Der Angeklagte habe nicht spontan oder impulsiv gehandelt, sondern den Tod seiner Frau einkalkuliert, begründete die Vorsitzende Richterin die Entscheidung des Gerichts. Der Ehemann von Dilan A. wurde deshalb nicht wegen Totschlags verurteilt, sondern wegen Mordes. Seine Beweggründe für die Tat seien Wut, Neid und Eitelkeit gewesen. Außerdem habe er aus dem Gefühl heraus gehandelt, seine Frau bestrafen zu müssen. Wie die Richterin weiter ausführte, hatte er seiner Frau schon Wochen vor der Tat mit dem Tod gedroht.
Das Gericht folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft und der beiden Nebenklage-Anwältinnen: Sie hatten auf lebenslange Haft plädiert. Der angeklagte Ehemann von Dilan A. habe seine Frau aus niedrigen Beweggründen getötet, sagten sie in ihren Plädoyers am Dienstag. Die Nebenklage betonte außerdem: Es gehe hier nicht um einen tragischen Familienstreit. Es sei ein Ehrenmord gewesen.
Der Familie gehe es schlecht, seit die Tat geschehen ist. Besonders schwer hätten es die Kinder, die jetzt ihren Alltag bestreiten müssten und durch die Tat quasi Mutter und Vater gleichzeitig verloren hätten. Die Verteidigung hatte eine Verurteilung nach Totschlag gefordert, was einer Freiheitsstrafe von fünf bis fünfzehn Jahren entspricht.
Demonstration gegen Femizide vor dem Landgericht
Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten mehrere Frauen und Männer - rund 50 insgesamt. Darunter war auch die ehemalige Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen, Jutta Steinruck (SPD). Die Demo richtete sich gegen Femizide. Es gebe zu viele Tötungen von Frauen, weil Männer die Vorstellung haben, sie seien Frauen überlegen und sie dürften Macht über sie ausüben.
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Der Gutachter in dem Prozess hatte bestätigt, dass der jetzt Verurteilte eine patriarchale Beziehung mit seiner Frau geführt hatte. Er habe sie extrem kontrolliert, sie bedroht und ihr Gewalt zugefügt. Beispielsweise habe er bei einer Autofahrt stark beschleunigt, so das Dilan A. Angst bekommen habe. Auch das sei eine Form von Kontrolle und Gewalt. Nach dem Urteil besuchten Mitglieder von Frauenrechtsorganisationen zusammen mit der Familie das Grab von Dilan A.
Dilan A. starb am 2. November 2025. Ihr Mann hat die Tat direkt danach zugegeben. Er habe sie im Wohnzimmer der Familie in Ludwigshafen mit 43 Messerstichen getötet.
Staatsanwaltschaft: Mann ging davon aus, dass Ehefrau Affäre hatte
Der Mann ging davon aus, dass seine Frau eine Affäre mit ihrem Cousin hatte, so die Staatsanwaltschaft. Er habe nicht im Affekt getötet und habe ihr schon häufiger mit dem Tod gedroht. "Die Tat war der Endpunkt einer Eskalation, die der Mann selbst vorangetrieben hat", sagte der Staatsanwalt. Dieser Einschätzung folgten auch die Richter mit ihrem Urteil. In Wahrheit sei der Angeklagte außerdem Dilan A. untreu gewesen. Er habe sich zunehmend in Hassgefühle gesteigert. Als seine neue Liebe in der Tatnacht schriftlich per Handy mit ihm Schluss machte, rastete er aus und fing mit seiner Frau Streit an.
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Angeklagter: "Es tut mir leid"
Er sei in einer psychischen Ausnahmesituation gewesen sein, betonte dagegen die Anwältin des Mannes. Der Angeklagte soll in Deutschland sozial isoliert gewesen sein. Er habe Angst um seine Familie gehabt und dachte, seine Frau und ihr Cousin wollten ihn töten.
Auch der Mann selbst hat sich an einem der Prozesstage zu seiner Tat geäußert: "Es tut mir leid. Ich bereue es." Er entschuldigte sich außerdem bei der Familie von Dilan A. Viele Familienmitglieder saßen dabei im Gerichtssaal. Eine Angehörige weinte.