Der Bildungstrend des IQB wurde am Rande der Bildungsministerkonferenz in Berlin veröffentlicht. Knapp 50.000 Schülerinnen und Schüler wurden vom Institut im vergangenen Jahr getestet.
Mehr als jeder dritte Schüler (34 Prozent) verfehlt demnach in Mathematik den Mindeststandard für die mittlere Reife. Fast jeder zehnte (neun Prozent) für den ersten Schulabschluss (Hauptschulabschluss). In Rheinland-Pfalz haben Schüler vor allem in Mathematik und Physik Probleme.
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Mehr als ein Drittel unter Mittlere Reife-Niveau
Laut der IQB-Studie erreichten 37 Prozent der rheinland-pfälzischen Schülerinnen und Schüler den Mindeststandard für die mittlere Reife nicht, drei Prozentpunkte mehr als im Bundesdurchschnitt. In Physik sind es mit knapp 16 Prozent etwa ein Prozent mehr als im Schnitt.
Untersucht wurden die Leistungen der Neuntklässler in den Fächern Mathe, Biologie, Chemie und Physik. "Die Ergebnisse fallen in ganz Deutschland wenig erfreulich aus", heißt es in Bericht. In allen vier Fächern würden die Regelstandards seltener erreicht und die Mindeststandards häufiger verfehlt als bei den Vorgängerstudien 2012 und 2018.
Rheinland-Pfalz im Mittelfeld der Bundesländer
Verschlechtert haben sich demnach nicht nur die Leistungen von schwächeren Schülern oder Schülern mit Migrationshintergrund, sondern auch von denen, die einen höheren Abschluss anstreben, etwa an Gymnasien.
Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen schneiden besser ab, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland schlechter. Als besorgniserregend hoch bezeichnet die Studie den Anteil der Jugendlichen, die sich kaum für die untersuchten Fächer interessieren. In den Fächern Mathematik, Chemie und Physik liegt dieser Anteil jeweils bei 50 Prozent oder darüber, im Fach Biologie bei 43 Prozent.
Lehrer als Aushilfen in Naturwissenschaften und Mathe
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Vermehrt werden an vielen Schulen Lehrkräfte eingesetzt, die nicht über eine Lehrbefähigung in Mathe oder den naturwissenschaftlichen Fächern verfügen.
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An den nicht-gymnasialen Schulen liege die Zahl zwischen 14 und 21 Prozent. Auch unterrichteten viele, die als Quereinsteiger in den Beruf gekommen sind. In Rheinland-Pfalz ist der Anteil laut Bildungsministerium allerdings gering.
Corona, Krieg, Soziale Medien - viele Gründe für Bildungsschwäche
Die Gründe für das schlechte Abschneiden sind laut IQB-Studie vielfältig. Ein Faktor könnten auch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie sein. Zudem bereiteten aktuelle Krisen wie Kriege, Klimawandel und wirtschaftliche Unsicherheit vielen Jugendlichen Sorge. Auch die Nutzung sozialer Medien beeinträchtige die psychische Gesundheit, so die Forscher. Mit knapp 5 Prozent sei zudem der Anteil der Schüler und Schülerinnen mit Fluchtbiographie höher als in früheren Studien.
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Die Studie betont in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung einer verbesserten Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen mit geringen Deutschkenntnissen. Auch multiprofessionellen Teams komme im Schulalltag eine zentrale Rolle zu. Multiprofessionelle Teams an Schulen bestehen unter anderen aus Lehrkräften, Sozialarbeitern, Sonderpädagogen, Psychologen, Erziehern und Integrationshelfern.
Allerdings - so ein Fazit der Studie - könne die Schule nicht alle Probleme lösen. Es bedürfe unter anderem auch der Anstrengung von Familien, deren Umfeld und Kitas, der Kinder- und Jugendhilfe und der für die Lehrerausbildung zuständigen Universitäten und Einrichtungen.
Bildungsministerium: "Müssen noch mehr tun"
Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium betont auf Nachfrage, dass neben dem Ist-Zustand, der nicht zufriedenstellend sei, aus den Ergebnissen Fördermaßnahmen abgeleitet werden, um "einen Mehrwert für jedes Kind zu schaffen". Das soll mit datengestützter Schul- und Unterrichtsentwicklung gelingen, die Aussagen über Lernentwicklung, Potenziale und Fördermaßnahmen erlaube.
Bei den Ergebnissen gibt es nichts schön zu reden: Sie entsprechen auf Bundesebene und in Rheinland-Pfalz nicht dem, was wir für unsere Schülerinnen und Schüler und gemeinsam mit ihnen erreichen wollen.
Hauptproblem Bildungsarmut
Neben der Corona-Pandemie, die teilnehmende Jugendliche in einer empfindlichen Übergangsphase getroffen habe, sei besonders der sozioökonomische Status nach wie vor einer der stärksten Faktoren, die sich auf die schulischen Leistungen auswirke. Rheinland-Pfalz habe unter anderem in den Bereichen Kita-/Schulsozialarbeit, Familiengrundschulzentren, dem Startchancenprogramm, dem MINT-Programm und frühkindlicher Förderung vieles angegangen. "Diese Punkte brauchen jedoch Zeit, um ihre Wirkung entfalten zu können."