Ist das Geld in Deutschland gerecht verteilt? Unter dieser Frage hat die ARD eine Mitmachaktion "Deine Meinung zählt!" gestartet. Im Ersten läuft dazu heute Abend um 21 Uhr eine Arena-Sendung. Bei der Umfrage im Vorfeld haben auch viele Leute aus der Vorder- und Südpfalz teilgenommen. Wir haben mit drei Personen gesprochen.
Rente nach 47 Jahren Arbeit reicht nur knapp zum Leben
Martina Milnazik ist 66 Jahre alt, sie ist Rentnerin und wohnt in Ludwigshafen. Sie findet: "In den letzten 20 bis 30 Jahren hat sich eine riesige Kluft in der Gesellschaft aufgetan." Es gebe kaum noch einen Mittelstand. Seit drei Jahren bezieht Milnazik Rente und wohnt zur Miete. Sie merkt: "Alles ist teurer geworden."
Milnazik hat 47 Jahre Berufserfahrung. Sie hat im Klinikum Ludwigshafen als Kodierfachfrau gearbeitet. Damit war sie für die Verschlüsselung von Krankenhausakten zuständig. Und dieser Arbeit geht sie für ein privates Unternehmen auch jetzt weiter nach - als Minijob. "Die Rente würde zwar knapp reichen, aber ich könnte mir nicht mehr viel davon leisten", sagt die 66-Jährige. Sie findet, dass der Staat gerade bei Mieterhöhungen eingreifen sollte.
Martina Milnazik stört auch, wie gesellschaftlich über Rentnerinnen und Rentner gesprochen wird: Dass über Kürzungen in der Rente diskutiert wird, kann sie nicht nachvollziehen. Denn viele hätten ohnehin nicht viel Geld.
Ingenieur aus Ludwigshafen: "Kindergeld sollte abgeschafft werden"
Dominik Zepp ist 36 Jahre alt und wohnt in Ludwigshafen. Dort arbeitet der studierte Physiker als Ingenieur. Er findet: Wohlstand in Deutschland ist nicht ungerecht verteilt. Deswegen findet Zepp nicht, dass Erbschaften mehr besteuert werden sollten.
Zepp sagt: "Für die Gesellschaft ist es zielführend, wenn die Leute den Anreiz haben, für ein besseres Leben zu arbeiten. Und auch die Gewissheit haben, dass das, was sie sich erarbeitet haben, ihnen nicht mehr weggenommen wird."
Weiter findet Dominik Zepp auch, dass Bürgergeld unattraktiver gemacht werden sollte: Damit Menschen schneller wieder arbeiten gehen. "Das soziale Rettungsnetz und unsere solidarischen Beiträge sollen nur für die da sein, die es wirklich brauchen." Etwa wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten könne. Weiter sagt Zepp: "Sozialleistungen wie Kindergeld sollten abgeschafft werden." Zepp spricht sich jedoch nicht gegen eine finanzielle Förderung von Kindern aus. Sein Lösungsansatz: Steuererleichterungen für Eltern, wie etwa Familiensplitting oder stark erhöhtem Grundfreibetrag."
Maskenbilder aus Germersheim: Trotz zwei Vollzeitjobs bleibt nicht viel übrig
Im Kreis Germersheim wohnt Mike Frey und arbeitet als Maskenbildner am Badischen Staatstheater. Der 29-Jährige ist verheiratet, sowohl er als auch sein Mann arbeiten in Vollzeitjobs. "Dennoch bleibt uns nicht viel übrig", sagt Frey. Es sei schwierig, eine finanzielle Rücklage zu bilden. Denn Preise für Lebensmittel seien teurer geworden, dazu die Sprit- und Mietpreise. Deswegen findet er: Der Wohlstand in Deutschland ist ungerecht verteilt.
Frey wünscht sich eine bessere Steuerverteilung. Und: "Erben sollte nicht mehr so einfach sein." Denn dafür hätte niemand gearbeitet. Zudem gebe es zu viele Tricks, wie man weniger Abgaben auf sein Erbe zahlen könne, sagt Mike Frey.