Umgang mit AfD: Brandmauer oder Rote Linie?

CDU in RLP streitet weiter über Brandmauer zur AfD

Die Debatte um die Brandmauer zur AfD geht weiter: Neue Aussagen von Bettina Dickes und Gordon Schnieder zeigen, wie unterschiedlich die CDU in RLP ihre Grenzen zieht. Eine Analyse:

Teilen

Stand

Von Autor/in Olaf Kapp SWR Landespolitik

Der Streit um die AfD in der Union geht weiter. Bettina Dickes, CDU-Landrätin in Bad Kreuznach (Kreis Bad Kreuznach), hat ihre Position inzwischen noch einmal genauer beschrieben. Von einer politischen Zusammenarbeit zwischen CDU und AfD will sie nicht sprechen.

Im Kreistag gebe es keine gemeinsamen Anträge, keine Absprachen, keine feste Kooperation, sagte sie dem SWR. Was es gebe, sei etwas viel Unspektakuläreres: den alltäglichen Umgang miteinander in einem kommunalen Parlament. Man redet, man stimmt ab, man besetzt Ausschüsse - und manchmal entstehen Mehrheiten, ohne dass sie vorher verabredet worden wären.

Landrätin Kreis Bad Kreuznach Bettina Dickes
Landrätin Bettina Dickes setzt auf "rote Linien" statt auf eine Brandmauer.

Rote Linien statt Brandmauer: Dickes setzt auf Abgrenzung

Gerade an einem Wort aber zeigt sich, dass der Unterschied innerhalb der CDU damit keineswegs verschwunden ist: an den roten Linien. Dickes benutzt den Begriff bewusst als Gegenmodell zur starren Brandmauer.

Er soll markieren, wo für sie Grenzen verlaufen - und lässt damit zumindest die Möglichkeit offen, dass es diesseits dieser Linien politischen Umgang und, unter anderen Voraussetzungen, irgendwann auch mehr geben könnte.

Rheinland-Pfalz
Fähnchen mit dem Logo der AfD

Herausforderungen in der Kommunalpolitik Die Brandmauer zur AfD bekommt Risse - auch in Rheinland-Pfalz

Die Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt verschärft die Brandmauer-Debatte. Zwei CDU-Landräte in Rheinland-Pfalz ziehen unterschiedliche Grenzen. 

Gordon Schnieder lehnt Zusammenarbeit mit der AfD ab

Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) widerspricht genau an diesem Punkt. Für ihn ist schon die Rede von roten Linien problematisch. Wer rote Linien ziehe, sage damit schließlich auch, dass es einen Bereich gebe, in dem Zusammenarbeit grundsätzlich denkbar sei.

Schnieder will diese Tür gar nicht erst öffnen. Auf der Funktionärsebene der AfD, sagt er, erkenne er keine Bürgerlichen mehr, sondern Populisten und Extremisten. Und wer in der CDU eine offene Zusammenarbeit mit der AfD anstrebe, müsse sich fragen, ob die CDU noch die eigene politische Heimat sei.

RLP-Ministerpräsident Gordon Schnieder im Gespräch mit dem SWR
In Sachen AfD hat RLP-Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) eine klare Meinung. Wer in der CDU eine offene Zusammenarbeit mit der AfD anstrebe, müsse sich fragen, ob die CDU noch die eigene politische Heimat sei. 

CDU-Debatte: Unterschied zwischen Brandmauer und roten Linien

Damit liegt der Gegensatz weniger im politischen Alltag des Heute als in der Vorstellung vom Morgen. Dickes sagt selbst, dass ihre roten Linien unter den gegenwärtigen Bedingungen praktisch zum selben Ergebnis führen wie eine Brandmauer: Mit dieser AfD sei politische Zusammenarbeit nicht möglich.

Aber sie hält den Gedanken fest, dass Grenzen unter grundlegend veränderten Bedingungen neu bewertet werden könnten. Schnieder lehnt schon diese Logik ab. Für ihn soll aus einer Grenze keine Verhandlungslinie werden.

Michel Friedman

Michel Friedman im Interview mit SWR Aktuell "Die AfD ist nicht am Rande, sie ist außerhalb der Demokratie"

Für den Publizisten Michel Friedman sind die jüngsten Wahlergebnisse eine Gefahr für die Demokratie. SWR-Moderator Sascha Becker hat mit Friedman über die politische Lage im Land gesprochen.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

Politische Grenze zur AfD bleibt Streitpunkt in der CDU

Vielleicht liegt darin inzwischen der eigentliche Kern der Debatte. Gestritten wird weniger darüber, ob CDU und AfD heute politisch zusammenarbeiten sollen - das verneinen beide.

Gestritten wird darüber, ob die Grenze eine Mauer sein soll oder eine Linie. Eine Mauer steht. Eine Linie kann man ziehen - und theoretisch auch neu ziehen. Genau in diesem Unterschied steckt mehr politische Sprengkraft, als es auf den ersten Blick scheint.

AfD-Logo auf einer Fahne vor einem Plakat zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (Fotomontage): Warum wählen so viele Ostdeutsche rechts?

Demokratie Warum so viele Ostdeutsche rechts wählen

Aus Wut auf "die da oben", auf Migranten, Medien, Vielfalt in den Familien wurde eine Lust an der Zerstörung etablierter Strukturen. Hinzu kommt die Sehnsucht nach autoritären Lösungen.

Das Wissen SWR Kultur

Magdeburg/Mainz
Teilnehmer warten auf den Beginn des Wahlkampfauftakts der AfD Sachsen-Anhalt und schwenken Deutschlandfahnen und halten Herzen mit dem Porträt des Spitzenkandidaten hoch. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fand am 06. September 2026 statt.

Schnieder fordert klare Entscheidungen von der Politik Hoher Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt - Reaktionen aus Rheinland-Pfalz

Die AfD hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 44 Prozent aller Stimmen geholt. Die Wählerschaft der CDU hat sich halbiert. Das sagt die Politik in Rheinland-Pfalz zum Wahlausgang.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP