Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Viele Frauen haben inzwischen gute Heilungschancen. Doch es gibt noch immer einen sehr aggressiven Brustkrebs, der bislang kaum zu heilen ist. Das ist der triple-negativ Brustkrebs.
Hierzu forscht an der Unimedizin Mainz Prof. Dr. Marcus Schmidt. Nun hat er als Co-Autor in "Nature" die Ergebnisse einer kleinen Studie veröffentlichen können. "Nature" ist eine angesehene wissenschaftliche Fachzeitschrift.
Maßgeschneiderter Impfstoff bei aggressivem Brustkrebs
Die Idee des Forscherteams: Impfstoffe werden für jede Patientin individuell angepasst. Entsprechend wird zunächst der jeweilige Tumor einer Patientin genau angeschaut. Dann wird eine dazu passende mRNA-Impfung entwickelt.
Im Blick hatten die Forscher für diese Studie ausschließlich Patientinnen mit dem aggressiven triple-negativen Brustkrebs. Barbara Weiler ist eine der Studienteilnehmerinnen. Sie bekam 2016 genau diese Diagnose. Es folgten Chemotherapie und Bestrahlung. Etliche dieser Patientinnen erleiden einen Rückfall und genau für diese Fälle suchte der Mainzer Mediziner Schmidt eine Lösung.
Diese erste Studie war klein angelegt, nur 14 Patientinnen konnten teilnehmen. Barbara Weiler bekam zunächst mehrfach eine Standardimpfung, bevor ihr achtmal der personalisierte Impfstoff verabreicht wurde.
BioNTech legte Grundstein für mRNA-Impfstoffe
Die Mainzer Firma BioNTech hatte schon vor vielen Jahren die Grundlage für mRNA-Impfstoffe generell gelegt - aus der Corona-Zeit ist der breiten Bevölkerung diese Impfstoff-Art ein Begriff.
Mittlerweile hat sich BioNTech in der Krebsforschung auf andere Krebsarten spezialisiert. Der Mainzer Mediziner Schmidt blieb aber dran und forschte weiter zur Immuntherapie gegen die Rückfälle bei triple-negativem Brustkrebs. Die Ergebnisse der Studie bestätigen den Ansatz, der Forscher wurde mit der Publikation seines Artikels in der renommierten Nature "belohnt".
Es ist machbar und die Nebenwirkungen sind beherrschbar.
Schmidt resümiert zu seiner Forschung: "Grundsätzlich können wir sehen, und das war eigentlich das Ziel der Studie: Es ist machbar. Die Nebenwirkungen sind sehr beherrschbar und wir können eine starke Immunreaktion bei nahezu allen Patienten auslösen."
Eine Einschätzung, die die Leiterin der Klinik für Frauengesundheit an der Uniklinik Mainz, Prof. Dr. Annette Hasenburg, teilt: "Wir wissen, dass dieser Ansatz wirkt und dass wir von hier aus weitergehen können, vielleicht auch für andere Karzinome." Es sei ein guter neuer Weg, Frauen Hoffnung zu geben, die einen ziemlich bösartigen Brustkrebs haben.
Große Studie im Kampf gegen Brustkrebs erforderlich
Man wolle keine unrealistischen Hoffnungen wecken, sagt Forscher Schmidt. Jetzt müsse man den nächsten Schritt gehen. Dafür brauche es eine randomisierte Studie. Bei einer solchen Studie wird nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, welche Person eine zu erforschende Therapie verabreicht bekommt und wer ein Placebo oder eine Standardtherapie bekommt. "Erst dann kann es in Richtung Zulassung gehen und erst dann kann man guten Gewissens sagen, jawohl, das nutzt den Patienten wirklich etwas", sagt Mediziner Schmidt.
Geld, Zeit, Ideen und kluge Köpfe gefragt
Für eine solche großangelegte Studie braucht es laut Hasenburg Geld, Ideen, die mRNA-Plattform von BioNTech, kluge Köpfe und Zeit.
Es ist also noch ein weiter Weg, bis im besten Fall eine Therapie für alle Patientinnen auf dem Markt verfügbar ist. Für Barbara Weiler war die Studien-Teilnahme ein Glücksfall. Sie ist seit acht Jahren beschwerdefrei und gilt mittlerweile als krebsfrei, wie ihr beim jüngsten Termin in der Frauenklinik in Mainz bestätigt wurde.