Am Sonntag ist ukrainischer Unabhängigkeitstag. Dann soll es in Koblenz eine Kundgebung und einen Festumzug geben. Mit dabei sind viele Ukrainerinnen und Ukrainer, die in der Region Koblenz leben, so wie Alona Berezovska und Lyuba Kluge. Der Tag ist ihnen wichtig, denn in ihrer Heimat ist der 24. August der Nationalfeiertag.
Ukrainerinnen aus Koblenz und Neuwied besorgt um ihre Heimat
Noch ist von Feiern aber nicht viel zu spüren: Die aktuellen Gespräche zum russischen Angriffskrieg stimmen die beiden Frauen skeptisch. "Die Gespräche verfolge ich mit sehr großer Sorge", sagt Lyuba Kluge aus Neuwied. Kluge wuchs in der Ukraine auf, mittlerweile lebt sie schon seit fast 20 Jahren in Deutschland. Die Ukraine ist und bleibt ihre Heimat, sagt sie.
Alona Berezovska kam fürs Studium aus der Ukraine nach Deutschland, inzwischen arbeitet sie in Koblenz. Jeden Tag verfolgt sie die Nachrichten. Ihre Eltern, ihre Schwester und ihre Nichte leben in der Ukraine. "Die Verhandlungen sind ein sehr schwieriges Thema", sagt sie.
Während man Putin in Alaska den roten Teppich ausrollt, bombardiert er tagtäglich die Städte in der Ukraine. Ist das ein Zeichen, dass er Frieden möchte? Nein.
Umgang mit Putin in der Kritik
Am Montag war der ukrainische Präsident Selenskyj zusammen mit mehreren europäischen Staatschefinnen und -chefs zu Gast im Weißen Haus. Das Treffen mit Selenskyj habe Berezovska schlimmer erwartet, deshalb sei sie überrascht gewesen. "Ich fand es okay. Es sieht für mich aus, als ob es noch Platz für Hoffnung gibt."
Kritischer sieht sie, dass US-Präsident Trump bereits vergangene Woche Russlands Staatschef Putin getroffen hat. Und auch Kluge sagt: "Während man Putin in Alaska den roten Teppich ausrollt, bombardiert er tagtäglich die Städte in der Ukraine. Ist das ein Zeichen, dass er Frieden möchte? Nein."
Berezovska sagt, es sei mit Blick auf Diktatoren weltweit beängstigend, dass Russland als Aggressor so viel Leid auslösen könne und für Staatschef Putin anschließend auf internationalem Boden roter Teppich ausgerollt werde. Es fühle sich an, als ob all die Opfer für nichts gestorben, verwundet oder verschleppt worden seien.
Ukrainerinnen in RLP gegen Gebietsabtretungen
Immer wieder im Fokus der Gespräche und Teil der Forderungen Russlands ist, Gebiete wie die Regionen Luhansk und Donezk für sich zu beanspruchen. Die Neuwiederin Kluge sagt: "Russland hat es in all den Jahren nicht geschafft, die Ukraine einzunehmen - und jetzt sollen ihnen Gebiete einfach geschenkt werden. Das wäre ein Verrat an all denen, die ihr Leben riskieren. Aber auch ein fatales Signal an Putin."
Kluge hat kürzlich den ukrainisch-deutschen Verein KOLO in Neuwied mitgegründet. "Die Menschen aus meinem Umfeld, ob hier in Deutschland oder auch in der Ukraine, schauen natürlich auch mit Sorge auf die Gespräche", sagt sie. Alle wollten Frieden, aber die Frage sei, zu welchem Preis. "Das beschäftigt die Menschen sehr. Sie möchten frei leben, in einem unabhängigen Land."
Ich glaube nicht, dass irgendein Abkommen mit Russland überhaupt möglich ist.
Skepsis beim Gedanken an Gespräche mit Russland
Möglicherweise schon in den kommenden zwei Wochen soll es ein direktes Aufeinandertreffen von Putin und Selenskyj geben. Die Koblenzerin Berezovska setzt keine großen Hoffnungen darin, denn Russland könne man nicht trauen. "Ich glaube nicht, dass irgendein Abkommen mit Russland überhaupt möglich ist." Anzunehmen, dass sich Russland an Abmachungen hält, findet sie naiv.
Ukrainischer Unabhängigkeitstag im Zeichen des Kriegs
In den kommenden Jahren sieht sich Berezovska in Deutschland. Sie werde gebraucht, etwa bei der Ukrainian Community Koblenz. Als zweite Vorsitzende des Vereins organisiert sie auch bei Veranstaltungen mit, zum Beispiel beim ukrainischen Unabhängigkeitstag am Sonntag.
Die Neuwiederin Kluge meint, der Tag stehe für Freiheit, Demokratie, Menschenwürde und Gerechtigkeit. "Ich habe noch als Kind die Zeit in der Sowjetunion miterlebt: dass die Menschen ihre Meinung nicht frei äußern durften und dass diejenigen bevorzugt wurden, die dem Staatsapparat näherstanden. Dorthin will keiner von uns jemals zurück."