Ein Waldstück im Bienwald. Die Reste von abgestorbenen Buchen ragen in den Himmel, meterhohe Kiefern schwanken im Wind. "Es ist undenkbar, da Menschen oder Maschinen reinzuschicken", sagt Revierleiter Matthias Reis. Viel zu hoch sei das Risiko von einem abstürzenden Ast erschlagen zu werden.
Bienwald: Bäume sterben wegen Trockenheit und Maikäfer
Im südpfälzischen Bienwald zeigen sich deutlich die Folgen des Klimawandels. Die zunehmende Trockenheit lässt Bäume absterben. Dadurch bekommt der Wald-Maikäfer mehr Platz. Er legt seine Eier in trockene und sandige Böden. Das Insekt ist zwar schon lange heimisch im Bienwald. Doch in den vergangenen vier Jahrzehnten hat sich der Käfer extrem ausgebreitet. 1983 waren im Forstrevier von Matthias Reis fünf Hektar betroffen - mittlerweile sind es 6.000.
Revierförster Reis und sein Team bauen den Wald um, wollen ihn trotz Klimakrise erhalten. Doch der Maikäfer erschwert das. Seine Larven leben drei Jahre lang im Boden und knabbern die Baumwurzeln weg. "Wir arbeiten nicht mehr im Normalbetrieb", sagt Reis. Wir reagieren darauf, was der Maikäfer uns vorgibt." Das sei nicht immer leicht auszuhalten, sagt Matthias Reis im Video:
Das Ziel im Bienwald: Ein starker Mischwald
Ein paar Hundert Meter weiter zeigt Reis im Bienwald ein Waldstück, in das er und sein Team vor fünf Jahren eingegriffen haben. Absterbende Buchen haben sie gefällt. Einzelne Bäume wie die Esskastanie neu gepflanzt, invasive Pflanzen entfernt und ansonsten darauf vertraut, dass der Wald schon machen wird. Mittlerweile haben sich dort Kiefern, Buchen, Fichten oder Ebereschen ausgesät. Ein neuer Mischwald entsteht.
Im 10.000 Hektar großen und von der Trockenheit stark gebeutelten Bienwald wurden laut Forstamt in den vergangenen zwei Jahren für rund 200.000 Euro fast 33.000 neue Bäumchen gepflanzt. Das Geld kommt aus dem Landeshaushalt. Der weit größere Teil der neuen Bäume hat sich selbst ausgesät.
Diese "Naturverjüngung" hat zwei Ziele: erstens soll eine neue Baumgeneration wachsen, die sich bereits von Beginn an auf die Trockenheit einstellen kann. Und zweitens soll der Maikäfer zurückgedrängt werden. Wenn die Bäume den Boden mehr und mehr bedecken, in die Höhe wachsen und sich dadurch die Feuchtigkeit auf diesem Waldstück erhöht, ist das schlecht für den Käfer.
Auch Pfälzerwald wird umgebaut
Überall in Rheinland-Pfalz kann man sehen, dass der Wald an die Folgen des Klimawandels angepasst wird. Auch im Pfälzerwald bei Edenkoben (Kreis Südliche Weinstraße). Tief im Wald kontrolliert Revierförster Sebastian Pasternak Mini-Bäume, die in weißen Schutzhüllen stecken. Sie wurden erst im März von seinem Team gepflanzt: Elsbeere, Linde, Bergahorn und Esskastanie. „Für die nächste Waldgeneration“, sagt Pasternak.
Die alten Bäume auf dem Waldstück im Stadtwald von Edenkoben sind angezählt. Auf 4.000 Quadratmetern wachsen ein paar Eichen und meterhohe Kiefern. Sie sind 150 Jahre alt.„Die waren jahrelang eine gute Versorgung mit Wasser gewohnt. Das hat sich geändert, deswegen sterben die langsam ab“, sagt Pasternak.
2.000 neue Laubbäume im März gepflanzt
Ein paar Bäume haben sich selbst ausgesät. Doch das reicht nicht. Beim „Waldumbau“ im Edenkobener Stadtwald hilft der Forst nach. Auf neun Flächen im Revier wurden im März rund 2.000 neue Bäume gepflanzt. Vor allem Laubbäume. Das ist wichtig. Ein Mischwald gilt als widerstandsfähiger in der Klimakrise.
Für ihren Waldumbau bekommt die Stadt Edenkoben pro Jahr 94.000 Euro aus dem bundesweiten Programm „Klimaangepasstes Waldmanagement“. Die anderen vier Gemeinden im Revier von Sebastian Pasternak bekommen zwischen 10.000 und 22.000 Euro.
Den Wald umzubauen, das werde erstmal nicht aufhören, sagt der Revierleiter. "Wir müssen das vorantreiben", sagt Pasternak. Das sei der Gesellschaft bewusster geworden. Und auch im Forst präsenter.