In einer politischen Auseinandersetzung jemanden als "Nazi" zu bezeichnen heißt ja: Mit dir rede ich nicht. Ich setze mich nicht auseinander. [...] Wir brauchen in einer Demokratie die politische Auseinandersetzung.
Historikerin Heike B. Görtemaker gehört zu den profilierten Expertinnen für die Geschichte des Nationalsozialismus. Sie hat sich in zahlreichen Veröffentlichungen mit den Menschen, Machtstrukturen und gesellschaftlichen Zusammenhängen dieser Zeit beschäftigt, bekannte Erzählungen kritisch überprüft und neue Perspektiven auf historische Entwicklungen eröffnet.
Die Nazis waren von Anfang an nicht nur extrem nationalistisch, antidemokratisch, antisemitisch, sondern auch eine verbrecherische Organisation. Sie haben politische Gegner verprügelt, getötet.
Autorin Stefanie Wally | 2.1.2025 Ein Denkmal für die Frauen der Weltkriegs-Generation
Demokratie, Menschenrechte und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg: Autorin Stefanie Wally erzählt über große politische und gesellschaftliche Umbrüche am Beispiel ihrer Großmutter.
Bekannt wurde Görtemaker durch ihre Biographie von Hitlers Ehefrau Eva Braun, die in 18 Sprachen übersetzt wurde, ihr Buch "Hitlers Hofstaat" und zahlreiche Auftritte im TV. Aktuell arbeitet sie an einem Werk über die Rolle und Verantwortung der Regisseurin Leni Riefenstahl.
Vergleiche mit Weimarer Republik und Nationalsozialismus
Immer wieder wird davor gewarnt, dass sich Geschichte wiederholen könnte. Aktuelle Krisen, politische Konflikte und Angriffe auf die Demokratie werden mit den Problemen der Weimarer Republik verglichen.
Geschichte wiederholt sich nie. Aber es ist menschlich, Vergleiche anzustellen.
Parlamentsdebatten 1931 bis 1933 Der Reichstag vor Hitler
Die Weimarer Republik war die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland. In bisher unveröffentlichten Tonaufnahmen der Parlamentsdebatten wird ihr Scheitern erfahrbar.
Rechtsradikale und Rechtspopulisten werden immer wieder "Nazis" genannt. Zuletzt hatte der neue Co-Chef der Partei DIE LINKE, Luigi Pantisano, in einem Interview mit der BILD gesagt, die CDU unterscheide sich nicht von Faschisten. Für diese Aussage erntete er viel Kritik, auch aus der eigenen Partei. Luigi Pantisano selbst nannte seine Aussage daraufhin "falsch" und "verkürzt".
Görtemaker macht in SWR1 Leute auf einen wichtigen Unterschied zwischen dem von Benito Mussolini angeführten italienischen Faschismus und dem Nationalsozialismus in Deutschland aufmerksam. Heute werde der Begriff Faschismus als Synonym für Rechtsextremismus verwendet. Schon die Nationalsozialisten wollten sich damals nicht mit den italienischen Faschisten vergleichen lassen:
Goebbels hat diesen Vergleich weit von sich gewiesen und einmal gesagt: Sie nennen uns Faschisten, aber wir sind viel schlimmer. Damit hatte er recht: Im Faschismus gab es keinen völkischen Rassismus, nicht das Ziel, jüdische Mitbürger zu entrechten und zu verfolgen, zu ermorden, zu deportieren und in Vernichtungslager massenhaft zu ermorden. [...] Einen Faschismus auf deutschem Boden hat es nie gegeben – einen Nationalsozialismus hat es gegeben.