Pressefreiheit

Will AfD Westerwald kritische Berichterstattung über die Partei verhindern?

Der AfD-Kreisverband Westerwald hat bei einem "Bürgerdialog" einzelnen Medienvertretern den Zutritt verwehrt, unter anderem dem SWR. Das beschäftigt nun den AfD-Landesverband.

Teilen

Stand

Von Autor/in Eric Beres

Vor zehn Tagen lädt die AfD im Westerwald zu einem öffentlichen "Bürgerdialog" nach Stockum-Püschen. Gastredner in der Gemeindehalle ist Dennis Hohloch, AfD-Landtagsabgeordneter aus Brandenburg. Er ist ein auch von Medien gefragter Mann, weil er eine der zentralen Figuren beim Aufbau der neuen AfD-Jugendorganisationen ist. Der Verfassungsschutz in Brandenburg sieht ihn im extremistischen Lager.

Auf Anfrage wurde dem SWR die Teilnahme an dem Bürgerdialog verwehrt. Der AfD-Kreisvorsitzende Bailey Wollenweber begründet dies unter anderem mit der Berichterstattung des SWR über die AfD, mit der der Funktionär offensichtlich unzufrieden ist. "Sollte der SWR künftig wieder den eigenen Bildungs- und Informationsauftrag nicht nur im Leitbild, sondern auch in der Praxis erkennen lassen, heißen wir Sie selbstverständlich gerne willkommen", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. In einer weiteren E-Mail heißt es, der SWR habe "jederzeit vom öffentlichen Gehweg filmen können."

Einzelne Journalisten mit Zutritt

Mit anderen Medienvertretern hatte der Kreisverband offenbar weniger Probleme: In einem Video des Youtube-Kanals "Hessencam", das die Geschehnisse an diesem Abend außerhalb der Gemeindehalle dokumentiert, sind zwei Personen zu sehen, die sich als Pressevertreter bezeichnen und erklären, sie seien für die Veranstaltung akkreditiert worden. In den Tagen darauf erscheint mindestens ein Onlineartikel mit eigenen Eindrücken aus der Halle.

Darf die AfD handverlesenen Journalisten Zutritt gewähren und andere ausschließen? Zuletzt gab es mehrere Eilentscheidungen, in denen Gerichte Medienvertretern Recht gaben, die die AfD auf Zutritt zu Veranstaltungen verklagt hatten. So entschied der Thüringer Verfassungsgerichtshof 2024 im Fall einer AfD-Wahlparty, es sei eine "sachfremde Differenzierung", wenn einzelnen Medien "wegen einer angeblichen Tendenz ihrer Berichterstattung, die dem Veranstalter nicht genehm ist, von einer Versammlung ausgeschlossen werden."

Expertin: Sehr umstrittene Frage

Für die Parteienrechtsexpertin Sophie Schönberger von der Freien Universität Berlin ist die Frage "sehr umstritten". Höhere Gerichtsinstanzen hätten sich zu der Problematik bisher nicht eingelassen. Rechtlich sei es für sie "überaus zweifelhaft" zu argumentieren, dass politische Parteien an die Grundrechte gebunden sind. Sie seien nämlich nicht Teil des Staates, sondern Teil der Gesellschaft. Im Hinblick auf den offenen politischen Prozess sei es allerdings wünschenswert, wenn die Parteien alle Medienvertreter zulassen.

AfD-Landesverband will Vorgang intern besprechen

Das scheint man auch beim AfD Landesverband so zu sehen. Auf Anfrage heißt es, zu "sämtlichen Veranstaltungen des Landesverbandes" sei der SWR bisher eingeladen worden, "was weiterhin so gehandhabt werden wird". Der Vorgang im Westerwald werde nun "intern besprochen."

Der Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Westerwald selbst machte einen anderen Vorgang zum Thema Pressefreiheit am Rande des "Bürgerdialogs" öffentlich: In einem Video in den sozialen Medien sprach er von "linker Gewalt gegen einen Vertreter der Presse" bei einer Gegendemonstration. Ein Demonstrant habe diesem mit einem Plakat ins Gesicht geschlagen.

Dabei handelt es sich offenbar um den Betreiber von "Hessencam". Dieser berichtet dem SWR, er sei von einem Mann attackiert worden. Dabei habe es sich jedoch um einen normalen Bürger gehandelt, nicht um einen Linken. Im Übrigen habe auch er von der AfD keine Akkreditierung bekommen, um mit Eindrücken aus der Halle über den Bürgerdialog zu berichten.  

Vallendar

Neue Bewegung innerhalb der CDU Initiative "Compass Mitte": CDU-Politiker aus Vallendar fordert "klare Kante" gegenüber AfD

"In der CDU brodelt es", sagt Marco Pusceddu. Er hat die CDU-Gruppe "Compass Mitte" mit gegründet. Im SWR-Interview erklärt er, warum seine Partei eine Kurskorrektur braucht.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RP

Bingen

Landesparteitag in Bingen beschließt Wahlprogramm AfD Rheinland-Pfalz will Migrationswende und Rückkehr zur Kernenergie

Die rheinland-pfälzische AfD hat ihr Programm für die Landtagswahl im kommenden Frühjahr einstimmig beschlossen. Landeschef Jan Bollinger sagte, Ziel sei es, die SPD nach 35 Jahren aus der Staatskanzlei zu vertreiben.

RLP

Gesetzesänderung gilt seit dem Sommer AfD-Fraktion klagt gegen Zuverlässigkeitsprüfung von Mitarbeitern

Die AfD will, dass die Zuverlässigkeitsprüfung für Mitarbeiter von Fraktionen und Landtagsabgeordneten in Rheinland-Pfalz wieder abgeschafft wird. Die Fraktion hat deshalb Klage eingereicht.

Gauersheim

Ermittlungen im Donnersbergkreis Streit um Treffpunkt der AfD: Spaltet das Gauersheim?

Anfang Oktober kam es in Gauersheim zu Auseinandersetzungen bei einem Bürgerdialog. Seither ermittelt die Polizei. Bis heute sind die Ereignisse nicht abschließend aufgeklärt.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Koblenz

Neues Angebot des SWR Studios Koblenz Nachrichten aus der Region Koblenz jetzt auf WhatsApp lesen

Das SWR Studio Koblenz ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten aus dem Ahrtal, von Mosel und Rhein, dem Taunus und Westerwald.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Eric Beres
Eric Beres Autor

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!