Am 22. März 2026 findet in Rheinland-Pfalz die Landtagswahl statt - für den SWR ein Grund, mit den Menschen im Land ins Gespräch zu kommen: Welche Themen bewegen sie? Was wünschen sie sich von der nächsten Landesregierung? Um ein Stimmungsbild zu erhalten, haben SWR-Reporterinnen und -Reporter im November 2025 verschiedene Vereine im ganzen Land besucht und dort mit deren Mitgliedern gesprochen.
Einige der Befragten äußerten gegenüber dem SWR, dass sie sich über das Interesse an ihrer Meinung freuten, beispielsweise Rainer Graf, Mitglied im Heimatverein Offstein und 2. Beigeordneter der Gemeinde. Er sagte, es entstehe oft der Eindruck, dass sich die Landesregierung nicht ausreichend um die Menschen auf dem Land kümmere.
Das fängt bei der Ausstattung der Gemeinden an. Wir haben in Offstein seit Jahren Probleme, überhaupt einen Haushalt zustande zu bringen.
Befragte überwiegend zufrieden mit Lebensbedingungen in Rheinland-Pfalz
Generell zeigten sich die Befragten aber mit den Lebensbedingungen in ihrem Wohnort zufrieden. Die meisten beurteilten sie mit "gut" oder sogar "sehr gut". Nur ein Prozent wählte die Schulnote 4 (= ausreichend). Schlechtere Noten wurden nicht vergeben. Daraus ergibt sich eine Durchschnittsnote von 1,9.
Am größten war die Zufriedenheit unter Dorfbewohnern, wie dem 28-jährigen Steven Pfeil aus Imsweiler in der Nordpfalz. Er ist Mitglied der Gesangvereinskapelle Rockenhausen und findet, dass das Leben in einer ländlichen Region viele Vorteile bietet.
Das Land ist sehr lebenswert. Es gibt viele Vereine, in denen man sich engagieren kann. Man kennt sich untereinander. Die Nachbarschaftshilfe wird bei uns sehr groß geschrieben.
Bildung und Gesundheitsversorgung sind Topthemen vor der Landtagswahl
Die Befragung drehte sich um insgesamt acht Themengebiete: Bildung, Energie und Klima, Freizeit, Gesundheitsversorgung, Lebenshaltungskosten und Wohnen, Migration, Sicherheit und Verkehr. Im Durchschnitt stuften die Befragten alle abgefragten Themen als "wichtig" bis "eher wichtig" ein. Die höchsten Werte erhielten dabei die Themen Bildung und Gesundheitsversorgung.
Mussten sich die Befragten entscheiden, um welche drei Themen sich die zukünftige Landesregierung besonders kümmern soll, nannten knapp 69 Prozent das Thema Bildung, gefolgt von Gesundheitsversorgung mit rund 61 Prozent. Lebenshaltungskosten und Wohnen landete mit 41 Prozent auf Platz 3.
Sollten die Teilnehmer aber nur ein Thema nennen, um das sich die Landesregierung besonders kümmern sollte, änderte sich die Reihenfolge etwas: Bildung und Gesundheitsversorgung blieben auf den Plätzen 1 und 2, auf Rang 3 landete bei dieser Fragestellung das Thema Migration. Lebenshaltungskosten und Wohnen rangierten hier auf Platz 6.
Bildungsangebote in Rheinland-Pfalz erhalten mittelmäßige Bewertung
140 Menschen haben Bildung als eines ihrer drei Top-Themen genannt. Sie wurden dann weiter zu diesem Thema befragt. Die meisten von ihnen gaben den Bildungsangeboten in Rheinland-Pfalz (Kitas, Schulen und Universitäten) eine mittelmäßige Bewertung. Drei Viertel der Befragten bemängelten den baulichen Zustand der Schulen. Förderangebote und Unterrichtsqualität nannte etwa jeder Zweite als Problemfeld.
Bei der SWR-Befragung beim Saulheimer Narrenclub (Rheinhessen) erzählte die Kita-Mitarbeiterin Sabine Schäfer, dass ihr frühkindliche Bildung sehr wichtig sei. Aber die Landesregierung statte die Kitas nicht gut genug aus. Aus ihrer Sicht fehlt es an Personal und Geld.
Die Eltern bekommen suggeriert, sie haben einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Aber Kitas sind nicht nur Aufbewahrungsanstalten, Kitas sind Bildungsanstalten.
Diese Meinung teilen viele der Befragten: Häufig wurde der Personalmangel bei Lehrkräften und Kita-Mitarbeitern beklagt. Das führe zu überfüllten Klassen und fehlenden Betreuungsplätzen. Auch mangelnde Digitalisierung und eine zu hohe Bürokratie wurden als zentrale Probleme genannt. Viele wünschten sich zudem eine praxisorientiertere und zeitgemäßere Bildung, die besser auf das Leben und den Arbeitsmarkt vorbereitet.
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Die Leistungen von Neuntklässlern haben sich einer Studie des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) zufolge deutlich verschlechtert.
Bildung: Befragte bemängeln fehlende Chancengleichheit
Außerdem sind 61 Prozent der Meinung, dass es im Bildungsbereich im Land noch keine Chancengleichheit gibt - dass Herkunft beim Bildungserfolg also noch immer eine Rolle spielt. Viele Befragte führen das auf das soziale Umfeld zurück. Und darauf, dass manche Eltern ihre Kinder nicht unterstützen können - weil ihnen das Geld fehlt, sie nicht ausreichend Deutsch sprechen oder es ihnen selbst an Bildung mangelt. Außerdem gebe es zu wenig Förderung für Kinder mit Migrationshintergrund. Dafür fehlt aus Sicht einiger aber auch das nötige Personal.
Die Befragten wurden gebeten, Forderungen an die Landesregierung zu formulieren. Viele sagten, dass sie sich eine Reform des Bildungssystems wünschen, die auch für mehr Chancengleichheit sorgen soll. Schulen und Kitas sollten besser ausgestattet werden. Außerdem wünschen sie sich mehr Lehrpersonal, das besser und praxisorientierter ausgebildet sein sollte.
Gesundheitsversorgung: Zu wenig Haus- und Fachärzte
Die Befragten, die Gesundheitsversorgung als eines ihrer Top-3-Themen genannt hatten, wurden gebeten, die Krankenversorgung in ihrer Stadt oder Gemeinde zu bewerten. Der Großteil der 123 Befragten bewertete die Gesundheitsversorgung vor Ort mit der Schulnote 3 oder 4. Der Durchschnitt lag bei 3,3.
Besonders oft wurde bemängelt, dass Termine bei Fachärzten nur schwer zu bekommen seien. Die meisten stimmten auch der Aussage zu, dass es immer schwerer werde, einen Hausarzt zu finden. Das Problem wurde im ländlichen Raum allerdings deutlich häufiger genannt als in der Stadt. Zum Beispiel auch in Kleinsteinhausen in der Südwestpfalz. "Ich sorge mich um die Arztsituation", sagt Martina Wagner. Die 65-Jährige ist Vorsitzende des Vereins "Miteinander - Füreinander" und Ortsbürgermeisterin (CDU).
Ich habe Bedenken, ob das noch funktioniert, wenn wir in das Alter kommen, in der wir eine ärztliche Versorgung brauchen.
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Eine Daten-Recherche zeigt, dass nur wenige Praxen in Baden-Württemberg Termine über den Online-Terminservice 116117 anbieten. Der Weg zum Arzt ist deshalb oft weit.
Etwa die Hälfte der Befragten empfindet das Gesundheitssystem zudem als zu kompliziert. Die Befragten fordern von der Landesregierung eine bessere und gerechtere Gesundheitsversorgung, insbesondere durch mehr Ärzte - vor allem auf dem Land - und kürzere Wartezeiten für Facharzttermine. Viele wünschen sich, dass die "Zwei-Klassen-Medizin" abgeschafft und Bürokratie abgebaut wird. Zudem solle das Gesundheitssystem besser finanziert und Krankenhäuser erhalten werden.
Gestiegene Lebenshaltungskosten sind spürbar
85 Menschen nannten "Lebenshaltungskosten und Wohnen" als eines der drei wichtigsten Themen. Viele von ihnen spüren nach eigenen Angaben, dass die Kosten in diesem Bereich gestiegen sind, vor allem beim täglichen Einkauf oder Restaurantbesuchen. Für viele fallen auch die Heizkosten stark ins Gewicht. Einschränken muss sich aber nur jeder Dritte. Gespart wird vor allem bei Lebensmitteln, aber auch bei Freizeitaktivitäten und Reisen.
Zufriedenheit mit der eigenen Wohnsituation
Die meisten Befragten sind mit ihrer Wohnsituation sehr zufrieden - insbesondere die Gruppe derjenigen, die in mittelgroßen Kommunen leben. Etwas mehr als ein Viertel schätzte sie als OK ein. Die Befragten legen nach eigenen Angaben großen Wert auf bezahlbaren Wohnraum und Eigentum. Dementsprechend besitzen 57 Prozent von ihnen selbst Wohneigentum, was die im Bundesvergleich hohe Eigentumsquote in Rheinland-Pfalz widerspiegelt.
Immobilien-Preisspiegel Rheinland-Pfalz 2025 Mieten in RLP: Wo man am teuersten und wo am günstigsten wohnt
Wer in Rheinland-Pfalz in den vergangenen zwölf Monaten eine Wohnung oder ein Haus gekauft hat, konnte mit stabilen Preisen rechnen. Bei den Mieten ging es dagegen weiter hoch.
Verbesserungsbedarf sehen die Befragten vor allem bei Mieten und Immobilienpreisen. Es seien auch zu wenig Wohnungen oder Häuser verfügbar. Das gelte auch für spezielle Angebote für alte Menschen. Die Befragten fordern von der zukünftigen Landesregierung in erster Linie bezahlbaren Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten. Zum Beispiel durch mehr sozialen Wohnungsbau, geringere Mietpreise und vereinfachte Bauprozesse. Außerdem wünschen sie sich finanzielle Entlastung bei Lebenshaltungskosten und dass junge Familien und ältere Menschen besser unterstützt werden.
Migration: Befragte sehen Chancen, aber auch Probleme
Insgesamt nannten 49 Menschen "Migration" als eines ihrer Top-3-Themen. Die meisten von ihnen halten die Integration für nicht gut organisiert. Etwa die Hälfte der Befragten gab aber auch an, dass die Chancen, die Migration bietet, zu wenig gesehen würden, beispielsweise in Hinblick auf ausländische Fachkräfte. Ähnlich viele empfinden verschiedene Kulturen als Bereicherung. Etwas weniger als die Hälfte ist der Meinung, dass es zu viel Migration gibt. Auch werden Probleme im Zusammenleben der verschiedenen Kulturen gesehen.
Zehn Jahre "Wir schaffen das!" Geflüchtet und was dann? Ein (Rück-)Blick nach Rheinland-Pfalz
Vor zehn Jahren, als viele Flüchtlinge kamen, sagte die damalige Kanzlerin Merkel (CDU) den berühmten Satz: "Wir schaffen das!" Ein SWR-Doku fragt, ob wir es wirklich geschafft haben.
Den 49 Befragten wurden fünf verschiedene Maßnahmen genannt, mit denen auf Probleme im Bereich der Migration reagiert wird, wie beispielsweise die Bezahlkarte für Geflüchtete. Die Befragten wurden anschließend gebeten, diese Maßnahmen zu bewerten. Alle wurden mehrheitlich für sinnvoll befunden, wobei die größte Einigkeit bei Sprachkursen für Geflüchtete, Abschiebungen von verurteilten Straftätern und Arbeitsangeboten für Geflüchtete bestand. Den niedrigsten Wert erzielten Grenzkontrollen.
Von der Landesregierung fordern die Befragten Maßnahmen wie Betreuungsangebote und Sprachkurse, damit neu Zugezogene sich besser und schneller integrieren können. Gleichzeitig sollte ihrer Ansicht nach bei Straftaten konsequenter vorgegangen werden. Außerdem sollte es Migranten erleichtert werden, hier zu arbeiten. Zum Beispiel indem ausländische Qualifikationen anerkannt und Arbeitserlaubnisse erteilt werden.
Ihre Perspektive im Programm Was Sie rund um die Landtagswahl in RLP bewegt
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