Etwa 300 Nester haben die unter Naturschutz stehenden Saatkrähen in der Alzeyer Bahnhofstraße gebaut und besiedelt - Tendenz steigend. Warum es dort so attraktiv für die Vögel ist? Das Nahrungsangebot ist in der Stadt größer als auf dem Land: "Da liegen viele Essensreste herum, alte Döner zum Beispiel", erklärt Naturschützerin Manuela Reuner vom Naturschutzbund Rheinhessen (NABU).
Die Folge: Stark mit Vogelkot verschmutzte Gehwege. "Es gibt sogar Geschichten, dass Anwohner von Kot im Kaffee berichtet haben, als sie auf der Terrasse saßen", sagt ein Sprecher der Stadt Alzey.
Viele junge Krähen fallen wegen der Hitze vom Baum
Die Hitze dieses Jahr hat auch dazu geführt, dass viele Jungvögel aus ihren Nestern fallen, so Reuner. Wenn sie mit Essensresten gefüttert werden, würden sie umso mehr dehydrieren. Einige heruntergefallene Jungvögel seien sogar von Fußgängern totgetreten worden. Immer wieder waren Naturschützer vor Ort, um sich um die Jungtiere zu kümmern.
Kot und Jungvögel werden vom Bauhof Alzey entsorgt
Auch für die Stadt ist die Situation eine Herausforderung. Während der Brutzeit im Mai und Juni seien Mitarbeiter des Bauhofs mehrmals pro Woche in der Bahnhofstraße gewesen, um "das Gröbste" zu beseitigen - in Schutzausrüstung. Auch die toten Jungvögel müssten entsorgt werden. "Es ist für die Mitarbeiter des Bauhofs wirklich äußerst unangenehm, wenngleich auch notwendig", so ein Sprecher der Stadt Alzey. "Die Situation ist untragbar."
Stadt Alzey sucht nach einer Lösung
Klar ist: Eine Lösung muss her. Bloß welche? Die Stadt Alzey hat einen Plan: Die Bäume sollen im Herbst massiv zurückgeschnitten werden. Bevor im Frühjahr die nächste Brutzeit beginnt, sollen weitere Vergrämungsmaßnahmen folgen. Doch dafür benötigt die Stadt eine Sondergenehmigung der Behörde SGD Süd. Der Antrag läuft.
Bussarde vertreiben erfolgreich Krähen auf dem Mainzer Lerchenberg
Lange waren sie eine Plage für viele Menschen auf dem Mainzer Lerchenberg, jetzt hat man sie im Griff: Hunderte Krähen wurden in Mainz erfolgreich durch Bussarde vergrämt.
Vergrämung der Krähen kann auch negativen Effekt haben
Laut SGD Süd soll es nochmal einen Vor-Ort-Termin geben, bevor später im Jahr eine Entscheidung fallen soll. Allerdings könne eine Vergrämung auch dazu führen, dass das Problem größer wird: "Im besiedelten Bereich ist immer damit zu rechnen, dass sich eine vergrämte Kolonie in mehrere Splitterkolonien in unmittelbarer Nähe um den alten Standort aufspaltet", heißt es.
NABU möchte Krähen umsiedeln
Der NABU zweifelt, ob ein massiver Baumrückschnitt in Zeiten des Klimawandels die richtige Lösung ist. Der Naturschutzbund hat andere Vorschläge: Erstmal müsste man die Nahrungsflugrouten der Vögel genau beobachten und dann ihre Nester in geeignete Bäume entlang der Route umsiedeln - außerhalb der Stadt.
Infotafeln für Fußgänger und Baumwindeln könnten helfen
Außerdem schlägt der NABU vor, in der Bahnhofstraße Informationstafeln für die Fußgänger aufzustellen - Essensreste müssten konsequenter weggeräumt werden. Vielleicht lohnt sich auch ein Blick nach Kaiserslautern, schlägt der NABU vor: Dort wird bei einem Baum mit einer "Baumwindel" experimentiert. Das sind Sonnensegel, die den Krähenkot auffangen. Sind sie Richtung Baumstamm gespannt, kann der Regen den Kot dort wieder herunterspülen und im besten Fall wird der Baum damit gedüngt.
Die Stadtverwaltung Alzey hat Zweifel an einer Umsiedlung der Kolonie und auch an dem Konzept "Baumwindel". Dafür sei die Krähenkolonie zu groß. Aber sie prüfe alle Optionen. Und hofft auf die Genehmigung der SGD Süd. Denn "die Situation des Frühjahrs 2026 darf sich nicht wiederholen", so ein Sprecher der Stadt.