Charlotte Towses Sohn ist seit 2019 auf der Tom-Mutters-Schule in Frankenthal. Eigentlich hätte er noch ein Jahr dort unterrichtet werden sollen. Doch nun ist Schluss. Die Mutter vom 17-jährigen Conrad hat die Reißleine gezogen und ihn von der Schule genommen.
"Als wir die Schule kennenlernten, 2019, waren wir total begeistert. Sie war klein, hatte Fachräume, nur sechs bis sieben Kinder waren in einer Klasse. Es gab gemeinsame Morgenkreise und Feste und unser Sohn hat sich super wohl gefühlt dort. Es war wie ein Sechser im Lotto", erzählt Charlotte Towse.
Vor fünf Jahren hieß es dann von Seiten der Stadtverwaltung, aufgrund von Raummangel müsse Conrads Klasse in eine der Wohnungen des Internats vom Pfalzinstitut für Hören und Kommunikation umziehen. "Man sagte uns, dass sei nur für ein Jahr, dann hätte man bessere Lösungen für die Kinder", erinnert sich Towse.
Mein Sohn hat nicht mehr geschlafen, Ängste und Zwänge entwickelt
Aus einem Jahr wurden fünf Jahre und Conrads Klasse musste auch innerhalb der Wohnungen noch mal umziehen. "Als das passierte, war mein Sohn nicht mehr zu bändigen. Er hat nicht mehr geschlafen, zuhause ein einziges Chaos veranstaltet, Zwänge und Ängste entwickelt", bedauert Charlotte Towse.
Kinder benötigen eine Struktur und Sicherheit
Conrad sei schwer autistisch und könne sich auch nicht verbal ausdrücken. Eine feste Tagesstruktur und eine sichere Umgebung sind für Kinder wie Conrad unverzichtbar, damit sie bestmöglich auf ein weitgehend selbständiges Leben vorbereitet werden können, erklärt Conrads Mutter. Musik-, Bewegungs- und auch Ruheräume sind für Kinder wie Conrad unverzichtbar.
Auch Werkräume und Lehrküchen, in denen die Kinder und Jugendlichen auf die Zeit nach der Schule vorbereitet werden können, gehören unabdingbar dazu, bestätigt Schulleiterin Angelika Maaß. Die Kinder und Jugendlichen müssen vor allem auf das praktische Leben vorbereitet werden. Sie sollten aber auch irgendwann in der Lage sein, entweder am ersten Arbeitsmarkt oder doch zumindest am zweiten, etwa in Werkstätten, unterzukommen, weiß die Schulleiterin.
Verteilt auf drei Standorte mit unhygienischen Sanitäranlagen
Doch all das gibt es an der Tom-Mutters-Schule schon lange nicht mehr. Verteilt auf drei Standorte, in Büro-Räumen etwa im Congress-Forum Frankenthal, Wohnungen des Pfalzinstituts und am Hauptstandort am Neumayerring versuchen Lehrkräfte und Schulleitung das Beste für die Kinder rauszuholen.
"Die Lehrkräfte sind super toll, die versuchen alles, damit es den Kindern gut geht!", bestätigt auch Charlotte Towse. Doch ihr und vor allem Conrad reicht es jetzt endgültig. Ihr Sohn wird demnächst eine Tageseinrichtung in einer anderen Stadt in der Pfalz besuchen. Die Eltern sind heilfroh über diese Möglichkeit.
Doch für die anderen Kinder und Jugendlichen, die Lehrkräfte und die Schulleitung geht das scheinbar ewige Provisorium Förderschule weiter. Ab dem kommenden Schuljahr, in einer Woche, mit noch mehr Räumen im Congress-Forum, wie auch die Stadtverwaltung bestätigt.
Aufsichtsbehörde genehmigt Büros im Congress-Forum
Die Schulaufsichtsbehörde, die ADD in Neustadt an der Weinstraße, hat genehmigt, dass ehemalige Büros der Verwaltung des Congress-Zentrums zu Klassenräumen umfunktioniert werden.
Schulrektorin Angelika Maaß hält diese Büros für wenig geeignet. Sie sind zu klein für 14 Kinder, die zum Teil auch noch ihre Integrationsfachkräfte mitbringen, meint sie. Hinzu kommen die ständigen Wege ins Haupthaus, etwa zum Mittagessen.
Mittagessen in drei Schichten
"Wir haben mittlerweile so viele Kinder an der Schule, dass wir das Mittagessen im Haupthaus am Neumayerring in drei Schichten anbieten müssen", seufzt Schulleiterin Maaß. Dabei kann sie ihrem Kollegium selbst gar keinen Pausenraum anbieten: Es gibt kein Lehrerzimmer, keinen Besprechungsraum, nichts. "Die Kollegen essen zum Teil ihr Brot im Auto", berichtet die Schulleiterin.
Wann wird es wirkliche Lösungen geben?
Elternbeirätin Sandra Hällmeyer ist auch maximal unglücklich über die weiterhin bestehenden Raumnöte der Schule. Und auch über mangelnde Pflegemittel - wie etwa barrierfreie Wickelplätze für jene Kinder, die eine Windel benötigen, auch im Congress-Forum.
"Eine Schulgeneration konnte schon mal nicht ganzheitlich gefördert werden, wie es solche Kinder und Jugendlichen auch dringend benötigen - mit Pflege-, Fach- und Ruheräumen", so die Elternbeirätin. Lange schon setze man sich für eine Zwischenlösung ein, etwa ein Modulbau auf einer Freifläche auf Frankenthaler Gemarkung - bis ein Neubau realisiert werden kann. So dass alle Kinder und Lehrkräfte wieder als Gemeinschaft zusammen kommen können.
Doch eine solche Lösung scheint weiterhin in weite Ferne zu rücken. Stattdessen wird nächstes Jahr wohl ein vierter Schulstandort dazu kommen, in der ehemaligen Tagesklinik am Metznerpark. Die Tom-Mutters-Schule scheint noch lange nicht zur Ruhe zu kommen.