Der Sommer lockt in der Pfalz viele Menschen an und in den Rhein – trotz zahlreicher Warnungen. Gerade bei Niedrigwasser wirkt der Fluss harmlos: Sandbänke tauchen auf, das Wasser scheint ruhig. Doch dieser Eindruck täuscht. Rettungsorganisationen wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schlagen Alarm: Die Gefahr für Badende nimmt zu, gleichzeitig wird es deutlich schwerer, Menschen zu retten.
Die DLRG kann ihre Boote wegen des Niedrigwassers nicht mehr benutzen
Die Einsatzboote der DLRG stehen bereits auf Anhängern bereit, erklärt Oliver Nagel von der DLRG Ortsgruppe Ludwigshafen-Oggersheim. Bei Notrufen können die Retter so schnell zu den Orten fahren und das Boot ins Wasser lassen.
Dafür gibt es sogenannte NATO-Rampen an vielen Stellen im Rhein. Sie sind betoniert und bei normalem Wasserstand kann die DLRG so ihre Boote in den Rhein lassen. Durch das Niedrigwasser reichen diese Betonrampen nicht mehr. Das Ufer ist zu breit, der Rhein zu flach und die Rampen zu kurz. Oliver Nagel erklärt, dass sie nur "bedingt einsatzfähig" seien. Heißt: Die Feuerwehr müsste ihr Boot mit einem Kran in das Wasser heben. Das dauert mit rund anderthalb Stunden eigentlich zu lange bei dringenden Rettungseinsätzen. Ähnlich geht es auch anderen DLRG-Ortsgruppen, etwa in Oppenheim oder Ingelheim (beide Kreis Mainz-Bingen).
Gefahr beim Baden im Rhein: Sog, Wellenschlag, Strömung
Besonders tückisch sind der Sog und die Wellen, die die Schiffe verursachen. Auch wenn die Wasseroberfläche ruhig wirke, erklärt Oliver Nagel, könne ein vorbeifahrendes Schiff die Situation schlagartig verändern:. Das Wasser wird zum Schiff hin angezogen, gleichzeitig entstehen kräftige Wellen. Das kann Schwimmer mitreißen und im schlimmsten Fall unter das Schiff in Richtung Schiffsschraube ziehen.
Bei Notfällen kann jetzt allerdings nur noch die Berufsfeuerwehr und die Wasserschutzpolizei ausrücken, denn deren Boote liegen dauerhaft im Wasser. Das Problem: Bis die Rettungskräfte den Einsatzort erreichen könnte es länger dauern.
Rettung wird schwieriger - trotzdem kein Badeverbot in Speyer und Ludwigshafen
Müssten Kommunen am Rhein nicht ein generelles Badeverbot erlassen? Die Stadt Speyer hat kein allgemeines Badeverbot für den Rhein erlassen und plant derzeit auch keines. Zwar existiert eine Verordnung von 1970 mit Badeverboten für bestimmte Rheinabschnitte, doch ein allgemeines Baderverbot gibt es nicht. Laut Beobachtung der Stadt baden die meisten Menschen an der baden-württembergischen Seite mit Stränden und Sandbänken. Das Speyerer Ufer ist durch Damm und Geröll schwer zugänglich.
Rund um die Parkinsel in Ludwigshafen gibt es kein Badeverbot. Die Stadt Ludwigshafen erklärte auf SWR-Anfrage, sie prüfe derzeit, wie ein Badeverbot in diesem Bereich rechtlich möglich wäre und wie es konkret umgesetzt werden könnte. Ein Ergebnis werde es aber erst im kommenden Jahr geben.