Cousine von getöteter Dilan: "Es war ein Femizid"

37-Jährige von Ehemann in Ludwigshafen getötet: Wer war Dilan?

Bundesweit hat die Gewalt gegen Frauen 2025 zugenommen, meldet das Bundeskriminalamt. Anfang des Monats wurde eine 37-jährige Frau in Ludwigshafen von ihrem Mann getötet. Wer war Dilan?

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Von Autor/in Anna Flörchinger

Dilan mochte Blumen. In rosa, in lila, in pink. Sie war liebevoll, ruhig und zuvorkommend. Dilan ging mit ihren beiden Söhnen gerne spazieren, brachte sie zu Pokémon-Turnieren. Sie war gerne Mutter. So beschreibt sie ihre Cousine.

Über Dilans Grab in Ludwigshafen-Maudach liegen Blumen in allen möglichen rosa Tönen. "Wir wollten die schönsten Blumen für sie anfertigen lassen", sagt Eda Y., 31. Sie ist ihre Cousine. Sie steht vor Dilans Grab und möchte über sie reden.

Cousine von Dilan: "Es war ein Femizid."

Am 02. November tötete Dilans Ehemann sie mit mehreren Messerstichen in ihrem Wohnzimmer, so steht es in einer Polizeimeldung. Im Zimmer nebenan schliefen die gemeinsamen Söhne, sie sind 10 und 6 Jahre alt.

Dilan ist 37 Jahre alt geworden, sie ist in Ludwigshafen aufgewachsen. Ihrer Cousine ist eines wichtig: "Es war ein Femizid."

Steinruck: "Ein Mord an einer Frau, weil sie eine Frau ist."

Zu der Beerdigung von Dilan kam die Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck. Auch Steinruck sagte da deutlich: "Das war kein Familiendrama. Das war ein Femizid. Ein Mord an einer Frau, weil sie eine Frau ist."

Noch ermittelt die Staatsanwaltschaft, sie schreibt von einem "dringenden Tatverdacht des Totschlags". Eda möchte, dass die Öffentlichkeit weiß, welches Leid Dilan durchmachen musste. Und, dass man sich an sie erinnert.

Ludwigshafen
Die Ermittlungen gegen einen 39-Jährigen, der seine Ehefrau Anfang November in Ludwigshafen mit mehreren Messerstichen getötet haben soll, dauern an. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft hatte der Mann seine Ehefrau im gemeinsamen Wohnzimmer angegriffen.

Ehefrau im Wohnzimmer erstochen Nach Tötung von 37-jähriger Ehefrau - Ermittlungen dauern an

Nach dem Gewalttod einer 37 Jahre alten Frau in einer Wohnung in Ludwigshafen dauern die Ermittlungen an. Laut Polizei hatte er seine Frau im gemeinsamen Wohnzimmer angegriffen.

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Dilan, die große Cousine, die für alle Nudeln gekocht hat

Dilan ist mit ihren Cousins und Cousinen aufgewachsen und hat oft auf die Kleineren aufgepasst. Als sie Kinder waren, nannte Eda ihre sechs Jahre ältere Cousine manchmal Dilosch. Dilan kochte ihnen oft Nudeln mit Tomatenmark, sagt Eda.

Ein Gericht aus der Türkei, erklärt sie weiter. Die Großeltern von Dilan und Eda waren in den 70ern als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen, sie waren alevitische Kurden.

Dilan mochte Musik und Flechtfrisuren

Eda steht zum dritten Mal vor dem Grab ihrer Cousine. Abends vermisst sie Dilan am meisten. Wenn sie auf der Couch sitzt und Zeit hat, nachzudenken.

Sich an ein ganzes Leben zu erinnern, jemanden zu fassen, ist schwierig. Dilan hat Musik geliebt, als sie klein war, hörte sie am liebsten die finnische Band HIM und den Leadsänger Ville Valo. Dilan hatte dicke, dunkle Haare. Während der Schulzeit flocht sie sich nachts zwei Zöpfe, um am nächsten Tag Wellen zu haben. Eda machte es ihr nach.

Ludwigshafen
Mehrere Frauenunterstützungseinrichtungen in Ludwigshafen haben eine Mahnwache für eine getötete Frau abgehalten. Nach der Tötung der Ehefrau: Verwandte sprechen jetzt von brutalem Mord.

Tatverdächtiger Ehemann wurde wegen Körperverletzung angezeigt Ludwigshafen: Nach Tötung von 37-jähriger Ehefrau - Verwandte entsetzt

Nachdem eine 37-Jährige aus Ludwigshafen offenbar von ihrem eigenen Ehemann erstochen wurde, meldet sich nun ihre Familie zu Wort. Die Frau habe ihren Mann verlassen wollen, daher habe der 39-Jährige sie getötet.

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Dilan wollte immer Mutter werden

Ich wünschte, ich könnte es rückgängig machen. Und dass sie uns alles erzählt hätte, wie es ihr wirklich ging.

Was würde Eda Dilan jetzt gerne sagen? "Ich wünschte, ich könnte es rückgängig machen. Und dass sie uns alles erzählt hätte, wie es ihr wirklich ging."

Dilan hat ihren Mann 2010 geheiratet, aus Liebe, sagt Eda. Sie bekamen zwei gemeinsame Söhne, um die sich Dilan kümmerte. Mit der Geburt des ersten Sohns hörte Dilan auf, im Einzelhandel zu arbeiten.

"Sie war so eine liebevolle Mutter, sie wollte immer Kinder haben", sagt Eda. Für die Kindergeburtstage bastelte sie Karten selbst und dekorierte den Garten.

Irgendwann schien Dilan traurig

Doch irgendwann hätten sie in der Familie gemerkt, dass es Dilan nicht mehr gut ging. "Sie hatte keine Lebensfreude mehr", so erzählt es Eda. Sie soll aufgehört haben, helle Kleidung zu tragen, sich zu schminken oder sich die Haare zu machen. Früher sei ihr das alles sehr wichtig gewesen.

Doch außer mit ihrer eigenen Mutter hätte Dilan mit niemanden gesprochen, sagt Eda. Wenn sie Dilan fragte, wie es ihr geht, sagte diese, es sei alles in Ordnung.

2023 hatte Dilan ihren Ehemann angezeigt

2023 hatte Dilan ihren Mann angezeigt, weil er ihr mit einer Holzbox auf den Kopf geschlagen hatte, teilt die Polizei mit. Doch dann lehnte sie die weitere strafrechtliche Verfolgung des Mannes ab.

Bundesweit nehmen die Gewaltstraftaten gegen Frauen weiter zu, das geht aus aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamts hervor. Durchschnittlich werden pro Stunde 15 Frauen Opfer häuslicher Gewalt.

Grab Dilan
Dilans Grab in Ludwigshafen.

Fast jeden Tag wird eine Frau getötet

Fast jeden Tag wird in Deutschland eine Frau getötet, das hat ein Lagebild des Bundeskriminalamts 2023 gezeigt. 2025 ist Dilan eine davon, sie wird Teil der Statistik sein. Doch Eda wünscht sich mehr als das für ihre Cousine. Dass über Dilan gesprochen wird.

"Und dass vor allem Männer über Gewalt gegen Frauen sprechen. Dass sie etwas sagen, wenn sie übergriffige Kommentare hören", sagt Eda.

Blumen, niedergelegt für das Opfer eines Femizids. Auf einem Schild steht: "Femizide stoppen". Jedes Jahr versuchen in Deutschland geschätzt hunderte Männer ihre Partnerinnen und Ex-Partnerinnen zu ermorden, fast jeden zweiten Tag stirbt eine Frau.

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Der Mord an einer Frau, die nicht den Vorstellungen des Täters von "Frau sein" entspricht, kündigt sich häufig an. Prävention ist möglich.

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"Dilan wurde von ihrem Mann umgebracht"

Während des Gesprächs läuft eine Frau über den Friedhof in Maudach. Sie fragt, ob Dilan bei der Stadt gearbeitet hat, weil da auch ein Kranz von der Stadt liegt. "Nein", antwortet Eda, "Dilan wurde von ihrem Mann umgebracht."

So richtig könne Eda es aber nicht greifen, dass Dilan weg ist. "Es ist surreal, dass sie da unten liegt."

Über Dilan zu sprechen, hilft

Aber es helfe, über sie zu sprechen. Auch in der Familie würden sie nun viel über sie sprechen. Sie alle kümmern sich um die beiden Söhne, die jetzt bei Dilans Eltern wohnen und gerade das Sorgerecht beantragen.

Am Ende des Gesprächs will Eda noch bei Dilan bleiben. Sie zupft die Blumen am Grab zurecht. Am Abend wird sie zur nächsten Mahnwache gehen. Für Dilan.

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Anna Flörchinger
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