"Wiesemann hat nicht irgendein frommes Gelaber von sich gegeben, wie manch anderer Bischof!" Bernd Held ist ein Freund klarer Worte. Er ist selbst als Jugendlicher unter dem Dach der katholischen Kirche sexuell missbraucht worden. Seit 2021 vertritt er die Betroffenen im Bistum Speyer. "Ich bin nicht sehr fromm und kirchlich unterwegs", sagt er über sich. Aber er hat große Wertschätzung für den Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann.
Aus nach 18 Jahren Nach Rücktritt: Jetzt spricht Bischof Wiesemann
Am Mittwoch hat der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann überraschend bekannt gegeben, sein Amt niederzulegen. Nun hat er sich erstmals ausführlich vor der Presse über die Gründe geäußert.
Betroffene fühlten sich beim Bischof verstanden
"Für mich ist er ein sehr empathischer, zugewandter Mensch", sagt Held über Wiesemann. Er habe viele Betroffene begleitet, die mit dem Bischof über ihre Geschichte sprechen wollten. "Die wollten gehört werden, nachdem sie teilweise über Jahrzehnte nicht gesehen wurden. Und die fühlten sich bei ihm abgeholt und verstanden."
Wiesemann hat aufrichtig mitgelitten. Den Eindruck hat Held und den Eindruck haben nach seinen Angaben auch viele Betroffene im Bistum. "Wir Betroffenen haben ganz sensible Antennen dafür, wem wir trauen können und wem nicht."
Der Bischof habe immer ein offenes Ohr für den Beirat gehabt, und dessen Arbeit unterstützt. Deswegen habe die Aufarbeitung in Speyer so einen guten Ruf.
"Presse und Betroffenen ist es zu verdanken, dass Fälle öffentlich wurden" Studie zu sexuellem Missbrauch im Bistum Speyer: System der "Vertuschung"
Die Uni Mannheim hat den ersten Teil einer Studie über sexuellen Missbrauch im Bistum Speyer vorgestellt. Sie enthüllt ein System von Verleugnung und Verschleierung in der Kirche.
Viel Verständnis für Wiesemanns Schritt
In der Begründung für seinen Schritt hat Wiesemann auch auf seine seelischen Nöte und die depressiven Phasen in seinem Leben verwiesen. Das könne er verstehen sagt Held: "Wer könnte das besser nachvollziehen als die Betroffenen sexuellen Missbrauchs? Viele leiden bis heute darunter. Wenn jemand Verständnis hat, dann wir."
"Wir hatten Angst, dass wir einen wie Wölki bekommen. Das war eine Horrorvorstellung!"
Damals, als der Beirat gegründet wurde, sei Wiesemann ja noch in einer längeren krankheitsbedingten Auszeit gewesen. Man sei sich gar nicht sicher gewesen, ob er zurückkommt. "Wir hatten Angst, dass uns irgendein anderer Bischof vorgesetzt wird. Einer wie Wölki zum Beispiel. Das war eine Horrorvorstellung!"
Er hoffe sehr, dass Wiesemanns Nachfolger, wer auch immer es sein wird, weiter an der Seite der Betroffenen steht, so Held.