Die Kundgebung in Wörth (Kreis Germersheim) stand unter dem Motto "Zukunft statt Kahlschlag - Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke". Mit roten Fahnen und Transparenten zogen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor die Werkstore von Daimler Truck. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich 800 Beschäftigte.
Dort sprachen Vertreter der Gewerkschaft IG Metall und des Betriebsrats zu den Beschäftigten. Unter anderem beklagten sie die Infragestellung der 35-Stunden-Woche und einen drohenden "Abbau des Sozialstaats".
Das sagt die Gewerkschaft IG Metall
Der Bezirksleiter der IG Metall Mitte Jörg Köhlinger sagte: "Das Engagement der Beschäftigten trägt die Unternehmen durch die Krise. Die Beschäftigten erwirtschaften die Gewinne."
So sehen das auch die Mitarbeiter: "Es geht nicht in Ordnung, dass die, die schaffen, die Zeche zahlen sollen! Die Aktionäre sollen auch was drauflegen, wenn wir eine Krise haben. Ich habe sie nicht bestellt, ich will sie nicht bezahlen!" sagt einer.
Eine Demonstrantin sagte, sie habe "keinen Bock, 40 Stunden zu arbeiten, mir reichen 35. Die jungen Leute kommen frisch hier rein, wollen eine Perspektive hier im Betrieb. Und dann hört man nur: Stellenabbau, 40-Stunden-Woche, wir müssen gucken, wo wir sparen können."
Gewerkschafter Köhlinger forderte: "Die Beschäftigten dürfen jetzt nicht die Rechnung für Fehlentscheidungen und überzogene Renditeerwartungen von Managern und Aktionären bezahlen." Daimler solle langfristig in Wörth und die Südpfalz investieren und neue Produkte entwickeln. Nur so könnten die Arbeitsplätze in der Fahrzeugindustrie und bei den Zulieferern auch in der Südpfalz gesichert werden.
Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Markus Jäger-Hott berichtete im Gespräch mit dem SWR, dass die Stimmung bei der Belegschaft aktuell angespannt sei: "Der Druck nimmt immer mehr zu. Es wird mehr Arbeit auf weniger Schultern verteilt."
An vielen Stellen laufe vieles nicht so, wie es sollte, meint Jäger-Hott. Das führe zu einer Verunsicherung.
Arbeitgeberverband Pfalzmetall weist Vorwürfe zurück
"Die Sorgen der Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze sind absolut nachvollziehbar", teilte der Arbeitgeberverband Pfalzmetall mit. Die Krise der Automobilindustrie sei aber nicht auf falsche Unternehmensentscheidungen zurückzuführen, sondern auf zu viel Bürokratie, zu hohe Energiekosten sowie Steuern und Sozialabgaben. Die Deindustrialisierung in Deutschland sei noch zu stoppen, indem Kosten gesenkt und Investitionen wieder attraktiv gemacht würden.
Daimler-Beschäftigte fürchten um ihre Jobs
Die Daimler-Mitarbeitenden machten ihrem Ärger und ihrer Angst um ihre Jobs lautstark Luft mit Trillerpfeifen, Trommeln, Rufen und Ratschen. Am Montagnachmittag gab es zudem Kundgebungen vor dem Werk des Verteilerzentrums von Mercedes-Benz, GLC, in Germersheim.
Die IG-Metall hatte die Beschäftigten der Automobil- und Fahrzeugindustrie deutschlandweit zu einem Aktionstag mit Protesten und Kundgebungen aufgerufen.