Diskussion um Würdigung

Nazi-Vergangenheit: Gemeinde streicht Ehrenschild für Ex-Bürgermeister

18 Jahre lang war Ernst Ludwig Pies während der Nazi-Herrschaft Bürgermeister von Langenlonsheim. Während dieser Zeit ist er in die NSDAP eingetreten und hat durch sein Amt die politische Arbeit der Partei vor Ort unterstützt.

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Stand

Von Autor/in Vanessa Siemers

Viele Jahre lang hing unter dem Straßennamen "Ernst-Ludwig-Straße" das Zusatzschild "Gemeindevorsteher Pies". Damit sollte der frühere Bürgermeister Ernst Ludwig Pies besonders gewürdigt werden. Seit wenigen Wochen gehört diese Würdigung jedoch der Vergangenheit an.

Der Ortsverein der SPD Langenlonsheim-Laubenheim und die Ortsgruppe der Grünen in Langenlonsheim haben sich gemeinsam dafür eingesetzt, dass das Zusatzschild entfernt wird. Mit Erfolg: Die Mehrheit des Gemeinderates folgte dem Antrag.

Die Straße in Langenlonsheim wurde nach dem ehemaligen Bürgermeister (1924 - 1942) Ernst Ludwig Pies benannt. Er trat am 1. Dezember 1930 in die NSDAP ein.
Die Straße in Langenlonsheim wurde nach dem ehemaligen Bürgermeister (1924 - 1942) Ernst Ludwig Pies benannt. Er trat am 1. Dezember 1930 in die NSDAP ein. Ortsgruppe der Grünen Langenlonsheim

Ehemaliger Bürgermeister soll Nazi gewesen sein

Ernst Ludwig Pies war von 1924 bis 1942 Bürgermeister von Langenlonsheim. Nach den vorliegenden historischen Erkenntnissen soll er laut SPD am 1. Dezember 1930 der NSDAP beigetreten sein und damit zu den ersten sechs NSDAP-Mitgliedern mit Bezug zu Langenlonsheim gehört haben.

Außerdem soll er an der Gründung der NSDAP-Ortsgruppe in Langenlonsheim beteiligt gewesen sein. Ab 1932 soll er zudem über mehrere Wahlperioden dem Berliner Reichstag angehört haben.

Würdigung wird Nazi-Bürgermeister aberkannt

Aufgrund dieses historischen Hintergrundes haben sich die SPD und die Grünen dafür eingesetzt, dass das Zusatzschild entfernt wird. "Er war NSDAP-Mitglied und Reichstagsabgeordneter […]. Eine ausdrückliche Ehrung durch ein ergänzendes Schild an einer Straße halten wir deshalb für nicht vertretbar," sagt Christian Wiegand, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Langenlonsheim-Laubenheim.

Grünen wollen Straßennamen ändern lassen

Den Grünen geht das aber nicht weit genug. Sie fordern, dass auch der Straßenname noch geändert wird. "So sehr wir uns über die Entfernung des Schildes freuen: Damit ist es für uns nicht getan. Ein Straßenname ist eine Ehrung", heißt es von Seiten der Grünen.

Deshalb treten wir auch weiter dafür ein, die Ernst-Ludwig-Straße umzubenennen.

Wie Roland Bonaventura dem SWR mitteilt, fordern die Grünen schon seit Jahren, dass die Straße umbenannt wird. Alle bisherigen Anträge seien aber erfolglos geblieben. "Bei der letzten Gemeinderatssitzung habe man sich nun immerhin darauf geeinigt, dass das Zusatzschild wegkomme," so Bonaventura.

Anwohner könnten unter Straßenumbenennung leiden

Die SPD will das Thema einer Umbenennung nach eigner Aussage vorerst nicht erneut aufgreifen. "Eine Straßenumbenennung hätte weitreichende Folgen für die Anwohnerinnen und Anwohner", sagt Christian Wiegand. "Sie müssten dann überall ihre Anschrift ändern."

Für die Ortsgruppe der SPD habe an erster Stelle gestanden, dass die Ehrung von Ernst Ludwig Pies im öffentlichen Raum entfernt wird. "Eine historische Einordnung kann und sollte gegebenenfalls an anderer Stelle erfolgen", so Christian Wiegand.

Proteste der Anwohner gegen Umbenennung

Wie der Bürgermeister von Langenlonsheim, Bernhard Wolf, (Freie Liste Langenlonsheim) bestätigt, wird das Thema schon sehr lange diskutiert. Allerdings hätten auch einige Anwohnerinnen und Anwohner gegen die Umbenennung der Straße protestiert.

Bei diesem Antrag habe das nicht im Raum gestanden, so Wolf. Dieses Mal sei es lediglich um das Entfernen des Zusatzschildes gegangen. Deswegen habe sich auch eine Mehrheit gefunden, die dem Antrag unterstützt habe.

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Vanessa Siemers
SWR-Redakteurin Vanessa Siemers

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