Folge der Hitzewelle im Landkreis Reutlingen

Verbrannte Kirschen: 70 Prozent weniger Ernte im Ermstal

Die Hitzewelle der vergangenen Wochen hat die Kirschbäume im Ermstal hart getroffen. Viele Früchte sind am Baum verbrannt. Ein Obstbauer rechnet mit bis zu 70 Prozent Ernteausfall.

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Von Autor/in Necla Süre

Die extreme Hitze der vergangenen Wochen hat vielen Kirschbauern im Landkreis Reutlingen schwer zugesetzt. Besonders im Ermstal zeigen sich inzwischen deutliche Schäden an den Bäumen und Früchten. Viele Kirschen seien direkt am Baum verbrannt oder regelrecht "verkocht", berichteten Obstbauern Simon Walch von der Fachvereinigung Obstbau im Landkreis Reutlingen.

Mehrere Gartenbesitzer haben mir erzählt, dass die Kirschen zum Teil so heiß gewesen seien, dass sie sich beim Pflücken die Finger verbrannt hätten.

70 Prozent weniger Ernte

Besonders stark betroffen ist der Obstbauer Roland Lieb aus Dettingen/Erms (Landkreis Reutlingen). Der 68-Jährige bewirtschaftet rund 1,6 Hektar Streuobstwiesen, auf denen etwa 350 Kirschbäume stehen. Ergänzend dazu besitzt er eine kleinere Anlage mit rund 130 Süßkirschbäumen und etwa 100 Sauerkirschbäumen. Die ersten Hitzeschäden habe er vor rund zwei Wochen erstmals an seinen Kirschbäumen auf seinen Streuobstwiesen bemerkt. Viele Kirschen seien verbrannt oder vertrocknet und sähen aus wie Rosinen. Vor allem jüngere Süßkirschbäume hätten unter den hohen Temperaturen gelitten.

Schwarz verbrannte und vertrocknete Kirschen infolge der Hitzewelle der vergangenen Wochen.
Viele Kirschen im Ermstal in Dettingen/Erms (Kreis Reutlingen) sind durch die Hitzewelle der vergangenen Woche vertrocknet oder verbrannt. Roland Heinkel

Als ich die verbrannten Kirschen gesehen habe, war ich frustriert.

In diesem Jahr rechnet Lieb mit rund 70 Prozent weniger Ernte. Im vergangenen Jahr konnte Lieb noch mehr als 1,7 Tonnen Tafelkirschen ernten. Dieses Mal erwartet er nur noch 400 bis 500 Kilogramm. Hinzu kommt: Die Früchte seien deutlich kleiner als in normalen Jahren. Die Sorte "Regina" erreiche normalerweise einen Durchmesser von etwa 30 Millimetern. In diesem Jahr seien diese deutlich kleiner.

Streuobstwiesen können nicht geschützt werden

Das Hauptproblem liegt in der Anbauform. Die großen Kirschbäume auf den Streuobstwiesen lassen sich weder vor starker Sonne beschatten und noch richtig bewässern. Ihre tiefen Wurzeln können nicht einfach mit zusätzlichem Wasser versorgt werden. Anders sieht es in modernen Obstplantagen aus. Dort wachsen die Bäume in sogenannten Spindelanlagen. Sie bleiben kleiner und können mit Netzen und Folien beschattet sowie besser bewässert werden.

Auch andere Obstsorten leiden unter Hitze

Nicht nur die Kirschen sind von der Hitzewelle betroffen. Auch Himbeeren, Johannisbeeren und anderes Beerenobst seien beschädigt worden. Äpfel und Pflaumen würden nicht so schnell verbrennen, dafür bleiben die Früchte oft kleiner oder werden vorzeitig vom Baum abgeworfen.

Traditioneller Kirschanbau unter Druck

Für Lieb ist der Kirschanbau mehr als nur ein Beruf. Er ist zwischen den Obstbäumen groß geworden, schon sein Großvater pflanzte Kirschbäume. Doch die Zukunft der Kirschbäume bereitet ihm Sorgen. "Vor allem in den Wintermonaten fallen viele Kirschbäume der Motorsäge zum Opfer", beobachtet er. Der Grund: Pflege und Ernte bleiben aufwendig, während die Erträge durch extremes Wetter immer unsicherer werden.

Macht es überhaupt noch Sinn, in der Richtung weiterzumachen? Es bleibt ja nicht bei der Ernte. Die Bäume müssen das ganze Jahr über gepflegt werden.

Nach Einschätzung der Fachvereinigung im Landkreis Reutlingen könnten solche Hitzeschäden infolge des Klimawandels künftig häufiger auftreten. Fachleute suchen deshalb nach Lösungen, den Obstbau an längere Hitzewellen anzupassen - zum Beispiel durch den Anbau von tropischen Obstsorten, neue Anbausysteme und mehr Beschattung der Bäume.

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Necla Süre
Necla Süre vom SWR Studio Tübingen. Sie arbeitet als multimediale Reporterin.

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