Jana Lindner-Werth arbeitet schon seit siebzehn Jahren im Mercure Hotel in Mainz. Die Direktionsassistentin und ihr Team haben mit der neuen Bettensteuer in Mainz so viel zu tun wie noch nie, erzählt sie: "Wir müssen in unserem Hotelsystem in jede einzelne Reservierung reingehen, um zu schauen: Ist die Buchung abgabepflichtig?" Und wenn sie das sei, gehe die große Rechnerei los.
Komplizierte Bettensteuer macht viel Extra-Arbeit
Vor allem zwei Faktoren der Mainzer Bettensteuer würden das Ganze kompliziert machen. Zum einen eine Übergangsregelung: Wer schon vor dem 1. Mai eine Übernachtung bis Ende März 2027 gebucht hat, muss dafür noch keine Bettensteuer zahlen. Zum anderen die Staffelung: die Höhe der Abgabe liegt zwischen zwei und fünf Euro und hängt vom Preis des Hotelzimmers ab.
"Wenn ein Gast mehrere Tage bei uns ist und sich der Zimmerpreis während des Aufenthaltes ändert, sind vielleicht auch unterschiedliche Abgaben fällig", erklärt Lindner-Werth. "Viele Gäste buchen mit Frühstück, das müssen wir auch erst noch rausrechnen." Hinzu komme noch die Personenzahl im Zimmer: "Bei einer Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern müssen wir das Ganze noch durch vier teilen."
Manuelles Berechnen statt Automatismus
Erst dann wüssten sie: Für diese Nacht, dieses Zimmer und diese Person muss diese Bettensteuer gezahlt werden. Das Buchungssystem im Mercure Hotel Mainz könne das alles leider nicht automatisch erkennen.
Deswegen sitzen Jana Lindner-Werth und ihre Kolleginnen und Kollegen mittlerweile jeden Tag immer wieder zwischendurch am Computer, prüfen die Buchungen und dokumentieren die Bettensteuer in Excel-Tabellen. "Das ist schon ein hoher Zeitaufwand."
Hoteldirektor kritisiert Bürokratie
Der Hoteldirektor Jürgen Axel würde sich wünschen, dass die Stadt Mainz diese Staffelung der Bettensteuer nochmal überdenkt.
Es wird von der Politik immer geäußert, dass man Bürokratie abbauen will. In dem Fall hat man uns wirklich zugeschüttet mit Verwaltungsaufgaben.
In vielen anderen Städten sei es einfacher: "Da gibt es einen Satz von X Prozent pro Übernachtung und Person oder einen festen Betrag, 3 oder 4 Euro pro Person."
Was, wenn Gäste Abgabe nicht zahlen?
Bei allem Aufwand lobt der Hoteldirektor aber auch, dass die Stadt der Mainzer Hotelbranche bei der Ausgestaltung der Bettensteuer in einigen Punkten entgegengekommen sei. Zum Beispiel hätten sie ihre Zimmerpreise nicht verändern müssen, weil die Abgabe draufgerechnet werden könne.
Es wurde festgelegt, dass nicht die Hotels, sondern die Gäste der Stadt Mainz die Bettensteuer schulden. Ein wichtiges Detail, betont Jürgen Axel: "Wir hatten in den letzten vier Wochen noch nicht den Fall, dass jemand gesagt hat: Ich zahl das nicht. Aber wenn dieser Fall eintreten sollte, würden wir das melden und dann obliegt es der Stadt, wie sie den Betrag einzieht."
Steuer zum 1. Juli geplant Bettensteuer in Mainz: 5 Euro mehr pro Nacht
Die Stadt Mainz will ihre klamme Kasse ausbessern und will Hotelgäste zur Kasse bitten: Die Bettensteuer soll zum 1. Juli kommen.
Bettensteuer: Hotelgäste in Mainz bislang entspannt
Bisher hätten sich die Gäste aber kaum beschwert über die neue Mainzer Bettensteuer. Die meisten hätten offenbar kein Problem damit und würden das von andernorts schon kennen.
"Ich bin viel unterwegs, deswegen ist es für mich üblich, dass ich überall irgendeine Taxe zahlen muss", bestätigt ein Gast in der Hotellobby. Und ein anderer fügt hinzu: "Es hat Einzug erhalten in fast allen großen Städten. Den Beitrag zahl ich gerne, wenn er der Stadt zugute kommt."
Das macht die Stadt Mainz mit der Bettensteuer
Bis zu vier Millionen Euro jährlich will die Stadt Mainz mit der neuen Bettensteuer einnehmen. Damit will sie die Haushaltskasse füllen und zum Beispiel Kulturangebote finanzieren. Ein Teil des Geldes soll auch wieder in den Tourismus fließen. Davon würden sie am Ende auch profitieren, findet der Hoteldirektor.
Und auch der Austausch mit der Stadt sei mittlerweile besser. Es gebe für sie nun feste Ansprechpartner in der Verwaltung bei Rückfragen und Problemen rund um die Bettensteuer – und auch ein extra Webportal mit Informationen.
Hotels zwischen Akzeptanz und Ärger
Gegen die Mainzer Bettensteuer im Allgemeinen habe er auch nichts, sagt Jürgen Axel. Er könne die Gründe für die Einführung nachvollziehen: "Es ist sicherlich auch ein gewisser Druck da gewesen, dass die Stadt das machen musste. Dafür haben wir Verständnis, dafür arbeiten wir auch mit der Stadt zusammen."
Allerdings blieben der Knackpunkt die gestaffelten Beträge der Bettensteuer und der damit verbundene Verwaltungsaufwand. Wenn der sich reduzieren ließe, würde sich auch Jana Lindner-Werth freuen – damit sie und das Hotel-Team sich wieder mehr ihren Gästen widmen können und weniger den Excel-Tabellen am Computer.