Eine Schultoilette, eine Turnhalle oder das Kinderzimmer: Die Kunstausstellung in Speyer zeigt Fotos von Orten, an denen Kinder und Jugendliche sexuellen Missbrauch erleben. Damit will Initiatorin und Künstlerin Nessi Nezilla auf sexuellen Missbrauch aufmerksam machen. Bis zum 24. Oktober können Besucherinnen und Besucher die Wanderausstellung im Sophie-La-Roche-Haus nahe dem Dom besuchen. Der Eintritt ist frei.
Alltägliche Orte: Hier geschieht sexueller Missbrauch
Die deutsch-italienische Künstlerin Nessi Nezilla hat die Kunstausstellung am Montagabend in Speyer eröffnet. Für die Bilder hat sie mit zwei Fotografen zusammengearbeitet, die alltägliche Orte symbolhaft fotografiert haben. Etwa eine Schultoillette, einen Kirchenraum oder das Kinderzimmer. Damit wollte sie zeigen, dass Kinder und Jugendliche oft in Alltagssituationen zu Opfern sexuellen Missbrauchs werden. Die Fotos zeigen deshalb nur Orte und nicht Täter oder Taten, um die Alltäglichkeit zu unterstreichen.
Nezilla hat auch mit einem Missbrauchsopfer zusammengearbeitet: Julius Wolf aus Kassel ist als Kind und Jugendlicher selbst sexuell missbraucht worden. Heute ist der 36-Jährige Sozialarbeiter und spricht offen über das, was er erlebt hat. Schon vor Jahren hat er angefangen, Gemälde zu malen und den Missbrauch zu verarbeiten. Einige Werke sind Teil der Ausstellung. Bei seiner Rede in Speyer sagte Wolf: "Eine geschützte und geborgene Kindheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sexualisierte Gewalt hinterlässt Spuren im gesamten menschlichen Sein."
Er ermutigte die rund 70 Besucherinnen und Besucher, offen über das Thema zu sprechen. Damit könnten sie Betroffenen von sexuellem Missbrauch Mut geben, offen über Erlebtes zu sprechen, wenn sie es möchten. Denn sexueller Missbrauch sei noch immer ein tabuisiertes Thema in der Gesellschaft und Betroffene würden stigmatisiert werden.
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst: "Kirche hat auch Täter geschützt"
Bei der Eröffnung der Ausstellung "Kunst gegen Missbrauch" kam auch Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie hielt neben der Speyerer Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) auch eine Rede. Es sei bitter, dass in den Räumen der Kirche schon sexueller Missbrauch stattgefunden habe. Dabei sollte die Kirche ein Schutzraum sein.
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Von Gabriele Knetsch
(Produktion: BR 2026)
Sie kritisierte auch, dass die Aufklärung zu Missbrauchsvorwürfen zu lange gedauert habe. "Die Kirche hat als Intitution auch schon Täter geschützt", sagte Wüst. Sie setzt sich für die Aufklärung von Missbrauchsfällen ein und betonte, dass die Kirche eine große Verwantwortung trage. Wüst mahnte aber auch, dass die Kirche dabei nicht im Mittelpunkt stehen solle: Wichtig sei es, Betroffenen zuzuhören oder, wie in dem Fall der Ausstellung, zuzusehen.
"Kunst gegen Missbrauch": Kostenlose Workshops
Solange die Kunstausstellung in Speyer geöffnet ist, gibt es immer wieder Workshops zu dem Thema: Etwa wie Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt in Schulen geschützt werden können oder wie sexuelle Bildung schützt. Die Workshops sind kostenfrei. Zudem sind Lehrkräfte dazu angehalten, die Ausstellung mit ihren Schulklassen zu besuchen.