Es ist Nachmittag, als bei Stefan Schramm am Samstag der Alarm losgeht. Er ist Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Sprendlingen. Das Einsatzstichwort lautete "Flächenbrand groß", erzählt er. Aber schon als er sein Haus verlässt, habe er die große, tiefschwarze Rauchsäule am Himmel gesehen und gewusst, "das wird größer und kräftezehrend".
Feuerwehreinsatz unter extremen Bedingungen
Bei dem Feuer in Welgesheim brannten am Wochenende rund 100 Tonnen Restmüll. Das Feuer griff auf eine Lagerhalle über. Draußen war es brütend heiß und der Wind drehte immer wieder die Richtung. Ein Einsatz, der Schramm und seinen Kameradinnen und Kameraden viel abverlangt hat.
Die Hitze komme von allen Seiten und die mehrschichtige schwere Schutzmontur sei die gleiche wie auch im Winter, erzählt Schramm. Da komme man stark ins Schwitzen.
Der Schweiß läuft einem runter, rennt in die Augen. Bis zu fünf Liter Schweiß verliert man bei so einem Einsatz.
Erst nach rund 16 Stunden konnte am Wochenende "Feuer aus" gemeldet werden. Die Bilanz: Etwa 300 Personen waren wegen des Feuers im Einsatz. 13 Einsatzkräfte wurden bei dem Brand verletzt. Zwei durch einen geplatzten Schlauch, die elf weiteren Verletzten erlitten Kreislaufprobleme und Probleme durch Rauchgas. Unter ihnen war auch Stefan Schramm.
Hitze belastet Einsatzkräfte
Zuerst habe er gar nicht gemerkt, dass er auch verletzt war. "Man macht sich Gedanken um seine Leute und bekommt das erst so richtig nach dem Einsatz mit", erzählt er. Man versuche immer auf seine Mannschaft zu achten und weniger auf sich.
Als er seinen Trupp zur Kontrolle schickt, wird auch er kontrolliert. Das Ergebnis: erhöhte Kohlenstoffmonoxid-Werte im Blut. Trotz Maske, Filter und besonderer Vorsicht. Er bekommt Infusionen und muss kurzzeitig auch ins Krankenhaus.
Feuerwehr bedeutet helfen, aber auch Risiko
Ein Gefühl, das Schramm nur schwer beschreiben kann. "Jetzt liegst du da und musst geholfen bekommen. Man denkt dann direkt an die Familie und an die Kameradinnen und Kameraden vor Ort." Dass Feuerwehrleute jederzeit ein großes Risiko eingehen, sei ihm aber bewusst. "Du willst ja helfen. Sonst würden wir es nicht machen."
Brand auf Recyclinghöfen besonders anspruchsvoll
Einsätze auf einem Recyclinghof seien immer besonders anspruchsvoll, sagt Stefan Schramm. "Du weißt nicht: Was brennt denn hier eigentlich genau. Es ist immer dreckig und stinkt." Die Ermittler gehen in Welgesheim nicht von Brandstiftung oder einem technischen Defekt aus. Es sei wahrscheinlich, dass etwas im Müllhaufen selbst das Feuer auslöste. Was genau, lasse sich nicht mehr klären.
Zuletzt hatte es aber in Rheinhessen immer wieder wegen falsch entsorgter Akkus auf solchen Anlagen gebrannt. "Das macht einen schon auch sauer. Und man ärgert sich, weil da viel dranhängt", so der Feuerwehrmann. Ein Einsatz wie der kräftezehrende Großbrand am Samstag in Welgesheim sei nämlich nicht mit dem Stichwort "Feuer aus" beendet. "Für uns heißt das immer auch: Geräte putzen, Monturen einsatzbereit machen. Wir müssen schnellstmöglich wieder startklar sein". Denn der nächste Einsatz kommt bestimmt. Besonders, wenn es draußen so heiß ist wie aktuell.