen umgesiedelt werden, die auf der Wiese brüten.
Einen Vorteil hatte die Verzögerung aber, sagt Forster: Die Firma könne jetzt Batterien der neuesten Generation einbauen. Sie seien nicht nur leistungsfähiger, sondern auch günstiger. So werde das Projekt sogar billiger als die ursprünglich veranschlagten 250 Millionen Euro - und das trotz der vielen Änderungen am Plan und sogar einer Lärmschutzwand, die Eco Stor bauen muss.
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Bürger sorgen sich wegen Lärm
Diese Wand ist nach Ansicht der Gutachter notwendig, weil die Batteriecontainer dauerhaft belüftet werden müssen, wodurch ein Brummen entsteht.
Birgit Grünfelder, die nur 400 Meter von der geplanten Anlage entfernt wohnt, macht sich Gedanken: "Wenn ich jeden Tag so ein Summen hören würde. Das würde meine Freizeit schon stark beeinträchtigen, weil ich mich gerne im Garten aufhalte."
Wissenschaftler: "Anlagen sind nicht laut"
Elfriede Meurer (CDU), die Erste Beigeordnete der Stadt kann das verstehen, sagt sie: "Bei solchen großen Projekten gibt es immer Ängste und man muss sich auch die Zeit nehmen, mit den Bürgerinnen und Bürgern zu sprechen." Sorgen müsse sich allerdings niemand machen: "Kein Unternehmen hat ein Interesse daran, Gutachten darzustellen, die nicht der Wahrheit entsprechen. Das birgt nur späteren Ärger."
Sie sieht in dem Batteriespeicher "eine großartige Sache": "Wir freuen uns, dass wir dazu beitragen können, die grüne Energie zu speichern. "
Immer mehr Batteriespeicher geplant
An den Plänen wird sich ohnehin nicht mehr viel ändern lassen. Der Stadtrat Wittlich und der Ortsbeirat Wengerohr haben dem Projekt zugestimmt, die Kreisverwaltung hat es im vergangenen Jahr genehmigt. Andere Speicherkraftwerke in Rheinland-Pfalz warten hingegen noch auf Baurecht. Nach Angaben der Kommunen sind alleine in der Region Trier rund ein Dutzend weitere große Batteriespeicher geplant.
Das hat auch wirtschaftliche Gründe, sagt Professor Henrik Te Heesen vom Umweltcampus Birkenfeld: "Mit den Anlagen lässt sich derzeit viel Geld verdienen." Die Batterien sind günstiger geworden. Und noch sind die Rahmenbedingungen attraktiv. Speicher, die bis Ende 2028 ans Netz gehen, sind 20 Jahre lang von den Netzentgelten befreit.
Batteriespeicher könnten Gaskraftwerke ersetzen
Der Physiker Te Heesen hält das für sinnvoll, weil es noch deutlich mehr Speicher für die Energiewende brauche, um den überschüssigen Solarstrom zwischenzuspeichern und in den Abendstunden ins Netz einzuspeisen.
Sie könnten in Zukunft in der Nacht einen Teil der Stromversorgung übernehmen. Heute kommt die Energie noch häufig aus Gaskraftwerken. In Wittlich könnte das schon nächstes Jahr der Fall sein.