Projekt der "Gefühlshelden"

Graffiti-Aktion in Mainz: Krebskranke Kinder verschönern Stromkästen

Fröhliche Stunden für kranke Kinder: In Mainz durften krebskranke Kinder Stromkästen mit Graffiti besprühen. Aktionen wie diese sollen ihnen helfen, mit der Krankheit umzugehen.

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Von Autor/in Mailin Engels

Bunt und ausgelassen geht es am Mittwochnachmittag auf dem Gelände der Mainzer Unimedizin zu: Kistenweise Spraydosen mit Farben von neonpink bis giftgrün stehen hier, Kinder mit Farbflecken auf den T-Shirts wuseln herum und immer wieder ist das Klickern beim Schütteln der Dosen zu hören - hier werden Graffitis gesprüht. 

Ob Tiger, Weltall oder Pferde - die Kinder dürfen sich aussuchen, welches Motiv und welche Farbe ihr Kunstwerk haben soll. Als Leinwand dienen vier Stromkästen, die um das Unimedizin-Gelände herum stehen.

Krebskranke Kinder sollen gestärkt werden

Es sind besondere Kinder, die hier am Werk sind: Sie sind an Krebs erkrankt. Die Graffiti-Aktion ist Teil eines Projekts der Kinderkrebshilfe Mainz. Bei den "Gefühlshelden" sollen krebskranke Kinder lernen mit ihrer Krankheit umzugehen und Resilienz, also Widerstandskraft, aufzubauen. Dazu gehören auch kreative Aktionen wie das Graffiti-Sprühen. Dabei können sie Freunde oder Geschwister mitnehmen. 

Gefühle an Kunst "rauslassen"

Der 11-jährige Leon von Parys ist seit drei Monaten bei den "Gefühlshelden". Das Projekt hilft ihm mit seiner Krankheit umzugehen. "Wir sprechen die ganze Zeit über Gefühle und wie wir diese Gefühle überwinden." 

Ich wusste zuerst nicht, was Krebs ist. Ich dachte einfach, deine Haare fallen aus, dir geht’s nicht gut, du bleibst zuhause. Aber das ist leider nicht so.

Besonders helfe ihm dabei die Kunst. Da könne er Emotionen wie Angst oder Wut "rauslassen". Zuletzt habe er ein Bild mit verschiedenen Wegen gemalt und sich eine Geschichte ausgedacht: "Es gibt immer Wege, nur man findet sie nicht immer. Aber man weiß, dass es überall Wege gibt, und du wirst sie irgendwie schaffen", erzählt er. 

Den Krebs für einen Augenblick vergessen

Durch die Graffiti-Aktion kann Leon seine Krankheit für einen Augenblick vergessen. "Man fühlt sich einfach so frei, man kann alles machen, was man will, und kann alle Motive machen und einfach rumsprühen!" 

Durch die Diagnose Krebs ist der Alltag der Kinder strikt vorgegeben: Krankenhausaufenthalte, Chemotherapie, viele Regeln. In dem Projekt sollen die Kinder lernen, selbst zu bestimmen. "Durch solche Aktionen entsteht auch ein Gefühl der Selbstwirksamkeit", betont Psychotherapeutin Theresa Lask. Sie begleitet die Projektgruppe und weiß, warum es den Kindern guttut, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen. "Hier können die Kinder das ausleben, was sie tun wollen und müssen nicht Dinge über sich ergehen lassen. Uns ist wichtig, dass die Kinder entscheiden, was wir machen."

Drei Kinder hocken vor einem Stromkasten. Dieser ist grün und hat einen orange-schwarzen Tigerkopf vorne drauf.
Beim Sprühen können die Kinder eine Zeit lang vergessen, dass sie krank sind. Mailin Engels

Vier bunte Stromkästen schmücken jetzt die Straße 

Die Stromkästen haben die Mainzer Stadtwerke für das Projekt zur Verfügung gestellt. Leon hofft, dass die frisch besprühten Stromkästen von vielen gesehen werden: "Das finde ich schon sehr cool, weil wir dann kleine Berühmtheiten werden und jeder unsere Sachen sieht." 

Und seine Geschichte will er ebenfalls mit anderen teilen. Und so anderen krebskranken Kindern Mut zusprechen: "Das hilft denen vielleicht auch, dass man dann stark sein soll und man sich durchkämpfen soll."

Projekt durch SWR-Herzenssache ermöglicht

Dass die Kinderkrebshilfe Mainz die Projektgruppe "Gefühlshelden" überhaupt anbieten kann, ist nur durch die finanzielle Unterstützung der SWR-Kinderhilfsaktion Herzenssache möglich.  

Rebecca Roth von der Herzenssache war bei der Aktion vor Ort und betont, wie wichtig es ist, solche Projekte zu ermöglichen: "Wenn man die Diagnose Krebs bekommt, dann ist das ein Schock für die ganze Familie. Und jetzt erleben wir, wie die Kinder hier so aufblühen. Das ist einfach super schön mitzuerleben, denn das ist genau diese kindliche Leichtigkeit, die wir bei den Kindern hervorholen möchten."