Badetote, Gewaltopfer, ungeklärte Todesfälle

Rechtsmedizin Mainz: Wie Obduktionen in Rheinland-Pfalz ablaufen

Das Institut der Universitätsmedizin Mainz obduziert Opfer von Gewalttaten und ungeklärte Todesfälle aus ganz Rheinland-Pfalz.

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Stand

Von Autor/in Susanne Weber

Opfer von Gewalttaten, Badetote oder ungeklärte Todesfälle: Auf den Seziertischen der Rechtsmedizin Mainz landet vieles. Das Institut der Universitätsmedizin Mainz ist das einzige rechtsmedizinische Institut in Rheinland-Pfalz und landesweit zuständig. Gut ein Dutzend Medizinerinnen und Mediziner obduzieren Leichen, erstellen Gutachten und übernehmen weitere Aufgaben. "Ich weiß morgens nicht, was der Tag bringt", sagt Institutsleiterin Tanja Germerott. Die Arbeit in der Rechtsmedizin sei abwechslungsreich - mal handwerklich, mal Denksport.

Tanja Germerott, Leiterin der Rechtsmedizin Mainz
Tanja Germerott, die Leiterin der Mainzer Rechtsmedizin Picture Alliance

In dem Gebäude in der Mainzer Oberstadt wurde 2025 auch die Leiche des mutmaßlichen Dreifachmörders von Weitefeld im Westerwald obduziert und identifiziert. Der 61-Jährige soll im April ein Ehepaar und deren 16 Jahre alten Sohn getötet haben. Vier Monate lang fehlte von ihm jede Spur, bis ein Zeuge die Leiche an einem Bach bei Weitefeld fand. Fachlich sei der Fall nicht außergewöhnlich gewesen, sagt Germerott - wegen der großen Aufmerksamkeit aber dennoch besonders.

Auch die Leiche der zwölfjährigen Luise aus Freudenberg im Siegerland wurde in der Rechtsmedizin Mainz obduziert. Der Fall hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Zwei Mädchen im Alter von zwölf und 13 Jahren hatten gestanden, Luise getötet zu haben. Weil sie nicht strafmündig waren, konnte es keinen Strafprozess geben, sondern nur ein Zivilverfahren über Schmerzensgeld.

Rechtsmedizin Mainz: "Wir sehen schon heftige Sachen"

Insgesamt gibt es in der Mainzer Rechtsmedizin drei Seziertische. Einer davon steht separat, was etwa bei Infektionsfällen praktisch sei, erklärt Germerott. Das habe sich während der Corona-Pandemie gezeigt, aber auch bei Fällen von Tuberkulose oder Meningitis.

Seziertische in der Mainzer Rechtsmedizin
Picture Alliance

Die Rechtsmediziner in Mainz haben es mit Unfallopfern oder Leichen zu tun, die lange unbemerkt in Wohnungen lagen. "Wir sehen schon heftige Sachen", sagt Germerott, die seit 2017 in Mainz arbeitet. Besonders traurig seien Fälle, in denen Menschen offenbar von niemandem vermisst wurden.

Neben den Seziertischen liegen Messer, Skalpelle, Rippenscheren und Sägen. Auch Hammer und Metallkeile gehören zur Ausstattung der Rechtsmedizin. Gearbeitet wird mit Schutzkleidung, Plastikschürzen, schnittfesten Handschuhen und Mundschutz.

Obduktion in Mainz kann bis zu acht Stunden dauern

Je nach Fall kann eine Obduktion in der Rechtsmedizin Mainz anderthalb bis acht Stunden dauern. Für die Identifizierung von Leichen spielen Tätowierungen, Narben oder eingesetzte Schrauben und Platten eine Rolle. Auch Fingerabdrücke, Zähne oder DNA helfen weiter. Sehr individuell seien zudem die Nasennebenhöhlen eines Menschen. Ob Nebenhöhlen oder Zähne, es braucht allerdings Vergleichsmaterial, wie frühere Röntgen- oder CT-Aufnahmen.

Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 fehlte dieses Material oft, weil viele Praxen zerstört worden waren. Vorübergehend wurde deshalb ein zweiter Standort in Koblenz eingerichtet. "Wir haben zwei Wochen durchgearbeitet", erinnert sich Germerott.

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Alltag in der Rechtsmedizin anders als im Fernsehkrimi

Der Alltag in der Rechtsmedizin sei längst nicht immer so spektakulär wie in Fernsehkrimis. Oft gehe es auch um Schreibtischarbeit und Gutachten. Dennoch könnten rechtsmedizinische Erkenntnisse entscheidend dafür sein, wie eine Tat oder ein Unfall bewertet wird - auch vor Gericht. So könne die Lage eines Blutergusses Hinweise darauf geben, ob jemand gestürzt ist oder nicht.

Die Rechtsmediziner suchen nach Projektilen, untersuchen mögliche Behandlungsfehler und obduzieren im Schnitt ein bis zwei Opfer von Tötungsdelikten pro Monat. Insgesamt waren es 2025 rund 700 Obduktionen.

"Ein Stück weit Saisonarbeit"

Seit 2021 verfügt das Institut der Universitätsmedizin Mainz über einen eigenen Computertomografen. Vor einer Obduktion wird meist ein Ganzkörper-Scan gemacht. Damit lassen sich etwa Projektile, Metallfragmente oder Knochenbrüche schneller erkennen.

Auch Jahreszeiten spielen in der Rechtsmedizin eine Rolle: Im Frühjahr gibt es mehr tote Motorradfahrer, im Hochsommer mehr Badetote. Bei Hitze häufen sich zudem Leichen mit Insektenbefall. Die Art der Insekten könne Hinweise darauf geben, wie lange jemand tot ist und ob der Fundort auch der Tatort war. "Ein Stückweit ist es Saisonarbeit", sagt Germerott.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Susanne Weber
Bild von Susanne Weber, Redakteurin bei SWR Aktuell in Rheinland-Pfalz
Audiobeitrag
Ingrid Reitenbach
SWR Aktuell, Logo

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