Anjili Kumar sitzt im Heck ihres gelben Post-Autos. Der Transporter steht in der prallen Sonne vor der ehemaligen Postfiliale in Güls. Der Parkplatz vor der Tür ist extra für sie reserviert worden. Im Schatten der geöffneten Heckklappe wartet Kumar auf Kunden. Lange dauert es nicht, bis ein Mann mit einem Päckchen vorbei kommt.
Hinter ihr stapeln sich bereits Pakete, die sie am Morgen angenommen hat. Sie kann das meiste anbieten, was auch in einer Post-Filiale möglich wäre: "Am meisten gefragt sind Briefmarken und Einschreiben", sagt sie im Gespräch mit dem SWR. Was nicht geht, sind Pakete, die ins Ausland geschickt werden sollen oder Expressversand.
Mobiler Postservice ist dreimal die Woche in Güls
Anders als in einer Filiale müssen die Kunden bei Kumar auch zwingend in Bar bezahlen. Kartenzahlung ist nicht möglich. Trotz der Einschränkungen wird das Angebot gut genutzt, sagt die 42-Jährige. Dreimal die Woche ist sie in Güls - immer Montag, Mittwoch und Freitag, jeweils von 10 bis 13 Uhr.
Die Reaktionen der Kunden auf den mobilen Postservice seien größtenteils positiv. "Die sind froh, dass sie nicht so weit fahren müssen", meint Kumar. Seit Mitte April gibt es in Güls kein Angebot der Post mehr. "Ich find' das ist ne gute Notlösung", sagt ein junger Mann, der einen Brief bei Kumar abgegeben hat. Eine richtige Filiale würde er jedoch besser finden - allein schon wegen der Öffnungszeiten.
Gute Beziehung zu Menschen vor Ort
Seit Mitte Juni kommt Anjili Kumar bereits nach Güls (die Rhein-Zeitung berichtete). Vorher war sie vor allem im Bonner Raum unterwegs, um Löcher im Netz der Postfilialen zu stopfen. Bei ihrer Arbeit trägt sie gerne gelbe Kleidung. Die hatte sie aber schon, bevor sie bei der Post angefangen hat, wie sie sagt: "Gelb ist schon immer meine Lieblingsfarbe gewesen. Es hat sich so ergeben, dass die Arbeit mit meinem Kleidungstil zusammenpasst", meint sie lachend.
Die sind alle sehr nett hier und kümmern sich um mich.
Bei den Kunden kommen die Outfits gut an. Viele der Leute kennt sie mittlerweile, sie kommen regelmäßig an ihrem Auto vorbei. Und auch zu den Anwohnern und umliegenden Geschäften hat sie eine Beziehung aufgebaut. "Die sind alle sehr nett hier und kümmern sich um mich", sagt sie. Ob Kaffee, Eis oder Klogang - ihr mangelt es an nichts wie sie sagt. Und wenn es ihr zu warm wird, könne sie sich am Brunnen nebenan abkühlen.
Noch etwa zwei Monate lang soll der mobile Postservice in Güls bestehen bleiben. Dann soll es wieder eine Post-Partnerfiliale im Ort geben, wie Peter Mayer von der DHL Group dem SWR berichtet. Demnach befindet sich das Unternehmen bereits in Gesprächen mit Händlern in Güls. Er ist optimistisch, dass es bald eine Lösung gibt.