Welche Folgen zu warmes Wasser hat, zeigt sich schon jetzt in kleinen Gewässern. Der Angelweiher in Gensingen im Kreis Mainz-Bingen ist mittlerweile 33 Grad warm. Einige Fische sind tot.
Ökosystem in Gefahr
"Fische sind wechselwarme Tiere", sagt Rainer Michalski vom NABU Rheinhessen-Nahe. "Das bedeutet, der Stoffwechsel arbeitet umso schneller, je wärmer es ist.
Deswegen brauchen die Fische dann mehr Sauerstoff." Das Problem: In warmem Wasser sinkt der Sauerstoffgehalt. "Für viele Fischarten ist das wirklich kritisch."
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Fische suchen Schatten, kommen aber nicht hin
Der Rhein ist mit 27,9 Grad Wassertemperatur, gemessen in Mainz, noch etwas kühler, aber auch hier sinkt der Sauerstoffgehalt. Im Rhein ist der Sauerstoffegehalt noch nicht so bedenklich, wie an der Obermosel. Hier liegt die Sauerstoffkonzentration laut Umweltministerium mit 2,6mg/l bereits unter der für Fische kritischen Marke von 3mg/l.
Dazu kommt noch: Der Wasserstand sinkt. "Fische halten sich eigentlich auch gerne mal in Ufernähe im Schatten von Bäumen auf. Bei Niedrigwasser im Rhein geht das nicht", so Michalski. Und auch für Wasservögel und andere Lebewesen bedeutet Wärme Stress.
Einleiten von Abwasser erwärmt den Rhein
Wenn bei niedrigem Wasserstand noch Abwasser in den Rhein eingeleitet wird, zum Beispiel aus Kläranlagen, nimmt laut NABU auch der Schadstoffgehalt im Wasser zu. Dadurch würden Fische krank, sagt Rainer Michalski.
Blaulagen mögen das warme Wasser
Und auch die giftigen Blaualgen können sich bei hohen Wassertemperaturen und steigender Schadstoffbelastung gut vermehren, sagt Rainer Michalski. Sein Kollege Bardo Petry bringt es auf den Punkt: "Das ganze Ökosystem ist dadurch in Gefahr."
Warnstufen für die Industrie
Wegen der hohen Wassertemperaturen in den Flüssen hat das rheinland-pfälzische Umweltministerium am Freitag Warnstufe 2 ausgerufen.
Stufe 1 bedeutet, dass Unternehmen, die Wärme in die Flüsse einleiten, prüfen müssen, wie sie die Mengen reduzieren können. Zum Beispiel dadurch, dass sie das Abwasser auf anderen Wegen kühlen. Mit Stufe 2 wachsen die Einschränkungen. Die Unternehmen müssen nun außerdem täglich den Behörden über die entnommene Wassermenge berichten.
Rheinwasser treibt Turbinen an
Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden produzieren unter anderem Strom, Fernwärme und betreiben ein Müllheizkraftwerk. Das Unternehmen benötigt rund 80.000 Kubikmeter Rhein-Wasser pro Stunde, um all seine Turbinen zu kühlen.
Die Temperatur wird streng kontrolliert, bevor dieses Wasser wieder größtenteils in den Rhein zurückgeleitet wird. Das Unternehmen muss sich dabei an Grenzwerte halten.
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Ab 28 Grad gelten strengere Regeln
Erreicht der Rhein eine Temperatur von 28 Grad im Tagesmittel, kann es sein, dass die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden ihren Betrieb reduzieren oder teilweise einstellen müssen, so eine Sprecherin der Kraftwerke. Man könne aber jederzeit auf das Blockheizkraftwerk zurückgreifen - das arbeite ganz ohne Kühlwasser.
Rheinwasser wird von Unternehmen auch gekühlt
Auch die Chemische Fabrik in Budenheim im Kreis Mainz-Bingen müsste bei einer Wassertemperatur von 28 Grad oder mehr Produktionsanlagen, die viel Energie brauchen, zeitweise herunterfahren. Aktuell sei das aber noch nicht nötig.
Man kühle das Rheinwasser teilweise mit eigenem Brunnenwasser herunter und leite es kälter wieder zurück, als es entnommen wurde, heißt es vom Unternehmen.
Warnstufe 2 nicht zum ersten Mal erreicht
Schon in den Sommern 2018, 2019, 2022 und 2025 wurde die Stufe 2, im Jahr 2018 auch Stufe 3 ausgerufen. In Folge dessen mussten nach Angaben des Ministeriums einige Firmen wochenlang vor allem ihre Produktionen mit hohem Kühlwasserbedarf stark einschränken und auf Alternativen zurückgreifen.