Pünktlich um 15:10 Uhr beginnt die Lernzeit für den 12-jährigen Cemil. Aber nicht in der Schule, sondern bei seinem Fußballverein, dem Ludwigshafener Sportclub (LSC) in Gartenstadt. Im Jugendförderzentrum lernt er jeden Tag und geht zwei Mal pro Woche danach ins Fußballtraining.
"Ich komme seitdem ich in der dritten Klasse bin hier in die Lernzeit. Meine Noten waren eine Katastrophe, aber ich habe mich schon wirklich verbessert", sagt Cemil. Wenn er groß ist, möchte er Architekt oder Pilot werden, erzählt er.
Der 12-Jährige ist einer von 50 Jungs, die beim Jugendförderzentrum am LSC schulisch unterstützt werden. Die Lernzeit ist Teil des pädagogischen Konzeptes von "Anpfiff ins Leben".
Der Fußballverein ist ein Ort an dem Kinder gerne sind
Anders als die Schule, ist der Fußballverein ein Ort, den Kinder nur mit positiven Gefühlen verbinden, erklärt Petra Kraus. Sie koordiniert den Bereich Schule und Soziales von Anpfiff ins Leben in Ludwigshafen. Während es in Schulen Noten, Druck und Konkurrenz gibt, wird im Jugendförderzentrum beim LSC entspannt gelernt, beschreibt sie. "Manche Kinder kommen sogar schon 30 Minuten vor ihrer Lernzeit um noch gemeinsam zu spielen und dann zusammen die Hausaufgaben zu machen".
Cemil war eine Zeit lang auch in einer anderen Hausaufgabenbetreuung. Dort hat er sich aber nicht wohlgefühlt. "Hier macht es richtig Spaß und man findet sofort Freunde", sagt er. Sein großer Bruder hat Cemil für das Lernen beim LSC angemeldet. Er war als Schüler selbst dort.
Täglich eine Stunde Lernzeit
Die Kinder sind für die Lernzeit in drei Gruppen eingeteilt. Schon Erstklässler bis hin zu Abiturienten können dort lernen und ihre Hausaufgaben machen. Die meisten von ihnen sind aber Realschüler. Die einzige Voraussetzung für die Hausaufgabenbetreuung ist, dass das Kind Mitglied beim LSC ist.
Sobald sich ein Kind anmeldet, muss es von Montag bis Donnerstag eine Stunde lang täglich ins Jugendförderzentrum kommen. Gemeinsam mit anderen Jungs und einem Lernbegleiter, werden dann die Hausaufgaben gemacht oder gelernt.
Die Lernbegleitenden sind hauptsächlich Studierende, manchmal aber auch ältere Schüler. Vor allem junge Männer sind für die Jungs aus der Lernzeit oft ein Vorbild, sagt Kraus. Das sei wichtig, denn so können die Jungs auch sehen, was aus einem werden kann.
Nach dem Lernen geht es zum Fußball
Für Cemil ist das Beste an dem Konzept, dass er danach mit seinen Freunden Fußball spielen kann. "Wenn ich auf dem Platz stehe, vergesse ich einfach alles. Ich konzentriere mich nur auf den Ball und mir geht es dann richtig gut", sagt der 12-Jährige. Diese Balance zwischen Lernen und Sport ist für Kinder enorm wichtig, sagt Petra Kraus. Die Kinder seien dadurch motivierter, können sich auf das Training danach freuen.
Auch Kinder aus sozial schwachen Familien werden unterstützt
Im Fußballverein Ludwigshafener SC trainieren viele Kinder mit Migrationshintergrund, sagt Kraus. Deshalb sprechen auch viele Eltern kein Deutsch. Da kann das Schulische der Kinder aufgrund von Sprachbarrieren oft auch mit viel Unsicherheit verbunden sein, meint die Koordinatorin. Durch die vielen Fußballspiele oder Trainings kommen die Eltern aber oft an den Fußballplatz. Das ist ein Vorteil, sagt Petra Kraus, denn so könne man die Eltern einfacher erreichen. Ohne Hürden und Hemmschwellen.
"Hier haben die Eltern ein Vertrauensverhältnis zu den Trainern, zu den anderen Eltern. Und da ist es irgendwie einfacher, sich Hilfe zu suchen", sagt sie. Genauso empfindet es auch Cemil. "Meine Eltern sprechen nicht so gut deutsch, die können mir bei den Hausaufgaben nicht helfen. Aber hier kann ich gut lernen und bekomme Hilfe", erklärt er.